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Starker Wasserverlust würde teure und langwierige Reparatur bedeuten

Freibad Jöllenbeck bleibt dauerhaft geschlossen

Bielefeld

Das Freibad Jöllenbeck wird nicht mehr öffnen – weder in der diesjährigen Saison noch in der nächsten, die ohnehin die letzte vor dem Bau des Kombibads gewesen wäre. Das teilt die Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH (BBF) mit.

Das Freibad Jöllenbeck wird nicht mehr öffnen. Foto: Jens Heinze

Undichtigkeiten im Beckenwasserkreislauf und im Schwimmbeckenkörper selbst hätten ein nicht mehr vertretbares Ausmaß angenommen. Nur über langwierige und teure Reparaturen im hohen fünf- oder gar sechsstelligen Bereich hätte das Freibad sicher weiter betrieben werden können, so die BBF.

„Gern hätten wir den Jöllenbeckern in diesem und dem nächsten Jahr noch einmal Freibadspaß geboten, bevor wir mit dem Ersatzneubau anfangen“, so Jürgen Athmer, Geschäftsführer der Bielefelder Bäder. „Wir hatten das Bad für den Schwimmbetrieb fertig vorbereitet, hätten sofort aufgemacht, sobald wir genug Rettungsschwimmer unter Vertrag gehabt hätten. Aber wir mussten jetzt schweren Herzen aus Sicherheitsgründen die Notbremse ziehen.“

Das Schwimmerbecken hatte über undichte Dehnungsfugen und höchstwahrscheinlich auch Undichtigkeiten der Beckenwasserverrohrung am vergangenen Wochenende rund zweihunderttausend Liter Wasser über das Erdreich verloren. „Und wir alle wissen ja in diesen Tagen nur zu gut, was unkontrolliert austretendes Wasser anrichten kann“, so Athmer weiter. „Eine Inbetriebnahme ohne umfassende Fehlersuche und Reparatur wäre unverantwortlich.“ Auch aus ökologischen Gründen sei ein so großer Verlust von Wasser nicht tolerabel.

2022 wäre letzte Jöllenbecker Freibadsaison gewesen

Letztlich hätten auch ökonomische Argumente für die in dieser Woche gefällte Entscheidung gesprochen, das Jöllenbecker Freibad zu schließen. Selbst bei optimalem zeitlichen Ablauf der Reparatur wäre der Schaden nicht vor September behoben gewesen. Eine Badöffnung wäre damit für dieses Jahr ausgeschlossen. „Wir würden also für eine Zeit von nur drei bis maximal vier Monaten im kommenden Sommer viel Geld in die Hand nehmen“, so Athmer. „Und das in dem Bielefelder Freibad mit den geringsten Besucherzahlen. Selbst im Supersommer 2019 gab es weniger als 21.000 Badegäste.“

Schon seit Jahren hätte die Bielefelder Bädergesellschaft das Jöllenbecker Freibad genau im Blick und auf das Erreichen der technischen Lebensdauer hingewiesen. Denn das aus dem Jahr 1955 stammende Bad befinde sich baulich und technisch weitgehend auf dem Stand der Eröffnung. Immer wieder seien Erhaltungsreparaturen notwendig gewesen. Eine grundlegende Sanierung und Modernisierung, die zuletzt 2017/18 geprüft worden sei, hätte jedoch schon zu damaligem Kostenstand etwa fünf Millionen Euro gekostet. Deshalb schlug Oberbürgermeister Pit Clausen 2018 vor, lieber ein Kombibad als Ersatz zu bauen – mit einem Außenbecken für den Sommerbetrieb, aber vor allem einem Hallenbad. Diese Idee hätte die Bädergesellschaft gern aufgegriffen, denn im Gegensatz zu Freibädern würden im Bielefelder Norden Hallenkapazitäten fehlen, die auch und vor allem für den Schwimmunterricht der Schulen und Vereine dringend benötigt würden.

Bau des Kombibades ab 2022

Nach der Zustimmung von Aufsichtsrat und Stadtrat im Jahr 2019 für einen Ersatzneubau am Standort des jetzigen Freibades begann die Bädergesellschaft mit der konkreten Planung des Bades. Zur Finanzierung trägt eine im März 2021 zugesagte Bundesförderung in Höhe von drei Millionen Euro bei. Der Baubeginn soll 2022 sein. „Wir werden unsere Anstrengungen jetzt noch einmal intensivieren, um Bauplanung und -genehmigung so zügig wie möglich abzuschließen“, verspricht Jürgen Athmer. „Und sehr zeitnah werden wir das Freibadbecken so sichern, dass keine Gefahren für Mensch und Umwelt mehr entstehen können.“

Als Alternative empfiehlt Athmer den Jöllenbecker Freibadfans bis zur Eröffnung des Kombibads, voraussichtlich im Jahr 2025, an erster Stelle das Bad in Schröttinghausen. Dies sei vom Jöllenbecker Zentrum nur rund fünf Kilometer entfernt und deshalb mit Auto oder Fahrrad in kurzer Zeit zu erreichen. Und nach Dornberg oder zum Wiesenbad seien es auch nur etwa zehn Kilometer. Athmer: „Glücklicherweise ist Bielefeld mit Freibädern – anders als mit Hallenbädern – sehr gut versorgt. Da finden die Jöllenbeckerinnen und Jöllenbecker hoffentlich für die Schließungsphase eine andere Bademöglichkeit.“

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