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Krautbund sammeln hat in Großeneder seit 20 Jahren wieder Bestand

Ein alter Brauch blüht auf

Borgentreich

Groß und Klein waren in Großeneder auch dieses Jahr wieder zahlreich unterwegs, um Kräuter für das traditionelle Krautbund zu sammeln.

Die Großenederer freuen sich gemeinsam mit den Initiatoren Bernhard Michels (3. von links) und Christian Woyke (rechts) über belebte Tradition des Krautbundes. Foto:

Seit nunmehr 20 Jahren ist der alte Brauch der Kräutersammlung zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August durch die damaligen Initiatoren Wilhelm Thiele vom Heimatverein Großeneder (leider verstorben) und Bernhard Michels (damals Naturkundlicher Verein Großeneder) wieder feste Tradition in Großeneder. Die neu belebte Tradition weckt immer noch das Interesse von Jung bis Alt, schreibt der Heimatverein Großeneder in einer Pressemitteilung.

Der ideale Ort zum Kräutersammeln seien die Wegränder entlang der Feldwege in der Nähe der Schützenhalle. Ideal deswegen, weil der Feldweg vom Verkehr wenig frequentiert wird und Kräuter bereithält, die von den Kindern zumeist im Bollerwagen mit Interesse gesammelt werden können.

Zwischen 7 und 77 Kräuter im Strauß

Zwischen 7 und 77 Kräuter gehören in den traditionellen Strauß, wovon die Großenederer Gemarkung fast 40 unterschiedliche Krautbundpflanzen zu bieten hat, heißt es in der Mitteilung. Eine magische Zahl muss es sein, und Heilkräuter wie Königskerze, Schafgarbe, Beifuß, Kamille, Rainfarn, Johanniskraut oder Pfefferminze, sind dabei Pflicht. Als Zentralkraut dient die Königskerze oder der Beifuß, um die alle anderen Kräuter gebunden werden. Auch die Nährpflanzen wie Gerste, Hafer, Weizen und Roggen dürfen nicht fehlen.

Schon seit Jahren gibt es fleißige Helfer, die bereits tags zuvor einige Kräuter, die es in der Nähe nicht ausreichend gibt, vorzusammeln. Das sorgt am eigentlichen Sammeltag für spürbare Entlastung, vor allem bei den Kindern, denn von jedem Kraut werden mehr als 50 benötigt. Denn so viele Sträuße werden durchschnittlich gebunden, teilt der Verein mit. Vorweggesammelt wird auch das Getreide, das in den meisten Jahren (dieses Jahr ausgeschlossen) bis zum 15. August zumeist schon geerntet ist.

Nach dem Sammeln werden die Kräuter an der Eder­halle zum Binden sortiert, um unter der Obhut erfahrender Krautbundbinderinnen in kleine Kunstwerke verwandelt zu werden. Das mache jedes Jahr viel Spaß. Man tausche sich aus, und Bernhard Michels vom Heimatverein wisse viel über die Kräuter zu Brauchtum und Wirkung zu berichten, heißt es weiter.

Zum Heil und Schutz in Wohnung und Stall

Gerade in der Warburger Börde diente das gesegnete Krautbund zum Heil und Schutz in Wohnung und Stall. Früher wurden Pflanzen der Sträuße oft kalbenden oder kranken Kühen zum Fressen gegeben oder im Stall gegen Blitzeinschlag aufgehängt. Heute sollen sie uns an die Heilkraft erinnern, die Gott ihnen verliehen hat, berichtet der Heimatverein.

Seit vielen Jahren wird das Krautbundsammeln mit anschließendem Binden und das Segnen in der Kirche vor allem von den künftigen Kommunionkindern genutzt, sich in der Gemeinde erstmalig aktiv einzubringen. So sind in den vergangenen Jahren zur Kräutersegnung die Fürbitten vorgetragen oder nach der Messe geweihte Krautbunde an die „Älteren“ verteilt worden.

Der Heimatverein Großeneder lädt bereits jetzt dazu ein, sich den Termin zum Kräutersammeln zum Fest „Mariä Himmelfahrt“ 2022 schon vorzumerken. Das Sammeln in der Gemeinschaft und das Kennenlernen unserer Schöpfung sei immer ein schönes Erlebnis. Es sei ein bereichernder Brauch für unsere Heimat, der seit 2001 in vielen Gemeinden erneut intensiver gelebt wird.

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