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Hochwasser und Schlamm bahnen sich in der Nacht zu Mittwoch den Weg – Feuerwehr im Dauereinsatz – mit Video

Erneut Land unter in Amelunxen

Beverungen-Amelunxen

Das Ehepaar Peggy und André Knipping ist bei der Arbeit, als sich das Hochwasser und Schlammmassen vorbei an ihrer Bäckerei den Weg bahnen. „Wir haben Sandsäcke vor die Tür gelegt. Das Hochwasser hat uns verschont“, sagt der Bäckermeister. In der Nacht zu Mittwoch mussten in Amelunxen nach einem Gewitter und Starkregen zum vierten Mal in diesem Monat Keller leergepumpt sowie Grundstücke und Garagen aufgeräumt werden. Viele Starßen waren überschwemmt.

Von Jürgen Drüke

Julian Knipping steht in der Nacht auf Mittwoch mittendrin: Wasser-und Schlammmassen bahnen sich nach dem Gewitter mit Starkregen den Weg durch die Straßen von Amelunxen. Foto: Jürgen Drüke

„Das Wasser ist über einen Maisacker, der am Amelunxener Ortsausgang Richtung Drenke an einem Hang liegt, in den Ortskern geströmt“, berichtete Feuerwehreinsatzleiter Sebastian Ewen. In Amelunxen hätten sich Schlamm und Geröll auf einer Strecke von 1,2 Kilometern in mehrere Straßen verteilt. Es sei bereits der vierte Hochwasser-Einsatz in den vergangenen Wochen gewesen.

Peggy und André Knipping arbeiten, als sich das Hochwasser an ihrer Bäckerei vorbei bewegt. Foto: Jürgen Drüke

Erst einen Abend vorher, am Montag, hatten sich Wasser, Geröll und Schlamm nach Starkregen durch den Ort bewegt. Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm hatte sich dabei am Vortag persönlich ein Bild vor Ort gemacht. Am 9. Juni, 20. Juni, 28. Juni und am 29. Juni – gleich vier Tage im Juni stand Amelunxen im Regen und stellenweise unter Wasser.

Die Anwohner Walter Beckmann (links) und Wilhelm Lingemann machen sauber. Foto: Jürgen Drüke

Die Lage sei allerdings noch nie „so heftig“ wie am Dienstagabend gewesen. Die Feuerwehr, die um 22.40 Uhr alarmiert worden war, öffnete zunächst die Kanaleinläufe, um das Wasser abzuleiten. „Nachdem der Regen abgeflacht war, konnten wir dann mit den Aufräumarbeiten beginnen“, schilderte Sebastian Ewen. 60 Feuerwehrleute aus der gesamten Stadt Beverungen waren bis zum frühen Morgen im Einsatz. „Die Amelunxener Bürger haben uns top unterstützt“, stellte Einsatzleiter Ewen nach dem Nachteinsatz heraus und ­attestierte den Frauen und Männern von der Freiwilligen Feuerwehr, dass sie einen guten Job gemacht hätten.

„Sehr viel Wasser und Schlamm haben sich durch die Amalungstraße an unserer Bäckerei vorbei bewegt“, kennt Bäckermeister André Knipping dieses Phänomen inzwischen zu Genüge. Seine Ehefrau Peggy betonte: „An das Hochwasser haben wir uns hier im Dorf inzwischen gewöhnt.“ Trotzdem dürfe es kein Dauerzustand werden. Ihr Sohn Julian, der beim Finanzamt in Düsseldorf arbeitet und sich aufgrund von Corona im Homeoffice befindet, habe Sandsäcke auf die Treppenstufen zum Eingang der Bäckerei gelegt. Sandsäcke würden im Nethedorf zum Inventar gehören.

Die Knippings spendierten den Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen aus Amelunxen, Beverungen, Drenke, Wehrden, Rothe und Würgassen um kurz nach drei Uhr frische Brötchen. Die Arbeit war geschafft. Wieder einmal.

„Wir haben Fußball im Fernsehen geguckt, als uns das Wasser und der Schlamm wieder einmal aus der gemütlichen Stube holten“, blickte der in der Amelungstraße wohnende Walter Beckmann auf den Start zurück. „Vor und in meiner Garage hat das Wasser hochgestanden. Den Eingangsbereich vor meinem Haus habe ich mit Hilfe der Feuerwehr von den Wassermassen befreit“, war Wilhelm Lingemann mit Besen und Schaufeln ausgestattet und freute sich über „die große Solidarität der Bürgerinnen und Bürger des Ortes“. „Es gilt, Wasser, Geröll und Schlamm endlich Herr zu werden“, hofft Rentner Lingemann auf entsprechende Maßnahmen. Dabei seien alle gefordert. Amelunxen dürfe kein Dauerstandort für Hochwasser werden. Das Fass sei inzwischen längst übergelaufen.

Die Feuerwehr leistet ganze Arbeit. Foto: Jürgen Drüke

Auch die Höxteraner Feuerwehr musste am späten Dienstagabend ausrücken. Von der B83 zwischen Godelheim und Wehrden waren Schlamm und Steine gemeldet worden. Als die Wehrleute ankamen, stellten sie in Höhe „Schwarze Brücke“ nur eine leichte Verunreinigung fest.

Lagebesprechung zwischen Einsatzleiter Sebastain Ewen (links) und Feuerwehrmann Jan Nolte. Foto: Jürgen Drüke

Kurz vorher war die Löschgruppe Lütmarsen in die Feldstraße gefahren. Hier war ein Keller voll mit Wasser gelaufen.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Es ist beeindruckend, wie geduldig die Bürgerinnen und Bürger in Amelunxen mit dem Thema Hochwasser und Schlamm in ihrem Heimatort umgehen. Der 9., 20., 28. und 29. Juni 2021 bleiben haften. Amelunxen stand jeweils unter und im Wasser.

Innerhalb von drei Wochen bahnten sich nach Gewittern und Starkregen gleich viermal Wasser und Schlamm den Weg durch zahlreiche Straßen des idyllischen Ortes. Mit einem Maisfeld an einem Hang Richtung Drenke beginnt aktuell alles. Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm war am Montagabend vor Ort und wird gemeinsam mit Verwaltung und Kommunalpolitikern nach Lösungen suchen müssen.

Wie kann das Wasser gestoppt und den Bürgern des Nethedorfes wieder ihre Ruhe zurückgegeben werden? Bisher stellen sich die Amelunxener geschlossen gegen das Wasser. Sie haben eine Routine in gegenseitiger Hilfe entwickelt. Schläuche, Besen, Schaufeln und Pumpen können allerdings keine Dauerlösung sein.

Dem freien Lauf des Wassers muss Einhalt geboten und im wahrste Wortsinn ein Riegel vorgeschoben werden. Denn die Unwetter mit Gewittern und Starkregen werden im akuten Klimawandel eher mehr als weniger.

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