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„Boffzer Bude“: Verein eröffnet Kiosk am Weserufer und landet mit neuem Angebot Volltreffer

Erholung pur vor der Haustür

Boffzen

Schon am zweiten (!) Abend war der Vier-Wochen-Vorrat an Getränken leer. Und auch jetzt, sechs Wochen nach der Eröffnung, ist die idyllische Sommer-Location ein magischer Anziehungspunkt: Der Verein „Boffzen Aktiv“ hat mit seinem Kiosk an der Weser, der „Boffzer Bude“, ein auf Anhieb beliebtes Ausflugsziel geschaffen.

Von Sabine Robrecht

Das Team der „Boffzer Bude“ ist überrascht von der riesigen Resonanz und mit Freude bei der Sache. An jedem Wochenende finden sich Freiwillige für den Dienst im Kiosk. Die „Bude“ belebt den idyllischen Platz am alten Dampferanleger. Foto: Sabine Robrecht

Der neue Wochenend-Treff hat den alten Dampferanleger aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Die Menschen rennen den Aktiven geradezu die (Boffzer) Bude ein. „Das hätten wir nicht gedacht“, schwärmt Frank Dormann, zweiter Vorsitzender des mehr als 100 Mitglieder starken Betreibervereins.

Das saftige Grün der Wiese lädt zum Verweilen ein. Vom gemütlichen Stuhl oder von der Picknickdecke aus genießen die Menschen den Blick auf den Fluss und die malerische Landschaft. Das kühle Getränk vom Kiosk wirkt ebenso belebend wie das Gespräch mit Bekannten, die zufällig auch da sind. Über dieser Wohlfühl-Oase mit Urlaubsflair gießt die Sonne, wenn die Wolken sie lassen, bis weit in den Abend hinein ihre wärmenden Strahlen aus. Sie scheint in die Herzen der Menschen hinein – der Gäste und Betreiber gleichermaßen. Sie alle erfüllen dieses schöne Fleckchen Erde am Ufer der Weser mit entspannter Lebensfreude.

„Es ist wie Urlaub“, schwärmt Familie Lampe aus Holzminden. „Es ist wie Urlaub“, schwärmt Familie Lampe aus Holzminden. Foto: Sabine Robrecht

Diese besondere Stimmung macht die Auszeit an der „Boffzer Bude“ zum Erlebnis. Und selbst in die Ferne strahlt die unbeschwerte Fröhlichkeit dieses trotz großen Zulaufs beschaulichen Treffs aus: Radfahrer auf der anderen Weserseite sehen die „Boffzer Bude“ und bauen sie in ihre Tour ein. Boots- oder Kanu-Besatzungen halten an. Für diese Fluss-Ausflügler haben die Vereinsmitglieder jetzt zum besseren Anlegen einen kleinen Ponton beantragt, berichtet Frank Dormann.

Die große Begeisterung über das neue Angebot spiegelt sich auch in den sozialen Netzwerken wider. Nach wenigen Wochen hat die „Boffzer Bude“ bei Instagram schon 830 Abonnenten. Auch die Besucher-Fangemeinde wächst. Der ungeahnte Zuspruch beflügelt natürlich all jene, die den „Laden“ nur vier Wochen nach der ersten Idee an den Start gebracht haben und ihn jetzt Wochenende für Wochenende am Laufen halten. Freitags zum Sonnenuntergang von 19 Uhr an sowie samstags und sonntags um 14 Uhr öffnen die Vereinsmitglieder ihre „Boffzer Bude“. Sie alle tun ihren Dienst ausschließlich ehrenamtlich und für einen guten Zweck. Die Einnahmen fließen allesamt in Projekte für Jung und Alt im Ort.

Jennifer Dietz (links) und Melanie Klowat im Dienst am Kiosk. Jennifer Dietz (links) und Melanie Klowat im Dienst am Kiosk. Foto: Sabine Robrecht

Das ist dem Verein, der die Dorfgemeinschaft fördern will, ein Grundanliegen. Vom Mehrgenerationenspielplatz bis hin zum Skaterpark, für den sich Tim Hartmann mit seinen gerade mal elf Jahren so erfolgreich stark gemacht hat, fördert „Boffzen Aktiv“ verschiedene Initiativen. Auch haben die Mitglieder schon viele eigene Aktionen gestartet. Dazu gehört die Versorgung bei den Blutspendeterminen, das Säen einer Wildblumenwiese, das Aufstellen geschmückter Weihnachtsbäume im Ort, das Pflanzen von 5000 Blumenzwiebeln, das Verschönern des Weserufers mit drehbaren Waldliegen, eine Schnitzeljagd, tatkräftige Hilfe bei einer Corona-Impfkampagne und jetzt die „Boffzer Bude“.

