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Familie Streek aus Rahden-Preußisch Ströhen züchtet seltene Rasse aus Schleswig-Holstein – eigener Hofladen wird eröffnet

„Glücksschweine“ genießen Freiheit

Rahden

Artgerecht, nachhaltig, heimisch, transparent – so möchten immer mehr Menschen die Tierhaltung für Fleischprodukte ihres täglichen Bedarfs.

Von Anja Schubert

Dieses Schwein lässt sich mit Begeisterung kraulen: Artgerechte Tierhaltung und das Tierwohl schlechthin sind für Landwirt und Schweinezüchter Michael Streek eine Herzensangelegenheit. Foto: Anja Schubert

Auf dem Hof von Michael und Zuzana Streek am Ammenweg 2 in Preußisch Ströhen wird dieser Wunsch erfüllt.

Das Ehepaar züchtet seit rund zwei Jahren Angler-Sattelschweine, die bis zur Schlachtung in Freilandhaltung aufwachsen. Mit dem Gedanken an eine artgerechte Zucht war immer der Traum vom eigenen kleinen Hofladen verbunden. Am Samstag, 26. Juni, feiert dieser nun nach vielen pandemiebedingten Verschiebungen von 10 bis 16 Uhr Eröffnung.

Suzana Streek freut sich schon auf die Eröffnung des Hofladens. Foto: Anja Schubert

Neben tiefgefrorenem Fleisch vom Angler-Sattelschwein gibt es „Feine Kost vom Lande“: Wein, Seccos, Fruchtsäfte, Tees, Liköre, Marmelade, getrocknete Früchte, Dips, Kräuter, Öle, Hülsenfrüchte, Bonbons, Kekse, Gummibärchen, Confiserie-Produkte und mehr. „Wir haben sogar ein paar vegane Produkte“, sagt Zuzana Streek. Freuen dürfen sich Kunden zudem auf Freilandeier vom Aumannshof in Barver, der auf Wunsch auch geschlachtete Freilandhühner liefert.

„2017 sah ich ein Online-Video über die Freilandhaltung von Schweinen. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los“, blickt Michael Streek zurück, der im Außendienst für einen Landmaschinen-Hersteller nicht nur europaweit unterwegs war. Im Oktober 2019 eröffneten er mit Ehefrau Zuzana die eigene Hobby-Schweinezucht. Seitdem ist der Bestand von sieben auf mittlerweile 58 Tiere angewachsen.

„Unsere letzten beiden Erstgeborenen sind heute noch da“, freut sich der Landwirt. Das Futter für die Tiere stammt aus eigenem Anbau und wird in selbst zusammengestellter Mischung gefüttert. „Wir verbiegen uns für die Tiere, die Tiere nicht für uns“, unterstreicht er den Leitgedanken des Hofes, der sich ausdrücklich gegen Massentierhaltung ausspricht und Wert auf eine große regionale Transparenz legt.

Streeks Schweine in Freilandhaltung suhlen sich. Foto: Anja Schubert

„Weil unsere Tiere das Glück haben, mit viel Platz und viel persönlicher Hingabe leben zu dürfen, sind es eben Glücksschweine“, erläutert Michael Streek, wie der Hof und der Laden zum Namen „Rahdener Glücksschweine“ kam. „Unsere Tiere fühlen sich den ganzen Tag über wohl, lieben Sonnenbäder und suchen die Abkühlung im Schlammbad, laufen um die Wette und raufen sich untereinander. Abends kuscheln sie dann gemütlich in den Hütten im Stroh.“

In acht Parzellen ist die rund 10.000 Quadratmeter große Freifläche aufgeteilt, die die Schweine im Wechsel „bewirtschaften“. Neben Futterplätzen, Trink- und Suhlgelegenheiten stehen auf dem eingezäunten Areal Hütten für die Nacht bereit. „Schweine sind sehr schlau, wenn sie ihre Instinkte entfalten dürfen“, sagt Streek. „Sie machen eigentlich alles selber, vom Suhlekuhlen anlegen bis hin zum Nestbau. Dafür muss man ihnen das Stroh nur hinwerfen.“

Wer dem Hof einen Besuch abstattet, hat schnell das Gefühl, dass hier das Zusammenleben mit borstigen Outdoor-Haustieren im Mittelpunkt steht. Mit der Hütehündin Luna und dem Germanischen Bärenhund Leo ist auch der Wachtrupp komplett. Besucher sind willkommen, müssen jedoch erst eine Hygieneschleuse passieren und sich umkleiden, bevor sie in die Nähe der Tiere kommen. Stiefel und Overall sind Pflicht, damit keine Krankheiten hinein getragen werden.

Michael Streek

Das Angler-Sattelschwein hat seinen Ursprung auf der Halbinsel Angeln in Schleswig-Holstein. Charakteristisch ist der helle Sattel über der Vorderhand. Der Rest des Tieres ist schwarz. „Eine Rasse, die kurz vor dem Aussterben war, nun aber aufgrund der neuen Wertschätzung ihrer Vorzüge langsam wieder zurückkehrt“, weiß die Preußisch Ströher Familie. Lediglich rund 80 Muttertiere gebe es geschätzt deutschlandweit. Vier von ihnen leben bei Michael und Zuzana Streek und ihren beiden Kindern.

„Die Rasse hat sehr gute Muttereigenschaften, ist nicht überzüchtet und sehr robust, daher für die Freilandhaltung geeignet“, erläutert der Schweineliebhaber. „Klar fällt es einem bei der Nähe zu den Tieren nicht gerade leicht, wenn es ans Schlachten geht. Doch ich sage mir immer, dass sie bis zu ihrem Tod ihr Leben in vollen Zügen genießen dürfen.“

Durch die langsame und schonende Mast hat das Fleisch Zeit zu reifen und ein natürliches Aroma zu entwickeln, das ohne künstliche Geschmacksverstärker auskommt. „Deshalb besteht es wirklich noch aus Fleisch und nicht überwiegend aus Wasser. Das ist unschwer daran zu erkennen, dass es beim Braten nicht schrumpft.“

Die Öffnungszeiten des Hofladens: mittwochs bis freitags 14.30 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.rahdener-gluecksschwein.de.

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