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Blinden- und Sehbehindertenverein Paderborn sieht Politik und Verwaltung in der Pflicht

„E-Scooter sind eine unerwartete Gefahr“

Paderborn

Für die einen sind am Straßenrand oder auf dem Bürgersteig abgestellte E-Scooter ein willkommenes Transportmittel, für die anderen ein Ärgernis: So meldete die Polizei am Mittwoch, dass am Dienstagnachmittag ein 70-jähriger Radfahrer bei einem Unfall wegen eines am Straßenrand liegenden E-Scooters schwer verletzt wurde. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Paderborn spricht jetzt sogar von einer „unerwarteten Gefahr“, die von den Scootern ausgehe.

Achtlos am Straßenrand abgestellte E-Scooter sind für Blinde und Sehbehinderte oft eine Gefahrenquelle. Foto: Jörn Hannemann

Der Paderborner fuhr laut Polizei auf dem Geh-/Radweg neben dem Ludwigsfelder Ring und wollte, wie berichtet, den Ring in Höhe der Kreuzung Dahler Weg an der Unterführung queren. In einer Rechtskurve vor der Unterführung lag am rechten Rand des Geh-/Radwegs und teilweise auf dem Grünstreifen ein E-Scooter auf dem Boden. Der 70-Jährige, fuhr gegen den Scooter und stürzte. Obwohl er einen Fahrradhelm trug, wurde er dabei so schwer verletzt, dass er mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Dass die Zahl der E-Scooter in Paderborn demnächst, wie berichtet, deutlich steigen könnte, ruft auch den Blinden- und Sehbehindertenverein Paderborn auf den Plan. Dessen Vorsitzender Rüdiger Kühl und das Mitglied Klaus-Peter Wegge beklagen in einem Brief an die Stadt und die Ratsfraktionen, dass die E-Scooter am Straßenrand für blinde und sehbehinderte Menschen „eine unerwartete Gefahr“ und „einen erheblichen Rückschritt für die Mobilität“ darstellten.

Juristische Grauzone

Auch fehle ihnen bezüglich dieser Pro­blematik ein adäquater Ansprechpartner: „Die Polizei wird nur bei ernsten Personenschäden aktiv, das Ordnungsamt ist nicht zuständig und der Betreiber ist für uns nicht erreichbar. Für E-Roller existiert somit eine juristische Grauzone“, heißt es in der Mitteilung. Der Verein fordert Politik und Verwaltung auf, „eine Aufstockung der E-Roller-Zahlen bis zu einer bundesweit gesetzlich geltenden Regelung und Klärung von Haftungsfragen auszusetzen und umgehend Maßnahmen zu ergreifen, die aktuelle E-Roller-Situation in Paderborn deutlich zu verbessern“.

Die Forderungen und Vorschläge, die in dem Brief des Vereins aufgeführt werden, haben die SPD offenbar bereits überzeugt. In der Sitzung des Umweltausschusses an diesem Donnerstag, will sie laut einer Mitteilung die Stadt auffordern, die Regelungen zum Abstellen der Scooter so zu fassen, dass sie keine Gefahrenquelle mehr darstellen – und das nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen. Zudem möchte die SPD, dass von den Anbietern gefordert wird, dass die Roller technisch besser und sicherer ausgestattet werden. „Beispielsweise durch akustische Signale“, schreibt die SPD.

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