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Umwelt- und Hochwasserschutzmaßnahme an der Altenau fertiggestellt – Land NRW fördert die Renaturierung

„Ein schönes Stück Heimat“

Lichtenau-Henglarn

Schnurgerade, als ob das Flussbett mit einem Lineal gezogen worden ist – so floss bisher die Altenau unterhalb der Kläranlage in Lichtenau-Henglarn. Ein natürlicher Bachverlauf? Sicherlich nicht.

Zurzeit ist die Altenau an dieser Stelle trocken, nach ausreichenden Regenmengen wird sie sich durch ihr neues Bett schlängeln – vorne Landrat Christoph Rüther und Lutz Kunz (Bezirksregierung Detmold), hinten: Johannes Schäfers und Volker Karthaus vom WOL. Foto: Kreis Paderborn

Der Mensch hat hier einst mit weitreichenden Folgen massiv in die Natur eingegriffen. Nun hat der Wasserverband Obere Lippe (WOL) einen natürlichen Bachlauf wiederhergestellt. Das zuvor 1,8 Meter tief eingeschnittene und circa fünf bis acht Meter breite Gerinne wurde durch ein naturnahes, flaches und schmales Bachbett ersetzt.

Statt auf 800 Meter im geraden Verlauf schlängt sich der Fluss nun auf 1,4 Kilometer auf einer Fläche von zehn Hektar durch die Altenau-Auen. Die Flächen wurden im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens der Bezirksregierung erworben.

Begradigung hatte weitreichende Folgen

Die Begradigung vieler Flüsse seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte auch für die Altenau weitreichende Folgen. Natürlicherweise fällt der Karstbach in niederschlagsarmen Zeiten unterhalb von Atteln trocken. Das versickerte Wasser fließt über Klüfte im Kalkgestein unter anderem zu den Quellen in Gellinghausen und Kirchborchen. Erst wenn es genug geregnet hat und der Untergrund mit Wasser gefüllt ist, führt die Altenau bis Gellinghausen Wasser.

Durch die Begradigung und Eintiefung wurde und wird das Wasser noch schneller abgeführt und die Aueböden, inklusive des unterirdischen Kieskörpers, trocknen aus. Regnet es jedoch zu viel, rast das Wasser flussabwärts und verursacht Überschwemmungen. „Durch einen natürlichen Flussverlauf halten wir in trockenen Zeiten das Wasser länger in der Landschaft und bei Hochwasser kann sich das Wasser in der Aue ausbreiten“, verdeutlicht Volker Karthaus, Geschäftsführer des WOL, die Vorteile der Renaturierung.

Das Leben blüht wieder auf

Nicht nur die Menschen profitieren von der nun fertiggestellten Maßnahme. Auch rund um den neuen Flussverlauf blüht das Leben wieder auf. Insekten und andere Kleinstlebewesen, die im und am Wasser leben, finden hier ihren natürlichen Lebensraum wieder. Sie wiederum sind Nahrung für Fische und Vögel, die sich in der Aue niederlassen.

„Bei dieser Renaturierung harmoniert der ökologisch umgestaltete Abschnitt der Altenau sehr gut mit der Natur in der umgebenden Auenlandschaft“, freut sich Lutz Kunz, Leiter der Abteilung Umwelt der Bezirksregierung Detmold. Das Projekt wurde zu 80 Prozent durch Fördermittel des Landes NRW finanziert, 20 Prozent trägt der Kreis Paderborn. Insgesamt betrugen die Kosten rund 140.000 Euro.

„Wir haben im Kreis Paderborn vor 25 Jahren angefangen, uns für die Renaturierung stark zu machen“, erklärt Landrat Rüther. Es sei dabei stets gelungen, von der Bezirksregierung zahlreiche Fördergelder für diese Projekte zu erhalten. Die neugestaltete Aue lieg am Altenau-Wanderweg zwischen Henglarn und Etteln.

„Wir haben hier die Altenau und die Flussumgebung wieder so hergestellt, wie sie einst durch die Landschaft floss. Wanderfreunde können somit hier nicht nur ein vorbildliches Schutzprojekt kennenlernen, sondern auch ein wunderschönes Stück Heimat genießen“, freut sich Rüther.

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