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Serie (Teil 5): Die Rückkehr des Wolfes ins Paderborner Land – Ute Rabe erläutert den Einfluss von Fabeln und Märchen

Ein Tier wird verleumdet

Paderborn

Wölfe seien wie „Ketzer in Schaffellen“, die Herzen stets voller List. So steht es im „Physiologus“, einer frühchristlichen Beschreibung von Tieren, die mindestens seit dem 2. Jahrhundert nach Christus überliefert ist. Darin erscheint der Wolf als eine dunkle Macht, als ein listiges, bösartiges Tier.

Von Dietmar Kemper

Ute Rabe zeigt vor ihrer beeindruckenden Bibliothek eine bildliche Darstellung der Szene, in der der Wolf sich als Großmutter verkleidet und darauf lauert, Rotkäppchen zu fressen. Schön gestaltete Märchenbücher faszinieren Kinder seit Jahrhunderten. Der Physiologus prägte die Einstellung vieler Menschen zu den Tierarten. Foto: Oliver SchwabeOliver Schwabe

„Tiere wie den Wolf hat man vermenschlicht, man hat ihnen Eigenschaften untergeschoben und daraus Lehrstücke gemacht“, weiß Ute Rabe. Paderborns bekannteste Märchenerzählerin betont: Wenn vom Wolf geschrieben wird, ist eigentlich der Mensch gemeint. Rabe kennt die „Naturkunde“ des „Physiologus“, der sich nicht zuletzt auf die Bibel berief: „Der Autor ist unbekannt, aber die Sammlung war überall verbreitet und wurde aus dem Griechischen in viele Sprachen, auch in die Volkssprachen, übersetzt, und das hat die Meinung geprägt.“

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