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Erzbischöfliches Generalvikariat verabschiedet Professor Dr. Paul Thissen

Ein kirchenmusikalisches Urgestein

Paderborn

Mit einem besonderen kirchenmusikalischen Akzent im Hohen Dom ist der Leiter des Referats Kirchenmusik im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, Professor Dr. Paul Thissen, vor wenigen Tagen in den Ruhestand verabschiedet worden. Seit 1987 war Thissen Ansprechpartner in allen kirchenmusikalischen Fragen und Koordinator der überpfarrlichen Arbeit der Dekanatskirchenmusiker. Sein Nachfolger wird Dominik Susteck aus Köln.

Zum Abschluss der Vesper nahm Professor Dr. Paul Thissen selbst am Spieltisch der Orgel im Paderborner Dom Platz, um sich musikalisch bei den Gästen im Dom zu verabschieden. Foto: Maria Aßhauer/Erzbistum Paderborn

Dem feierlichen Vesper-Gottesdienst zum Abschied im Paderborner Dom stand Monsignore Bernhard Schröder, Dekanatskatechet im Dekanat Südsauerland, vor. Professor Dr. Markus Brenk von der Hochschule für Musik in Detmold gestaltete den Gottesdienst mit einem kirchenmusikalischen Impuls mit.

Domorganist Tobias Aehlig brachte in der Vesper drei Orgelstücke zu Gehör, bevor Paul Thissen zum Abschluss selbst am Spieltisch der Domorgel Platz nahm und sich mit einem Stück von Louis Vierne von den Gästen im Dom verabschiedete.

Abschied mit gutem Gefühl

Neben seiner Tätigkeit für das Erzbistum Paderborn war Paul Thissen 2011 zum Honorarprofessor an der Hochschule für Musik Detmold (HfM) ernannt worden. Einer seiner dortigen Kollegen gestaltete den Vesper-Gottesdienst mit einem Impuls: Professor Dr. Markus Brenk, Professor für Erziehungswissenschaft und Musikpädagogik/Didaktik der Musik, machte deutlich, dass die Verbindung von Musikpraxis und theologisch inspirierter Reflexion unter dem Aspekt der Pastoral „von hoher spiritueller Bedeutung“ sei. Musik müsse zum „geistigen und geistlichen Sprechen gebracht“ werden und den Menschen berühren.

Diesen Anspruch hat auch Paul Thissen in seinem langjährigen Wirken immer wieder in die Tat umgesetzt. Er hinterlässt ein gut bestelltes Feld: Die systematische Fundierung kirchenmusikalischer Professionalität sei stets sein Ziel gewesen. Deshalb freut sich Thissen rückblickend über die Schaffung von 30 zusätzlichen hauptberuflichen Stellen neben den 18 Dekanatskirchenmusiker-Stellen im Erzbistum Paderborn. „Zudem konnten die Stellen für die kirchenmusikalische Arbeit in Liturgie und Konzert finanziell gut ausgestattet werden. Während Paderborn in den 80er und 90er Jahren eher als kirchenmusikalisches Entwicklungsland gesehen wurde, spielen wir heute im Konzert der deutschen Diözesen eine zentrale Rolle“, so der scheidende Leiter der Kirchenmusik.

Nachfolger ist preisgekrönt

Das Begleiten hunderter junger Menschen auf dem Weg zur Musik, sei es innerhalb der C-Kurse oder innerhalb der jahrzehntelangen Hochschultätigkeit, hätten zu seinen persönlichen Zielen gehört. Als weitere Höhepunkte nennt er die Zusammenarbeit mit Petr Eben bei der Realisierung der Auftragskomposition für das 1200-jährige Jubiläum des Erzbistums Paderborn sowie das in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Detmold durchgeführte Messiaen-Festival. „Ich werde auch im Ruhestand als Organist konzertieren und mich verstärkt der wissenschaftlichen Arbeit widmen, aber auch in größerem Umfang parteipolitisch engagieren“, blickt Prof. Dr. Paul Thissen auf die weitere Zukunft.

Der 44-jährige Dominik Susteck übernimmt im Sommer die Nachfolge von Prof. Dr. Paul Thissen in der Leitung des Referates Kirchenmusik. Seit 2007 war Susteck Organist der Kölner Kunst-Station Sankt Peter. Neben Lehrtätigkeiten an Hochschulen in Essen, Düsseldorf, Weimar und Köln machte er mit modernen Improvisationskonzerten auf sich aufmerksam. Sein überwiegend auf zeitgenössische Musik ausgerichtetes Repertoire präsentierte er auf mehreren CDs, zweimal hintereinander erhielt er dafür den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Auch als Komponist wurde er mit Preisen ausgezeichnet.

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