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Das Instrument des Jahres steht in Vlotho an einem Tag dreifach im Mittelpunkt

Endlich wieder ein Livekonzert

Vlotho

Im Evangelischen Kirchenkreis Vlotho gab es unterschiedliche Aktionen rund um die Orgel. In St. Johannis erteilte Annegret Jesse Orgelunterricht und Claudia Krieger spielte in Valdorf nach der Generalüberholung der Orgel „Swing meets Classic“. Zum Abschluss verknüpfte Līga Auguste in St. Stephan Musik von Johann Sebastian Bach mit lettischer Musik.

Von Christopher Deppe

Gut besucht: Wenige Minuten vor dem Konzert von Līga Auguste sind die meisten der 60 möglichen Plätze in der St.-Stephan-Kirche vergeben. Foto: Evangelischer Kirchenkreis

Draußen auf dem sonnigen Kirchplatz vor St. Stephan treffen sich die Menschen, begrüßen sich freudig, die Kirche füllt sich. Insgesamt sind gut 60 Sitzplätze zugelassen – an diesem Abend sind sie fast alle besetzt. Das hat einen guten Grund: Die Organistin Liga Auguste hat mit ihrem Programm „Die Orgel tanzt“ zum Orgeltag der Evangelischen Kirche von Westfalen eine lang aufgeschobene Sehnsucht bedient: das Verlangen nach einem schönen Livekonzert. Andere Aktionen und Konzerte gab es im gesamten Kirchenkreis.

Kantorin Liga Auguste in St. Stephan Vlotho Foto: Evangelischer Kirchenkreis

„Alles Stücke, die ich selbst gern mag und öfter spiele“, verriet Liga Auguste, die von der Empore aus durch das Programm führte. Das Besondere an diesem Konzert: Eine Kamera begleitete sie beim Spiel, und die Projektion war auf einer Großleinwand im Kirchenschiff zu sehen. So kam zum akustischen Genuss auch noch ein Blick auf die Meisterleistung an den Tasten.

Der erste Programmteil war ganz dem barocken Großmeister gewidmet: Mit der prunkvollen Fantasie über „Komm, Heiliger Geist“ eröffnete Liga Auguste das Konzert, gefolgt von Präludium und Fuge in D-Dur, das zu Bachs meistgespielten zweisätzigen Stücken gehört. Bereits jetzt bedankte sich das Publikum nach jedem Stück mit einem lang anhaltenden Applaus.

Claudia Krieger an der renovierten Orgel in Valdorf Foto: Evangelischer Kirchenkreis Vlotho

Aus Bachs Schübler-Chorälen spielte Līga Auguste anschließend „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ und „Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter“. Zum Abschluss des sakralen Programmteils beschenkte sie ihre Zuhörer mit einem fröhlichen Vorspiel des Kirchenmusikers Stefan M.R. Ulrich, was mit dankbarem Applaus honoriert wurde

Dann wurde es weltlicher. „Lettland ist ein kleines Land, mit vielen kleinen Orgeln. Aber es gibt zwei Ausnahmen: eine große dort, wo ich herkomme, und eine große in Riga“, mit diesen Worten eröffnete Līga Auguste den zweiten Programmteil. Und sie begeisterte sogleich mit einer Toccata eines zeitgenössischen Komponisten, bei der zarte, lyrische Passagen mit stark rhythmischen Bässen verwoben waren.

Auch beim folgenden Stück des Landsmanns Aivars Kalejs nahmen die sanft dahinfließenden Tonkaskaden den Zuhörer gefangen und ließen vor dem inneren Auge Bilder von der Schönheit und Weite Lettlands aufziehen. Beinahe folkloristisch mutete der „Valse mélancholique“ an, der mit seiner melodischen Klarheit und dem schmeichelnden Walzertakt ebenfalls die Herzen der Zuhörer zu erobern wusste.

Mit Jean Alains bewegend-dramatischer Komposition „Litanies“ beendete Līga Auguste den Konzertabend. Das Publikum erhob sich von den Plätzen und würdigte die musikalische Meisterleistung mit minutenlangem Applaus.

Die Römer spielten sie, als die Gladiatoren in die Arena marschierten. Noch schneller aber waren die Griechen: Sie nämlich haben das traditionsreiche Pfeifen-Instrument erfunden, das über einen Blasebalg betrieben wird – und dadurch sogar mit dem Dudelsack verwandt ist!

Annabell Barkmin gemeinsam mit Christel Jessen in St. Johannis Foto: Evangelischer Kirchenkreis Vlotho

Die Frau, die all das weiß, sitzt auf der Orgelbank in St. Johannis und lächelt verschmitzt: Organistin Annegret Jess hat den ersten Orgelworkshop konzipiert. Da ist es schon sehr schade, dass nur eine junge Interessentin gekommen ist: Annabell Barkmin. Die 17-jährige darf hinter den Pfeifen herumklettern und in das Rückwerk spähen. Sie bekommt den Motor erklärt und erfährt, warum die Pfeifen eine „Luftpumpe“ brauchen.

Annegret Jesse möchte junge Menschen für das Orgelspiel gewinnen. „Man denkt sich die Orgel immer so heilig“, sagt sie lachend, „aber sie kann auch Popmusik!“ Als Beweis hat sie bei Youtube ein Video eingestellt, bei dem sie den aktuellen Chartbreaker „Wellerman“ zum Besten gibt – mit Wikinger-Helm auf dem Kopf, um dem Seemannslied ein entsprechendes Flair zu verpassen.

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