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Joris sorgt bei seinem Picknickkonzert auf dem Gartenschaugelände in Schloß Neuhaus für reichlich Emotionen

Eine Achterbahn der Gefühle

Paderborn-Schloß Neuhaus

Wer hätte gedacht, dass ein Konzert von Joris zur Achterbahn der Gefühle werden würde? Am Sonntagabend performte der Sänger den dritten Auftritt in der Reihe der Picknickkonzerte auf dem Gartenschaugelände in Schloß Neuhaus und bewegte sein Publikum in jeglicher Hinsicht.

Von Rebecca Borde

Joris bewegte das Publikum des Picknickkonzerts auf dem Gartenschaugelände in Schloß Neuhaus in jeglicher Hinsicht. Foto: Rebecca Borde

Während man in der einen Minute lachend tanzte, breitete sich in der Nächsten ehrfürchtiges Schweigen aus. Joris bediente jede Gefühlslage.

Nach der Vorband Stanovsky eröffnete Joris sein Konzert mit seinem Song „Sturm und Drang“ und sorgte dafür, dass keiner lange auf der Picknickdecke sitzenblieb. Das Lied veröffentlichte er in diesem Jahr auf dem Album „Willkommen Goodbye“. Da ließ der gleichnamige Song natürlich nicht lange auf sich warten. Die Botschaft passt zur Pandemie: Nach dem gemeinsamen Stolpern müsse man auch wieder gemeinsam aufstehen, findet Joris.

Für Gelächter sorgte der Liedermacher mit seiner charmanten Art, als er seinen Fans versicherte: „Ihr seid hier viel schöner als alle anderen in Deutschland. Die, die jetzt nicht klatschen, denken wahrscheinlich, das sagt er doch jeden Abend.“

Bevor Joris am Sonntag auftrat, waren die Tage zuvor Gentleman und Giant Rooks auf der Picknickkonzerte-Bühne zu sehen.

Auch die kleinen Patzer des Sängers machten ihn für seine Fans nur sympathischer. So auch als Joris voller Überzeugung „Home Again“ anstimmte, bis ihm nach dem Refrain auffiel, dass Sängerin Lotte die zweite Strophe eigentlich singt, jetzt aber nicht hier sei. Nach einem kurzen hilflosen Schweigen beschloss Joris einfach, die nach eigenen Angaben originale zweite Strophe zu singen, exklusiv für das Paderborner Publikum.

Neben seiner humorvollen Art, beeindruckte er seine Zuhörer durch sein enormes musikalisches Können. Seine eigentlich raue Stimme erreicht auch die höchsten Töne scheinbar mühelos, auch während er sich selbst mit dem Klavier, der Gitarre oder der Ukulele begleitete.

Hauptsächlich wurde Joris von seiner Band instrumental unterstützt. Für den Hit „Untergang“ versammelten sich alle sechs Musiker dann im Halbkreis und sangen gemeinsam. Mit Trommel, Rassel und Gitarren sowie dem japanischen Harmonium begleiteten sie sich und lächelten einander immer wieder anerkennend zu, wie gute Freunde. Sänger Joris weiß seine Band wertzuschätzen, denn es seien die fünf besten Musiker der Nation. Andere würdigte er ebenso und sendete Grüße an Gentleman, der am Abend zuvor auf derselben Bühne stand. Ihm zu Ehren sang Joris den gemeinsamen Song „Immer noch hier“.

Einer seiner größten Erfolge, „Herz über Kopf“, brachte die Fans endgültig zum Ausrasten. Sofort sangen alle eifrig mit und Joris ergriff die Gelegenheit. Er teilte das Publikum in Gruppen ein, um jeden beim Mitsingen zur Geltung kommen zu lassen. Bei so viel Freude konnte der Refrain auch doppelt so oft gesungen werden wie normalerweise. Das Lied „Sommerregen“ wurde zum Remix mit aufgedrehtem Beat und Lichteffekten. Dabei tanzte Joris geradezu mit seinem Publikum um die Wette.

Der aus Vlotho stammende Sänger bereicherte das Konzert mit Geschichten von Schicksalsschlägen, als er „Bis ans Ende der Welt“ ankündigte. „Ihr kennt den Song bestimmt aus dem Radio und habt ihn nie so verstehen können, wie er gemeint war“, sagte der 31-Jährige. So erzählte Joris vom Tod des Vaters eines Freundes. Damals habe er nicht die richtigen Worte finden können. Jetzt wolle er dies nach all den Jahren mit seinem Song nachholen. Die Botschaft lässt das Publikum in betroffener Stille andächtig schweigen: „Kein Denkmal und kein Erbe dieser Welt kann ersetzen, dass Leute sich mit einem Lächeln an euch erinnern.“

Auch große Lieder wie „Steine“ brachten die Fans zum Nachdenken. Die Message: „Ich kann nicht für dich fallen, aber ich kann für dich aufstehen.“ Dabei hakten sich Zuschauer bei ihren Begleitungen unter und nahmen einander an die Hände. An diesem Abend schuf Joris ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl, das in Worten kaum zu beschreiben ist. Abschließend schenkte er seinen Fans Hoffnung: „Ich wünsche euch, dass die nächsten Abende auch so voller Konfetti sind und mit einem Lächeln enden wie dieser.“ Optimistisch verkündet er: „Ich verspreche, es kommen verdammt gute Zeiten auf uns zu.“ Als Joris dann bei der Zugabe eine Regenbogenfahne herausholte, wollte der Applaus kaum enden. Die Fans waren begeistert von Joris, und dieser beendete das Konzert mit einem erfüllten Lächeln.

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