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Brückensanierung in Höxter: Straßen NRW und Stadt kündigen nach Kritik an Abriegelung des Brückfeldes Maßnahmenpaket an

„Fähre und Shuttlebus sind geplant“

Höxter

Diese Nachrichten vom Landesbetrieb Straßen NRW und der Stadt werden in Höxter sicher von vielen Bürgerinnen und Bürgern begrüßt: Während der mehrmonatigen Weserbrückensperrung soll es eine Fluss-Personenfähre und einen Shuttlebusverkehr zwischen Altstadt und Brückfeld geben. Das kündigten Straßen NRW und Stadtverwaltung gestern in einer Presseerklärung an. Die Prüfungen laufen.

Michael Robrecht

So wird es auf der Weserbrücke in Höxter ab Jahresende und im gesamten Jahr 2022 wieder aussehen: Bauarbeiter und viel Technik prägen das Brückenbild. Jedoch gibt es konsequent aus statischen Gründen keinen Personen- und Fahrzeugverkehr. Foto: Michael Robrecht

Damit reagieren die Behörden auf massive Kritik von Betrieben, Sportvereinen, Campingplatzbetreiber, Samtgemeinde Boffzen und Kleingärtnern , die sich über die zu erwartenden Folgen der Sperrzeiten und Abriegelungen im gesamten Jahr 2022 im WESTFALEN-BLATT über Tage zu Wort gemeldet und auch bei der Stadtverwaltung interveniert hatten. Wie berichtet, soll ab Jahresende 2021 die Brückensanierung begonnen werden. Der Fahrzeugverkehr wird ab Frühjahr 2022 für neun Monate von der Betonspannbrücke ferngehalten, der Fußgänger- und Fahrradverkehr für mindestens sechs Monate.

Brücke ist Lebensader

„Die Weserbrücke ist eine wichtige Lebensader und nicht nur für die Menschen in Höxter und Boffzen von sehr großer Bedeutung“, erklärten Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann und und Samtgemeindebürgermeister Tino Wenkel aus Boffzen in ihrem Statement. „Gemeinsam werden wir alles dafür tun, die Einschränkungen während des Sanierungszeitraums so gering wie möglich zu halten“, sind sich die Amtskollegen einig. Favorisiert und vorangetrieben würden eine Option mit einem Bus-Shuttle sowie die einer möglichen Personenfähre über die Weser.

Darüber hinaus stellt die Regionalbus Braunschweig GmbH einen Ersatzfahrplan der Linie 556 für den Schülertransport von Boffzen ins Schulzentrum Höxter auf.

Brückenkonferenz: (von links) Samtgemeindebürgermeister Tino Wenkel, Hubertus Borgelt (Straßen NRW), Projektleiter Richard Mede, Bürgermeister Daniel Hartmann. Foto: Stadt Höxter

Zudem wurde mit der Stadt Höxter und den Rettungskräften das bewährte Konzept der letzten Sperrungsphase vereinbart. „Im Notfall können Rettungskräfte fußläufig die Brücke passieren“, erläuterte Projektleiter Richard Mede von der Straßen-NRW-Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift. Auf der östlichen Weserseite wird in der Sperrphase ein Rettungsfahrzeug, wie 2016 bei der ersten Brückenrenovierung, stationiert. „So ist man auch hier für mögliche Notfälle gerüstet“, fügte er an.

In gemeinsamen Gesprächen der Bürgermeister Daniel Hartmann und Tino Wenke wurde jetzt erstmals die detaillierte Vorgehensweise für die Bauphase und die damit zwangsläufig verbundenen Verkehrseinschränkungen erläutert. Aus dem niedersächsischen Boffzen hatte es zuvor Kritik an der Landesbehörde Straßen NRW und an der Stadt Höxter gegeben, im Vorfeld nicht über die Brückensperrung informiert worden zu sein .

„Erste für die Bauphase wichtige Konzepte konnten bereits auf den Weg gebracht werden“, berichteten die beiden Bürgermeister. „Wir sind froh, eine gemeinsame Linie für einen reibungslosen Sanierungsablauf gefunden zu haben“, sagte Hubertus Borgelt, Abteilungsleiter Bau der Straßen-NRW-Regionalniederlassung.

Fest steht: In der Bauphase zur Verstärkung der Weserbrücke von 1956 können für unterschiedliche Zeiträume weder Kraftfahrzeuge noch Fußgänger und Radfahrer das Bauwerk passieren. „Diese Maßnahme ist NRW-weit die erste Pylonverstärkung an einem bestehenden Brückenbauwerk“, erklärt Borgelt die Besonderheit des Millionenprojektes. „Das ist vergleichbar mit einer Operation am offenen Herzen.“ Temporär muss die Brücke demnach kontrolliert geschwächt werden. Damit ist die verkehrsbedingte Belastung durch Autos, Radfahrer oder Fußgänger auf dem Bauwerk nicht mehr möglich. Parallel dazu werden der für den Endzustand der Brücke verstärkende Pylon sowie zwei Stahlbetonbalken eingebaut und das Bauwerk eingehängt.

Schwebende Lasten

„Dabei arbeiten wir mit schwebenden Lasten über dem Verkehrsweg und das bedeutet ein nicht einzuschätzendes Risiko für die Verkehrsteilnehmer“, fasst Borgelt zusammen, warum in der Bauphase, überwiegend im gesamten Jahr 2022, die Brücke nicht begehbar sein wird. Fertigstellung soll pünktlich zur Eröffnung der Landesgartenschau in Höxter Anfang 2023 sein.

Unter Druck blitzschnell: Ein Kommentar von Michael Robrecht

Die Vollsperrung der „Lebensader Weserbrücke“ in Höxter fast über das gesamte Jahr 2022 ist ein Fünf-Sterne-Problem für die Kreisstadt. Dass Straßen NRW und die Stadtverwaltung Höxter für Behördenverhältnisse blitzschnell nach der breiten öffentlichen Debatte, nach Empörung und viel Druck plötzlich mit einem Maßnahmenpaket um die Ecke kommen, zeigt, dass die Brisanz des Themas erkannt und zur Beruhigung der vielen betroffenen Bürger und Betriebe die vernünftigsten Vorschläge aufgegriffen wurden. Gut so.

Der aufmerksame Beobachter fragt sich aber auch, warum in der Brückenproblematik nicht längst Pläne für den Tag X in den Schubladen von Landesbehörde und Stadt gelegen haben? Frühzeitige Lösungsvorschläge für die seit 2016 geplante Brückensanierung mit Vollsperrung hätten die aktuelle Verunsicherung der Bürger überflüssig gemacht. Und dass die Nachbarn in Boffzen frühzeitig hätten eingebunden werden müssen, das hätte man eigentlich niemandem extra erklären müssen.

Zum Glück war jetzt noch genügend Zeit, das Brücken-Sperrproblem anzugehen. Für eine Holzschleuse über die Brückenbaustelle und die statisch sensible Brücke will niemand die Verantwortung übernehmen. Fähre und Shuttlebus sind aber möglich und müssen kommen. Ein Anlegeplatz für das Personenboot an einer flachen Stelle am Weserufer lässt sich sicher sehr schnell finden. Das sind gute Perspektiven für Boffzen, Höxter und die vielen Betroffenen.

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