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Erstmals im Stadtgebiet Bad Wünnenberg

Drei Stolpersteine verlegt: Gedenken an die jüdische Familie Rosenberg

Bad Wünneberg-Haaren

Mit der Aufstellung eines Gedenksteins am jüdischen Friedhof in Haaren im Jahre 2006 war ein sichtbares Zeichen zur Erinnerung an ehemalige jüdische Bewohner Haarens, die Opfer der Nazis wurden, gesetzt.

Von Hans Büttner

Bürgermeister Christian Carl setzt gemeinsam mit Helene Rosenberg zwei Stolpersteine in das Pflaster des Gehweges vor dem Haus der Familie Rosenberg an der Paderborner Straße in Haaren. Viele Haarener und auch die Töchter Julius Rosenbergs, Rina und Ruth aus Israel, begleiteten die Verlegung der Steine. Foto: Johannes Büttner

Auf dem Stein sind 28 ermordete Personen namentlich genannt. Zu ihnen gehören auch Jacob, Julius und Helene Rosenberg. Die Familie wohnte nicht nur inmitten des Dorfes, sie war auch vollständig in die dörfliche Gemeinschaft inte­griert. Das änderte sich, als die Nazis 1933 die Macht übernahmen. Während Julius 1937 die Flucht nach Palästina gelang, wurde sein Vater Jacob 1944 in Theresienstadt umgebracht und seine Schwester Helene 1941 nach Minsk deportiert, wo sie ebenfalls ermordet wurde. Die beiden Häuser der Familie Rosenberg wurden in der Nacht zum 11. November 1938 beschädigt, besonders der Betraum im Obergeschoss, doch beide Häuser blieben erhalten und stehen noch heute an ihrem Platz an der Paderborner Straße.

Vor rund zwei Jahren hatte die Nichte Julius Rosenbergs, Helene Rosenberg, Kontakt zur Stadt Bad Wünnenberg und dem Heimatverein Haaren aufgenommen, um mit dem Verlegen sogenannter Stolpersteinen an die drei Nazi-Opfer der Familie Rosenberg zu erinnern. Mit diesen Stolpersteinen gegen das Vergessen soll an die Opfer der Nazis erinnert werden.

Im Stadtgebiet Bad Wünnenberg, in dem das Thema Juden durch Jost Wedekinds Veröffentlichung „Haarener Landjuden“ gut dokumentiert ist, wurden bisher noch keine Stolpersteine gesetzt. Am Freitag nun konnte die Verlegung der Steine zur Erinnerung an Jacob, Julius und Helene Rosenberg erfolgen. Bad Wünnenbergs Bürgermeister Christian Carl bezeichnete die Steine auch als Zeichen für ein tägliches Wachsamsein bei Diskriminierungen im Alltag.

Durchweg positiv sei die Aktion in der Bevölkerung aufgenommen worden, sagte Ortsvorsteher Norbert Münster. Kritikern, die meinten, dass die Steine schon früher hätten gesetzt werden müssen, entgegnete Münster: „Dafür ist es immer die richtige Zeit.“

Auch Heimatvereinsvorsitzender Heinrich Kaup schloss sich den mahnenden Worten des Bürgermeisters an. Ausgrenzung führe auf eine schiefe Ebene, die ins Verderben führe.

Viel Lob und Dank sprach Helene Rosenberg der Stadt Bad Wünnenberg und besonders Martin Finger aus. Die Stadt und der Heimatverein hätten ihre Bemühungen sehr gut unterstützt, lobte Rosenberg. Zu der mit rund 150 Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung waren auch zahlreiche Nachkommen der Familie Rosenberg gekommen. Unter ihnen die Töchter von Julius Rosenberg, Rina und Ruth aus Israel. Aus terminlichen Gründen musste der Künstler Gunter Demnig sein Kommen absagen. Ergänzt und bereichert wurde die Stolpersteinaktion mit Gesangs- und Theateraufführung der Schülerinnen und Schüler der beiden vierten Klassen der Grundschule und einer Ausstellung im Bürgerhaus zum Thema Judentum in Haaren.

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