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„Mut-Tour“ klärt über psychische Erkrankungen auf – Teilnehmer machen Station in Rahden

Für offenen Umgang mit Depression

Rahden/Espelkamp

Im Zuge der „Mut-Tour“ haben Teilnehmer mit Tandems Halt am Alten Markt in Rahden gemacht. Zuvor hatten sie in Espelkamp über ihre Ziele informiert.

Von Heidrun Mühlke

Zum ersten Mal mitgefahren ist Merle Möller aus Kiel. Die 28-Jährige hat mit 18 Jahren ihre Diagnose bekommen. Foto:

Ziel der Aktion: An jeder Station auf der Strecke sollte Menschen Mut zugesprochen werden, über Depressionen zu reden.

Sowieso wollen die Radler Öffentlichkeitsarbeit für Menschen mit Depressionen leisten und mit ihrem Einsatz Betroffene dazu motivieren, zu ihrer Erkrankung zu stehen und sich professionelle Hilfe zwecks Therapie zu holen. Sie wollen ein Zeichen setzen und neue Perspektiven schaffen für einen offenen Umgang mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Fest steht: Depressionen können lebensbedrohlich sein, sie führen unbehandelt bei manchen Menschen zum Suizid.

Auf ihrem Weg von Stadthagen nach Itzehoe haben die Mut-Tour-Radler Christoph Pollnik, Dietmar Reinberger, Franziska Radczun, Merle Möller, Inge Meurer und Peter Kraus Station in Rahden gemacht. Dort haben sie über Depression informiert. Foto: Heidrun Mühlke

Deutschlandweit sind derzeit acht Tandem-Teams und zwei Wander-Teams unterwegs. Das Team, das in Rahden zu Gast war, startete in Stadthagen. Das Ziel ist Itzehoe. Dafür fahren die Radler täglich rund 55 Kilometer. Zu den Tandemfahrern gehören Peter Kraus aus Frankfurt, Inge Meurer aus Köln, Merle Möller aus Kiel, Franziska Radszun aus Berlin, Dietmar Reinberger aus Duisburg und Christoph Pollnick aus Stadtlohn.

Nicht nur betroffenen Menschen mit Depressionserfahrung, sondern auch Angehörigen und Interessierten bietet sich bei der Tour die Möglichkeit, mit dem eigenen Fahrrad mitzuradeln und die Akteure ein Stück weit zu begleiten. Bei der „Mut-Tour“ machen Menschen mit und ohne Depressionserfahrung seit 2012 gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit und setzen sich mit ihren persönlichen Geschichten für mehr Wissen im Umgang mit psychischen Erkrankungen ein.

Der Name sei quasi Programm, erläutern die Radfahrer: „Mutige Teilnehmer möchten anderen Mut machen, Hilfe anzunehmen und in den Dialog zu treten. Bislang haben bereits rund 260 depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen insgesamt mehr als 35.000 Kilometer zurückgelegt.“

„Wir wollen gerne mit den Bürgern ins Gespräch kommen und ganz offen mit dem Thema umgehen“, erklärt Merle Möller aus Kiel. Die 28-Jährige radelt zum ersten Mal mit. Als sie 18 Jahre alt war, hat eine Ärztin die Diagnose gestellt und sie in eine Klinik eingewiesen. „Seither finde ich meinen Weg“, sagt sie. Viel Hilfe habe sie in Beratungsstellen gefunden.

Peter Kraus aus Frankfurt radelt bereits seit 2014 bei den Mut-Touren mit. Foto: Heidrun Mühlke

Peter Kraus ist bereits seit 2014 dabei. Seine Diagnose lautete im Jahr 2013 Burnout. Nach erfolgreicher Therapie engagiert sich der ehemalige Lehrer auf verschiedene Weise ehrenamtlich. „Ganz wichtig ist es uns auch klarzustellen, dass Depression eine Krankheit und behandelbar ist“, macht er deutlich.

An der Tour gefällt beiden die gegenseitige Unterstützung in der Gemeinschaft. „Wir können zeigen, dass wir gut mit dem Thema Depression umgehen können und mit ihr zurecht kommen“, sagen Möller und Kraus. Mit dem Tandem unterwegs zu sein, stünde bildlich dafür, nicht allein dazustehen.

Zum Übernachten während der Tour werden übrigens nicht etwa Hotels aufgesucht: Die Teams campen unter freiem Himmel und versorgen sich selbst. So steht neben den Infoterminen in den verschiedenen Orten auch das Einkaufen, Essen kochen und Zelt aufbauen mit auf dem Programm.

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