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Günter Schrick hat die Heinrichsflut erlebt und kritisiert Würgassen-Pläne der BGZ

Erinnerungen an 1965 werden wach

Herstelle

Wenn Günter Schrick die Bilder der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Fernsehen sieht, denkt er automatisch an 1965. Das Hochwasser ist als Heinrichsflut bekannt geworden und traf vor allem das Diemeltal.

Von Alexandra Rüther

Günter Schrick zeigt, wie hoch das Wasser im Haus stand. Foto: Alexandra Rüther

Wenn Günter Schrick die Bilder der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Fernsehen sieht, denkt er automatisch an 1965. Das Hochwasser ist als Heinrichsflut bekannt geworden und traf vor allem das Diemeltal.

Günter Schrick ist in der Schifferstraße in Herstelle aufgewachsen. Als die Edertalsperre 1943 bombardiert wurde, war er acht Jahre alt. Da stand das Wasser mehr als hüfthoch im Haus. Später zog er nach Düsseldorf und 1964 zusammen mit seiner Frau zurück ins Elternhaus. „Im Juli 1965 sollte in Herstelle Schützenfest gefeiert werden“, erzählt der 84-Jährige. Seine Tochter war damals gerade geboren. Das Fest wurde abgeblasen, weil ein Unwetter im Anmarsch war. „Die Diemeltalsperre lief über und die Diemel stieg in kurzer Zeit mehrere Meter hoch.“ Schrick erinnert sich daran, dass mehrere Menschen ertranken. Tote Pferde und Autos seien die Weser herunter getrieben, Menschen seien mit Hubschraubern aus den Fluten gerettet worden. Herstelle und Würgassen blieben nicht verschont. „Das Wasser kam so schnell, dass man kaum etwas retten konnte“, sieht Schrick durchaus Parallelen zu der jetzigen Katastrophe, auch wenn deren Ausmaße noch wesentlich schlimmer seien.

Tonnenweise Schlamm

Aber auch an den Schlamm kann er sich gut erinnern. „Die Straßen und Häuser in Herstelle und Würgassen stand hoch unter Wasser und der Schlamm war tonnenweise in die Keller gelaufen.“

Er weiß auch, dass Geschäfte in Bad Karlshafen (dort mündet die Diemel in die Weser) ihre gesamten Einrichtungen verloren haben. „Medikamente aus den Apotheken flossen die Weser hinunter.“ Auch ein Frachtschiff, dass in Herstelle angelegt hatte, wurde mitgerissen und krachte kurz vor dem Bootshaus in Beverungen in den Uferbereich.

Die Heinrichsflut 1965 ist auch an der Schleifscheibenfabrik Krebs Riedel in Bad Karlshafen nicht spurlos vorbei gegangen.An den dunklen Wänden ist gut zu erkennen, bis wohin das Wasser gestanden hat. Foto: Krebs Riedel Schleifscheibenfabrik GmbH Co. KG Foto:

„Wir hatten damals Glück im Unglück“, sagt Günter Schrick. „Denn wenn es im oberen Bereich – Weser, Werra, Fulda – so viel geregnet hätte wie im Diemeltal, dann wäre das damals schon so gekommen wie es heute in West- und Süddeutschland geschehen ist.“

Nicht einfach durchziehen

Günter Schrick ist es ein Anliegen, seine Erinnerungen zu teilen – und zwar insbesondere vor dem Hintergrund des in Würgassen geplanten Bereitstellungslagers für radioaktiven Müll. „Wir sehen doch jetzt wieder, wie schnell so etwas gehen kann. Und es kann doch nicht wahr sein, dass die Leute von der BGZ diese Sache einfach durchziehen wollen.“

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