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Ewald Lienen erzählt im Elsestadion in Kirchlengern vor 60 Zuhörern aus seinem Leben mit dem Fußball

Ein Linksaußen in Plauderlaune

Kirchlengern

In der Region gibt es wohl kaum einen Fußball-Fan, der den Namen Ewald Lienen nicht kennt. Am Samstagabend ist der ehemalige Fußballspieler und -trainer mit seinem Buch „Ich war schon immer ein Rebell. Mein Leben mit dem Fußball“ im Elsestadion zu Gast gewesen.

Von Annika Tismer

Einmal Revoluzzer, immer Revoluzzer: Im Gespräch mit Moderator Philipp Kreuzer plauderte Lienen aus seinem Leben mit dem Fußball und hielt sich dabei natürlich nicht an das zuvor ausgearbeitete Konzept. Foto: Annika Tismer

Dorthin war die Reihe „Kultur im Forum“ aufgrund der Corona-Pandemie verlegt worden, was Bürgermeister Rüdiger Meier zum Anlass nahm, sie kurzerhand in „Kultur im Freien“ neu zu benennen. Bereits am Freitagabend hatte es einen Kinoabend im Freien gegeben, weitere Veranstaltungen könnten sich anschließen. „Wir werden sehen, ob sich mehr daraus machen lässt“, sagte Meier.

An diesem Abend sollte es aber um Ewald Lienen und den Fußball gehen, auch wenn sich Meier einen kleinen Schlenker in Richtung der politischen Versuche Lienens nicht verkneifen konnte: „Auf dem Platz war er links außen auf jeden Fall besser, als in der Politik“, witzelte er und spielte damit auf die Landtagswahlen 1985 an, bei denen Lienen kandidierte aber erfolglos aufgeben musste.

Lienen, der für seine rebellische Art und seine Schlagfertigkeit bekannt ist, konterte, indem er Meiers zehnminütige Verspätung aufgriff: „Jetzt weiß ich also, warum wir auf ihn gewartet haben. Damit er mich beleidigen kann“, frotzelte er.

Jeder Fußballfan verbindet mit Ewald Lienen die Verbundenheit, die er als Spieler und Trainer zum DSC Arminia Bielefeld hatte. Foto: Thomas F. Starke

Spätestens in diesem Moment hatte Lienen das Publikum – gut 60 Zuhörer hatten sich vor der in Flutlicht getauchten Bühne eingefunden – voll auf seiner Seite. Von nun an plauderte er aus seinem Leben, las aus seinem Buch und brachte Moderator Philipp Kreuzer nicht selten ordentlich zum Schwitzen. Denn an das zuvor ausgearbeitete Konzept („Sowas haben wir?“) schien sich Lienen so gar nicht halten zu wollen.

Vielmehr redete er einfach drauflos. Er erzählte, wie er überhaupt auf die Idee gekommen sei, ein Buch zu schreiben („Jeder, der irgendwann mal kurz bei einer WM auf dem Platz gestanden hat, schreibt doch mit 28 seine Memoiren.“) oder aber wie er dank seines Vetters Heinz mit vier Jahren überhaupt zum Fußball gekommen war.

Die Akribie, mit der er sich als Trainer während der Spiele Notizen machte, brachte Ewald Lienen den Spitznamen „Zettel-Ewald“ ein. Foto: Thomas F. Starke

Natürlich durften auch der Weg zu Arminia Bielefeld („Anfangs wollte man mir ein Moped bieten, damit ich da spiele“) sowie viele weitere Stationen seiner Fußball-Karriere nicht fehlen. Er berichtete, was ihn als Trainer ausgemacht hat, wurde aber auch emotionaler, wenn er vom frühen Verlust seiner Mutter sprach.

Die Anwesenden genossen diesen Abend in vollen Zügen und lauschten jedem seiner Worte gespannt.

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