Den Kiosk betreut ein zwölfköpfiges Orga-Team. 30 Freiwillige stehen zum Dienst bereit. „In einen Online-Dienstplan tragen sie ein, wann sie zwei Stunden oder länger Zeit haben“, berichtet Kirstin Schubert. Zunächst aber galt es, die Bude aufzubauen. Rüdiger Meyer strich sie hellgrün an. Meinhard Griesser versah sie mit dem weithin sichtbaren Logo. Adriana Lensdorf, die in Boffzen ein Modelabel betreibt, hatte das Logo entworfen und die Crew auch gleich mit passenden T-Shirts ausgestattet. Die Ölmühle steuerte gemütliche Stühle bei. Viele andere Firmen unterstützen das Projekt ebenfalls. Marc Gonzaga aus Höxter macht mit seinem „Foodtruck 3 Stars“ an der Bude Station. Nach der letzten Runde helfen Gäste wie selbstverständlich beim Aufräumen. Kurzum: Das Unkomplizierte schafft die besondere Atmosphäre am alten Dampferanleger. Die Organisatoren sind von diesem Spirit so begeistert, dass sie auch dann an der Bude sitzen, wenn sie gar keinen Dienst haben. „Mich freut, dass auch die ältere Generation vorbei schaut“, sagt Meinhard Griesser. „Es ist schön zu sehen, dass die Leute ins Gespräch kommen“, ergänzt seine Ehefrau Jule Griesser. „Es sind nette Begegnungen – ob man sich kennt oder nicht“, sagt Denise Fabeck.

Die „Boffzer Bude“ fällt vom Fluss aus ins Auge. Viele Boots- oder Kanubesatzungen legen am Kiosk an.Die „Boffzer Bude“ fällt vom Fluss aus ins Auge. Viele Boots- oder Kanubesatzungen legen am Kiosk an. Foto: Sabine Robrecht

Die Aktiven legen Wert darauf, dass sie überwiegend regionale Getränke anbieten. Kleine Snacks und süße Tüten für Kinder und Junggebliebene hat die „Bude“ ebenfalls im Angebot.

Den Zusammenhalt, den „Boffzen Aktiv“ im Ort fördern will, bringt der Verein nun auch den Betroffenen in den Hochwassergebieten entgegen: An diesem Wochenende, 23. bis 25. Juli, werden alle Pfandgelder und Spenden der „Boffzer Bude“ sowie jeweils ein Euro pro Essen des „Foodtrucks 3 Stars“ für die Opfer der Flutkatastrophe gespendet.

Geballte Tatkraft – ein Kommentar von Sabine Robrecht

Wenn innerhalb von vier Wochen aus einer Projektidee Wirklichkeit wird, dann spricht das für geballte Tatkraft und ein gutes Netzwerk. Beides hat der Verein „Boffzen Aktiv“. Sonst hätte er nicht in so kurzer Zeit die „Boffzer Bude“ aus dem Boden stampfen können.

Dieser Sommer-Treff, der gemeinnützigen Projekten dient, ist eine hervorragende Idee. Der Kiosk führt Menschen an einem schönen Ort zusammen, der es verdient hat, belebt zu werden. Die „Bude“ stärkt die Dorfgemeinschaft, indem sie eine Begegnungsmöglichkeit schafft, und schlägt außerdem den Bogen über die Weser-Grenze. Denn auch im Raum Höxter hat sich das Freizeitangebot der niedersächsischen Nachbarn herumgesprochen.

Unkompliziert geht es zu an diesem Treffpunkt. Das ist es, was die „Boffzer Bude“ so sympathisch macht. Hier wollen Menschen, denen ihr Dorf am Herzen liegt, ganz niedrigschwellig etwas tun. Vor der Arbeit, die diese Initiative mit sich bringt, schrecken sie nicht zurück. Umso erfreulicher ist es, dass die Gäste ihnen die (Boffzer) Bude einrennen. Denn Zuspruch ist der schönste Lohn.

Die Spendenaktion für die Flutopfer am Wochenende setzt Zeichen der Empathie. So geht von Boffzen ein ermutigendes Signal aus: Die Gesellschaft ist sehr viel besser als ihr Ruf. Zusammenhalt ist nicht nur ein Wunsch. Es gibt ihn tatsächlich.

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