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Gastronomen und Friseure warten auf Details – mobile Impftermine im Kreis Paderborn weiter stark gefragt

Geteiltes Echo zur 2G-Regelung

Paderborn

Während der Ansturm auf die Booster-Impfungen im Kreis Paderborn anhält, müssen sich Gastronomie, Friseure und Fitnessstudios mit der 2G-Regelung (geimpft oder genesen) auseinandersetzen. Wie immer gibt es Haken und Ösen bei der Um­setzung.

Von Ingo Schmitz

Mehr als 1200 Menschen standen Montagnachmittag in einer Warteschlange vor dem Schützenplatz, um sich impfen zu lassen. Für die über 70-Jährigen wurde eine extra Reihe eingerichtet (unten links). Mit heißem Tee, den Tim Roberz und Jan Pöhler vom DRK verteilten, konnten sich die Wartenden aufwärmen. Foto: Jörn Hannemann

Friseure

Die Friseur-Innung geht davon aus, dass von Mittwoch an nur noch Kunden mit Impf- oder Genesenen-Nachweis einen Haarschnitt erhalten dürfen. „Wir warten auf die Verordnung“, hieß es am Montag vom NRW-Verband in Dortmund.

Die 2G-Regel hat der Paderborner Friseurmeister Fernando Hoffmann schon vor zehn Tagen in seinem Salon eingeführt. Von vielen Kunden habe es Zustimmung gegeben. Einige wenige hätten jedoch sehr heftig reagiert, weil sie nun ohne Nachweis keinen Termin mehr bei ihm bekommen. „Eine Dame meinte, dass ich auch noch von meinem hohen Ross herunterfallen werde. Ich habe ihr geantwortet: ,Bevor ich von meinem Ross herunterfalle, liegen Sie auf der Intensivstation‘. Eine andere Kundin hat mich als ,dämlich‘ bezeichnet“, berichtet der Handwerksmeister. Trotz dieser Erfahrung stehe er zu seiner Entscheidung: „Ich möchte keine Ungeimpften in meinem Laden haben. Ich möchte darüber auch nicht mehr diskutieren. Impfgegner lassen sich nicht überzeugen“, ist seine Erfahrung. Er habe kein Interesse daran, dass von seinem Salon ein Corona-Ausbruchsgeschehen ausgehe. Er sehe sich in der Verantwortung, seine Kunden zu schützen.

Friseurmeister Fernando Hoffmann hat schon vor zehn Tagen die 2G-Regel für seine Kunden eingeführt. Foto: Jörn Hannemann

Die Friseur- und Kosmetik-Innung im Kreis Paderborn sieht das Thema 2G kritisch. „Die Einführung der 2G-Regel stellt für Friseursalons eine enorme Mehrbelastung dar und ist für die Betriebe existenzbedrohend, da sie das erneute Ausbleiben vieler Kunden bedeutet. Unter dem Gesichtspunkt der Pandemiebekämpfung ist die Einführung fraglich, da sie die Schwarzarbeit befeuert. Kunden sind ausnahmslos in professionell geführten Salons sicher, denn nur dort werden Schutz- und Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Virus sicher eingehalten und kontrolliert“, teilte die Kreishandwerkerschaft auf Anfrage mit.

Gaststätten

Auch in der Gastronomie ist das Echo geteilt. Bei Karl-Heinz Militzer (Deutsches Haus und Brauhaus) sind seit Freitag etliche Weihnachtsfeiern abgesagt worden, die zuvor unter 3G (geimpft, genesen oder getestet) gebucht worden waren. „Betroffen sind vor allem die Firmenfeiern. Privates findet weiter statt“, sagt der Wirt, der sich auf große Umsatzeinbußen einstellt. Er ärgert sich über fehlende Informationen vom Ministerium aus Düsseldorf. „Auch der Hotel- und Gaststättenverband kann mir nicht sagen, ob das Personal beim Bedienen eine Maske tragen muss oder nicht.“

Etwas entspannter sieht die Lage im „Ausspann“ aus. Gastronom Patrick Luther hat schon zum 1. Oktober 2G für Gäste eingeführt. Jetzt erweist sich das als besonders weitsichtig: „Alle Reservierungen der Weihnachtsfeiern laufen unter 2G. Bislang gibt es nur zwei, drei Absagen“, berichtet Luther, der das „Ausspann“ gemeinsam mit Michael Löhr betreibt. Allerdings habe die frühzeitige Veröffent­lichung der 2G-Regelung für Aufregung im Internet gesorgt. Löhr: „Wir hatten plötzlich 300 negative Bewertungen auf Google von Leuten, die nicht in der Region leben. Wir haben bei Google darlegen können, dass das mit unserer 2G-Regel in Verbindung steht.“ Die Einträge wurden gelöscht.

Impfen

Der mobile Impftermin am Montag war aufgrund der Erfahrungen vom Wochenende vom DRK in den Schützenhof verlegt worden. Das war auch gut so: Am Nachmittag standen Menschen in einer mehr als einen Kilometer langen Schlange vor dem Gebäude. (Am Dienstag teilte der Kreis dann mit, dass insgesamt 881 Impfungen durchgeführt wurden, davon 581 Booster-Impfungen und 52 Zweitimpfungen. Die letzte Impfung erfolgte um Mitternacht.)

Wie berichtet, hatten sich Freitag im Stadtteil Kaukenberg sowie am Samstag und Sonntag bei den Impfaktionen in Altenbeken, Westenholz und Hövelhof jeweils 1000 Menschen eine Impfung geben lassen. Das DRK versorgte am Montag wartende Bürger mit Tee.

Der Kreis gab am Montag die mobilen Impftermine im Dezember bekannt.

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