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Stimmenfestival Voices mit drei Liederabenden in Holzhausen

Es zählt jede Silbe, jedes Atemholen

Holzhausen

Bei dem Wort „Gesang“ denken viele an Maria Callas oder Anna Netrebko, an Oper, Diven und Koloraturen, an Glamour, Geschmeide und Federboa. An das Kunstlied hingegen, die kammermusikalische Schwester der Opernarie, denken die wenigsten. Und wenn, dann können sie oft nichts damit anfangen.

Sopranistin Sibylla Rubens und der Pianist Carl-Martin Buttgereit machen in Holzhausen den Anfang. Foto: Patrick Buttgereit

Gut besucht sind allenfalls Liederabende mit marketingtauglichen Attributen, etwa wenn der Sänger Jonas Kaufmann heißt und auf dem Programm Schuberts berühmte „Winterreise“ steht. Konzerte mit nicht ganz so weltberühmten Interpreten, wie hervorragend sie auch sein mögen, verkaufen sich schwer. Da liegt die Frage nahe: Ist eine Konzertgattung, bei der auf der Bühne außer einem Sänger, einem Pianisten und vielleicht noch einem Blumengesteck nichts weiter zu sehen ist, noch zeitgemäß?

Leonore von Falkenhausen, Intendantin des internationalen Stimmenfestivals „Voices“, bejaht diese Frage aus vollstem Herzen. Für sie sind Liederabende die „intimste, ehrlichste und damit beglückendste“ Konzertform. Daher setzt sie seit nunmehr 15 Jahren auf den Liederabend als Herzstück des künstlerischen Selbstverständnisses von Voices. Auch für viele Sänger ist die Gattung Lied die größte Kunst überhaupt.

Eine Welt für sich

Jedes einzelne Lied, kaum zwei oder drei Minuten lang, ist eine kleine Welt für sich. Da zählt jede Silbe, jedes Atemholen. Das fordert den Künstlern nicht nur technische Makellosigkeit ab, sondern verlangt eine bewusste Interpretation bis in Details wie etwa die Färbung der Vokale oder ein kaum wahrnehmbares Innehalten. Pathos oder Übertreibung sind fatal, Hochleistungssport ist Liedgesang schon gar nicht. Sondern die Kunst, die allereinfachsten, innersten Empfindungen so in Töne zu verwandeln, dass sie den Hörer als wahr ergreifen und nicht als Seelenstriptease peinlich berühren.

Der weltweit gefragte Bassbariton Hanno Müller-Brachmann, er hat in Holzhausen schon mehrfach konzertiert, hat das einmal so ausgedrückt: „Man hat keine Bühne, kein Orchester, keinen Dirigenten, keine Kostüme, man steht da ganz nackt.“

Die Intimität des Vorgangs ist nicht jedermanns Sache. Wer sich darauf einlässt, den Künstlern auf ihre Seelenreise zu folgen, der schaut auch ins eigene Innere. Das kann tief bewegend und beglückend sein, mitunter auch schmerzhaft – aber, wie Leonore von Falkenhausen meint, „immer schön“. Sie wünscht sich, dass noch mehr Menschen den Zauber von Liederabenden entdecken würden und hat, um dies voranzutreiben, beim diesjährigen „Voices“-Festival gleich drei hochkarätig besetzte Liederabende mit sehr besonderen Programmen im Angebot.

Unbekannte Schüler

Den Anfang machen am Sonntag, 27. Juni, um 11 Uhr die international bekannte Sopranistin Sibylla Rubens und der Pianist Carl-Martin Buttgereit. Sie beleuchten in der Liedmatinee „Erwartung“ die musikalischen Beziehungen zwischen berühmten Komponisten wie Beethoven, Brahms und Liszt und ihren, vielleicht zu Unrecht unbekannt gebliebenen Schülern Ferdinand Ries, Gustav Jenner und Anton Urspruch.

Naturnah poetisch

Dass das Liedrepertoire nicht nur im deutschsprachigen Raum reich ist, führen der finnische Tenor Jussi Myllys und der Pianist Manuel Lange am Dienstag, 29. Juni, um 19.30 Uhr vor. In ihrem Liederabend mit dem quasi programmatischen Titel „Singen will ich, Lieder singen“ verschränken sie Lieder von Beethoven und Liszt und widmen sich dann sechs Liedern von Jean Sibelius. Die tragen so poetisch-naturnahe Titel wie „Der Vogelsteller“ oder „Die Sommernacht“. Richard Strauss‘ vier Lieder auf Texte von Detlev von Liliencron beschließen das Programm.

Kostbarkeiten

Im Liederabend „Wann denkst Du mein“ am Freitag, 2. Juli, um 19.30 Uhr zeigen der junge Bariton Michael Daub und sein Klavierpartner Eric Schneider, einer der führenden Liedpianisten viele Kostbarkeiten aus dem Liedschaffen Beethovens. Im zweiten Teil des Programms stellen Daub und Schneider Lieder von Schumann, darunter den „Liederkreis“ op. 24. den Beethovenschen Liedern gegenüber.

Kartentelefon

Karten können bestellt werden unter Telefon 05274/952094 oder per E-Mail an info@voices-holzhausen.de

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