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Grüne kritisieren „vollendete Tatsachen“ in Bad Driburg – Kreis: Bäume durften gefällt werden

Grüngürtel großzügig abgeholzt

Bad Driburg

Viele werden es bereits gesehen haben: Der geplante Standort für die Marktverlagerung des Aldi-Nord an den Konrad-Adenauer-Ring wurde in den vergangenen Tagen – buchstäblich in einer Nacht- und Nebelaktion – komplett geräumt, wie Bündnis 90/Die Grünen Bad Driburg mitgeteilt haben. Auf dem Gelände seien alle Bäume entfernt worden. Die Bad Driburger Stadtverwaltung war laut eigener Aussage nicht informiert, der Kreis ebenso wenig.

Das Foto zeigt die Fällarbeiten auf der 7000 Quadratmeter großen Fläche am Konrad-Adenauer-Ring in Bad Driburg. Foto: Grüne Bad Driburg

Nachdem die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Höxter durch die Grünen Bad Driburg informiert wurde, wurde eine Prüfung vor Ort durchgeführt. Das Prüfergebnis des Kreises bisher lautet zusammengefasst: „Die Bäume durften zwischen Oktober und Februar gefällt werden, eine Gefährdung geschützter Arten konnte bisher nicht festgestellt werden.“

„Das Ergebnis ist natürlich unbefriedigend“, stellen die Grünen in Bad Driburg fest. „Auch dem Laien ist klar, wenn alles abgeholzt und mit schwerem Gerät befahren wurde, kann man auch nicht mehr viel finden. Uns drängt sich der Eindruck auf, dass hier vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen“, sagen die Grünen.

Aus Sicht der Grünen macht dieses rigorose Vorgehen deutlich, „dass Bad Driburg dringender denn je eine Baumschutzsatzung benötigt. Wir Grüne haben in der Vergangenheit immer wieder Vorstöße in diese Richtung unternommen und bekamen stets eine Ablehnung von der Mehrheit des Rates“, sagen die Grünen.

Zwischenzeitlich wurde das umstrittene Grundstück am Konrad-Adenauer-Ring offenbar vermessen. Das spreche nicht unbedingt dafür, dass der Teich, der dort laut Bebauungsplan eigentlich als Teil des Grüngürtels existierten müsste, wiederhergestellt werden solle.

Bislang sei noch kein Antrag auf Änderung des gültigen Bebauungsplanes bekannt, der ja eigentlich vorsieht, einen Großteil der Fläche von Bebauung freizuhalten.

Jedoch sei davon auszugehen, dass mehr als 7000 Quadratmeter Fläche nicht ohne Grund und mit hohen Kosten abgeholzt und vermessen worden seien. Der Bauantrag für den Aldi sei wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit.

Dann werden sich die Genehmigungsbehörde, also der Kreis Höxter und der Bad Driburger Bauaus-schuss, der seine Zustimmung erteilen muss, den Antrag genauestens ansehen und entscheiden müssen, ob diese Fläche tatsächlich für einen Großmarkt versiegelt werden soll.

Die gesetzlich vorgeschriebene artenschutzrechtliche Prüfung dürfte dann sehr kurz ausfallen: wo nichts mehr ist, kann man nichts mehr finden.

Die Grünen in Bad Driburg haben bereits mehrfach deutlich gemacht, dass sie den Standort für vollkommen ungeeignet halten. Sowohl verkehrstechnisch, ökologisch als auch von der Lärmbelastung der Nachbarschaft her sei der Standort denkbar schlecht gewählt.

„Es bleibt nur zu hoffen, dass hier eine kluge Entscheidung für die städtische Entwicklung unserer Kur- und Badestadt getroffen und nicht dem Kommerz blind gefolgt wird“, hoffen die Grünen.

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