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Bei Kreissynode wird Nachfolge für Synodalassessor Dirk Leiendecker bestimmt - Auch der Superintendent steht bald vorm Abschied

Große Veränderungen im Kirchenkreis Halle

Altkreis Halle

Die komplette Spitze des Kirchenkreises Halle wird in der nächsten Zeit wechseln. Bei der nächsten Synode wird Synodalassessor Dirk Leidendecker verabschiedet, im Herbst wird dann auch Superintendent Walter Hempelmann ausscheiden.

Von Stefan Küppers

Sie stehen vor ihren Abschieden: Superintendent Walter He Foto: Küppers

Der Wind der Veränderung weht in diesen Wochen und Monaten besonders kräftig durch den Evangelischen Kirchenkreis Halle. Denn bei der nächsten Synode am Montag, 21. Juni, wird der sozusagen „zweite Mann“ im Kirchenkreis zum letzten Mal als Synodalassessor auftreten. Pfarrer Dirk Leiendecker wird mit 63 Jahren in den Ruhestand wechseln. Und auch ein zweiter Abschied wird sich bei dieser abermals digital durchgeführten Synode bereits abzeichnen. Denn Superintendent Walter Hempelmann wird bei dieser Synode seinen letzten Bericht halten. Bei der nächsten Kreissynode im November soll nämlich für den dann 65-Jährigen ein Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin im Amt des Superintendenten gewählt werden.

Kleiner Kirchenkreis erweist sich für die Kommunikation auch bei schweren Themen als vorteilhaft.

Seit 2008 hat Dirk Leiendecker in seiner besonderen Funktion im Kreissynodalvorstand sehr eng und loyal mit dem „Sup“ zusammen gearbeitet. Als einzige Kandidatin für Leiendeckers Nachfolge ist bislang Pfarrerin Birgit Gillmann aus der Kirchengemeinde Bockhorst nominiert. Beim gemeinsamen Pressegespräch vor der Synode kreisen die Gedanken auch um die Frage, warum trotz durchaus gewichtiger struktureller und finanzieller Probleme im Kirchenkreis die Veränderungsprozesse bislang relativ geräuscharm trotz hohem Konfliktpotenzial über die Bühne gegangen sind. Hempelmann und Leiendecker sehen insbesondere die relative Kleinheit des Kirchenkreises als besonders vorteilhaft für die Bewältigung schwieriger Prozesse an, sei es der weitere Abbau von Pfarrstellen oder das notwendige Sparen bei kirchlichen Räumen an.

„Evangelisch Leiten geht nur im Plural“

Hempelmann hat die großen Strukturdebatten noch gut vor Augen, als er 1999 als Nachfolger von Wilhelm Arning zum Superintendenten gewählt wurde, damals sehr knapp vor Mitbewerber Friedrich-Karl Völckner. Als der Prozess „Kirche mit Zukunft“ gestartet wurde, traf man im Kirchenkreis Halle bewusst die Entscheidung klein und selbstständig bleiben zu wollen, allenfalls auf Verwaltungsebene mit benachbarten Kirchenkreisen in Gütersloh und Brackwede zu kooperieren. Das kleine, aber von einer gemeinsamen Identität zusammen gehaltene Gebilde hat in den Folgejahren seine Strukturen verändert und dabei den Zusammenhalt durch große Kreiskirchentage im Haller Stadion (erstmals 2004) gestärkt. Der Leitbildprozess mit der Frage „Wer sind wir?“, die stets gewährleistete Beteiligung in Gremien sowie die kurzen Kommunikationswege haben nach dem Eindruck von Hempelmann und Leiendecker wesentlich dazu beigetragen, dass es hier im Gegensatz zu manch großen Gebilden keine zermürbenden Streitigkeiten gegeben hat. Zu dem Gedanken „Evangelisch Leiten geht nur im Plural“ hat der Superintendent einige Überlegungen in seinem Bericht an die Synode formuliert.

Im Rahmen der Synode soll auch ein Impuls in Richtung der Kommunen gesandt werden, dass künftig bei amtlichen Sozialbestattungen bitte der Wohnort des Verstorbenen entgegen der bisherigen Praxis berücksichtigt werden soll. Ansonsten will der Superintendent in Kenntnis vieler Probleme bei seinem Abschiedsbericht vor allem ein Signal der Hoffnung senden und wählt dafür das Bild der Arche Noah. Denn am Ende dieser berühmtesten Quarantänegeschichte der Welt stehe nicht das Verderben, sondern das Leben. Geschichten des Niedergangs dürften nicht zur Totalperspektive werden und am Ende alle lähmen.

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