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„Malen rund um die Burg“ in Dringenberg

Die Vielfalt beeindru ckt

Bad Dribuurg-Dringenberg

„Malen auf der Burg“ in Dringenberg ist eine Veranstaltung des Heimatvereins Dringenberg und des Kunstvereins ArtD Driburg, die seit 1998 durchgeführt wird.

Von Astrid E. Hoffmann

Michael Vonnahme aus Büren arbeitet an einem seiner „bewegten Häuser“. Vorlage für seine Bilder waren die Fotografien eines französischen Fotografen, der das Pariser Altstadtviertel abgelichtet hat. Foto: Astrid E. Hoffmann

Michael Vonnahme nimmt den Pinsel zur Hand und lässt die Flammen aus dem Haus züngeln. Das Haus auf der Leinwand scheint in Bewegung, sicher aber ist, dass es dort brennt. „Ich werde noch einen Balkon malen und eine blonde Frau, die um Hilfe ruft“, sagt der Bürener Künstler und vertieft sich wieder in seine Arbeit. Den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter schauen, dass ist „Malen rund um die Burg“ in Dringenberg. Der Heimatverein Dringenberg und der Kunstverein ArtD Driburg sind die Veranstalter und brachten diesmal 27 Aussteller in den Innenhof der Burg. Dabei sind auch einige, die zum ersten Mal in dem Ambiente des alten Gemäuers ihre Staffelei aufgestellt hatten.

Unter Einhaltung der Corona-Regeln war so endlich wieder Kunst präsent, und das nutzten sehr viele Menschen, um zu schauen, zu plaudern und zu genießen. Der Dorfladen Dringenberg bot Waffeln, Eis sowie warme und kalte Getränke an, sodass es an nichts mangelte. Der Erlös wird an die Flutopfer gespendet.

Seit 20 Jahren dabei

Seit 20 Jahren gehört Gisela Bernard zu den Künstlern, die ihre Farbpalette dem geneigten Besucher auch erklären. „Abstrakt muss man mögen“, sagt Bernard, die sich an die Anfänge von „Malen rund um die Burg“ noch gut erinnert. „Wir waren nur zwei, drei Künstlerinnen hier im Hof, wunderbar, was jetzt daraus geworden ist.“

Renate Ortner (links) war Begründerin und lange Organisatorin von „Malen rund um die Burg“, hier im Gespräch mit einer Besucherin. Foto: Astrid E. Hoffmann

Die Dringenbergerin Renate Ortner initiierte 1998 diese besondere Ausstellung und war als Organisatorin bis 2018 aktiv. Sie hatte auch diesmal ihren Stand aufgebaut, war aber auch unterwegs, um Gespräche zu führen. Sie gehört zu den Mitbegründern von ArtD Driburg. Der Verein feiert im kommenden Jahr sein 20-jähriges Bestehen.

Immer wieder werden neue Künstler von den etablierten Kunstschaffenden eingeladen, mitzumachen. „Ich bin von Renate Ortner angesprochen worden und habe mich riesig gefreut. Aber ein bisschen nervös war ich Vorfeld schon“, berichtet Julia Wertz. Sie präsentierte abstrakte Malerei. „Es ist im Kopf wie eine Schneekugel, alles muss sich erst legen, bevor man den Tag hier realisiert“, sagt die Paderbornerin mit Daseburger Wurzeln.

Kritischer Blick

Das viel über Mundpropaganda geht, bestätigt Heidi Lange-Kallerhoff aus Altenbeken. Sie ist selbst seit 2006 aktiv dabei. Aus einem Workshop zur Pandemiezeit stellte Lange-Kallerhoff zum Thema Kühe aus. Sie zeigte den kritischen Blick auf unser Konsumverhalten. Was ist uns die Kuh wert, wenn die Milch verramscht wird? Eindrucksvoll dargestellt mit Milchtüten und roten Kühen.

Den Klimawandel und seine Folgen verarbeiteten auch Erika Kohls und Monika Trauner, die Stand an Stand standen. Bitumen, Dachlack, Pigmente und Putzmittel sorgen bei Erika Kohls für „explosive“ Reaktionen auf dem Maluntergrund. Mit Marmormehl, Holzlasur, Schellack und Tusche geht Monika Trauner ans Werk. Sie ist erst im vergangenen Jahr nach Bad Driburg gezogen.

Ein Kind der DDR ist Heidemarie Kluge. Die vierfache Mutter hat die digitale Malerei für sich entdeckt. „Wenn das Kind abends noch einmal wach wird, ist es ungünstig, Farbe an den Händen zu haben.“ Dachte die Mutter praktisch und kam über die Gute-Nacht-Geschichten auch zum mythischen Thema ihrer Kunst. Sie zeigte den Besuchern, wie Malen und Technik zusammen gehen.

Vielfalt im Burghof

Fotos machen, am Computer bearbeiten, dass ist auch die Kunst von Manfred Steinborn. Sein Frau Sigrid Frederking haben es Gesichter angetan, die sie eindrucksvoll in Acryl in Szene setzt. Ein Jordanier vor den Pyramiden von Gizeh oder Artischocken vor dem Haus zwischen den Felsen, Klaus Chabowski setzt seine Urlaubseindrücke in einen ungewohnten Kontext und das besticht. Vom Schöpfen des Papieres bis zum fertigen Kunstwerk, darin ist Barbara Beisinghoff eine Meisterin.

Es ist die Vielfalt, die im Burghof den Besucher beeindruckt, die Stilrichtungen, die verwendeten Stilelemente. „Es ist eine schöne Atmosphäre hier in der Burg. Es macht sehr viel Spaß mit Kollegen und Besucher ins Gespräch zu kommen“, sagt Uschi Bracker, die seit 2011 ziemlich regelmäßig von Delbrück nach Dringenberg kommt und es wohl auf den Punkt bringt. Die Vorsitzende von ArtD Driburg, Cornelia Appel, zeigte sich am Ende des Tages sehr zufrieden mit der großen Resonanz. Wurde die blonde Frau aus dem brennenden Haus gerettet, war noch die wichtige Frage zum Schluss. „Ich habe den Balkon, auf den die Frau sich ja retten sollte, weggelassen, das Bild wäre zu überladen gewesen“, erklärt Michael Vonnahme, die Entscheidung die im Malprozess entsteht. „Die Frau hat es wohl noch durch das Treppenhaus in die Freiheit geschafft“, mutmaßen Besucher und Künstler.

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