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Lübbecker SPD erinnert an den Gründer des Ortsvereins Heinrich Scholle

Grabstein steht wieder gerade

Lübbecke

Für die Lübbecker Sozialdemokraten war Heinrich Scholle ein wichtiger Mann. Er hat seinerzeit 1906 den Ortsverein Lübbecke mitgegründet und war bis zu seinem Lebensende ihr erster Vorsitzender. Arbeiterinnen und Arbeiter im Kreis Lübbecke haben nach seinem Tod 1924 ein Denkmal in Form eines Grabsteins gestiftet. Nun ist der SPD-Ortsverein Lübbecke tätig geworden und hat den Stein vom Fachbetrieb Medzech neu richten lassen.

Die SPD Lübbecke hat den Grabstein von Heinrich Scholle wieder richten lassen (von links): Martin Medzech, Dieter Erber und Michael Hafner Foto: SPD Lübbecke

Der Stein in den Maßen 180 mal 64 mal 54 Zentimeter ist vermutlich aus Obernkirchener Sandstein gefertigt. Die Aufschrift lautet: „Ihrem Freunde und Führer – die Arbeiterschaft des Kreises Lübbecke“. Er steht unter Denkmalschutz. „Nicht zuletzt deshalb fühlen wir uns als Nachfolger von Heinrich Scholle verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es sich um eine würdige Gedenkstätte handelt“, sagt der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Andreas Schröder. Die Grabstätte liegt sozusagen Kopf an Kopf zur Familiengruft August Blase. Ob dieser Standort bewusst gewählt wurde, kann man nur vermuten.

Nach Ablauf der letzten Nutzung durch die Familie Scholle hat der SPD-Ortsverein Lübbecke 2011 für 40 Jahre das Nutzungsrecht übernommen und kümmert sich um die Pflege der Grabstätte. „Für uns ist es eine ‘Ehrensache‘. Über die Jahre war der Grabstein abgesackt. Jetzt steht der Stein dank des Teams von Martin Medzech wieder gerade und wir planen eine Bepflanzung“, so Dieter Erber.

Heinrich Scholle wurde am 16. März 1857 als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren. Nach der Schulzeit erlernte er das Zigarrenmachen. Schon früh befasste er sich mit der Politik. Er war später auch mit Carl Severing eng befreundet, der 1875 im benachbarten Herford geboren wurde. 1903 war Scholle Mitbegründer des Konsumvereins Lübbecke und außerdem dessen Lagerverwalter und Verkaufsstellenleiter bis zu seinem Tode am 26. Mai 1924. Die Konsumvereine waren sozusagen private Einkaufsgenossenschaften, die gemeinschaftlich Konsumgüter eingekauft und ihren Mitgliedern günstig angeboten haben. Eine der letzten Verkaufsstellen in Lübbecke war an der heutigen B65 in Gehlenbeck unterhalb der Kirche.

Heinrich Scholle war politisch sehr engagiert. Scholle wurde Stadtvertreter und Kreistagsmitglied, im Kreisausschuss war er ebenso vertreten wie in allen Wohlfahrtsverbänden am Ort. Wenn es vor den Wahlen darum ging, Flugblätter zu verteilen, engagierte er sich über Lübbecke hinaus. Als Philipp Scheidemann am 9. November 1918 das Ende des Kaiserreichs ausrief, wurde vor seinem Haus „Posten bezogen“. Wer das genau war, darüber schweigt das Archiv. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Heinrich Scholle dem Arbeiter- und Soldatenrat an.

„Heinrich Scholle wurde nie etwas zu viel. Er war für jeden und zu jeder Zeit, ganz gleich wie und wo zu sprechen und zum Helfen bereit, so gut es in seinen Kräften stand und es möglich war“, zitiert Michael Hafner aus dem Archiv. Als Heinrich Scholle dann durch Krankheit und Altersgebrechen dazu nicht mehr in der Lage war, legte er alles in die Hände von Christian Rosenbohm, der ihm im Amt des Lübbecker SPD-Vorsitzenden nachfolgte.

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