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Borchener Hendrik Lüke engagiert sich bei Organisation Sharkproject für Haischutz und will eine Verschärfung auf EU-Ebene erreichen

„Haie brauchen jetzt unsere Hilfe!“

Borchen

Hendrik Lüke hat einen großen Traum: Der Kirchborchener möchte inmitten einer Hammerhai-Schule tauchen, die aus mehreren 100 Tieren bestehen kann. Doch momentan macht sich der 25-Jährige große Sorgen um den Fortbestand der weltweiten Hai-Population.

Von Sonja Möller

Hendrik Lüke ist eins der Gesichter der Kampagne „Ohne Dich geht‘s nicht“, mit der das Sharkproject um Stimmen für die Bürgerinitiative wirbt. Das Plakat hängt auch im Tauchzentrum Monte Mare in Rheinbach bei Bonn. Foto: Marion Harder

Mit der internationalen Meeres- und Haischutzorganisation Sharkproject unterstützt er deshalb eine Bürgerinitiative, die ein Verbot des Handels mit Haifischflossen auf EU-Ebene erreichen will.

Als Hendrik Lüke seine Begeisterung für Haie entdeckte, war er gerade mal 13 Jahre. Damals schaute er auf Youtube das Video „Sharks don‘t cry“ (zu Deutsch: Haie weinen nicht) und sah, wie ein junger Tigerhai aus dem Meer gezogen wurde, ihm bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten und der Körper dann einfach wieder zurückgeworfen wurde und auf den Meeresboden sank. „Ich war zutiefst schockiert. Der Hai tat mir unfassbar leid“, erinnert sich der heute 25-Jährige.

Damals verstand er nicht, warum jemand so etwas tat. „Ich habe dann angefangen zu recherchieren, um alles über Haie herauszufinden“, erzählt Lüke. Zum Beispiel, was stimmte und was Panikmache war: „Und dann habe ich die ersten Bilder von Menschen gesehen, die mit weißen Haien geschwommen sind. Das war magisch“, erzählt der Kirchborchener. Das in den Medien oft zur Bestie hochstilisierte Tier schwamm friedlich mit Tauchern.

Gleichzeitig fand er noch etwas anderes heraus: Das Flossen-Abschneiden, das er im Video gesehen hatte, war kein Einzelfall, sondern traurige Realität: Haifischflossen gelten in der traditionellen chinesischen Medizin als potenzsteigernd. Haifischflossensuppe ist vielerorts eine Delikatesse.

Hendrik Lüke zeigt beim Tauchgang in Ägypten das Quietschentchen des SC Borchen Foto: Hendrik Lüke

Nach seinem Fachabi ging Hendrik Lüke für Work and Travel nach Australien und tauchte am Great Barrier Reef erstmals mit Haien. Mit 19 Jahren kehrte er mit dem Entschluss nach Deutschland zurück, sich aktiv bei einer Umweltschutzorganisation zu engagieren. Während der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger stieg er bei Sharkproject ein und absolvierte eine Schulung zum Campaigner, um zum Beispiel auf Messen über den Schutz von Haien informieren zu können. Später ließ er sich zum Sharkproject-Schulreferenten ausbilden: „Wir informieren von der Kita bis zur gymnasialen Oberstufe über Haie und warum deren Schutz so wichtig ist.“ Mittlerweile ist Hendrik Lüke Schulregionalleiter von ganz Nordrhein-Westfalen.

Bei einer Weltreise entdeckte er auf einem Markt in Bangkok Haifischflossen für 503 Euro das Stück. In Bangkoks Chinatown war er in Läden, in denen getrocknete Haifischflossen ganze Regalwände füllten. „Teilweise waren die Flossen so klein, dass sie nur von Babyhaien stammen können, die sich noch nicht fortgepflanzt haben“, schildert Hendrik Lüke die aus seiner Sicht dramatische Situation.

Ein Regal voller getrockneter Haifischflossen in Chinatown in Bangkok. Foto: Hendrik Lüke

Aktuell konzentriert sich der Borchener darauf, gemeinsam mit Sharkproject die Bürgerinitiative „Stop finning – stop the trade“ dabei zu unterstützen, eine Millionen Stimmen in der EU zu sammeln, um vor dem EU-Parlament gehört zu werden. Ziel ist es, den Handel mit Haifischflossen in der EU so stark mit Vorgaben zu versehen, dass er nicht mehr lukrativ ist. „Europa ist beim gezielten Haifischfang eine der am stärksten involvierten Regionen und hat die größte Haifangflotte der Welt“, erläutert Lüke.

Seit 2013 gibt es zwar eine Verordnung, die besagt, dass auf europäischen Schiffen und in EU-Gewässern das so genannte Finning, das Abtrennen der Flossen, verboten ist. „Aber die Verordnung hat riesige Lücken, denn der Fang des gesamten Haies und das anschließende abtrennen der Flossen im Hafen, der Handel, der Transit, Ex- und Import mit losen Flossen ist weiter erlaubt“, sagt Lüke: „Jedes Jahr sterben bis zu 73 Millionen Haie nur ihrer Flossen wegen.“

Die EU sei hierbei ein Big Player, der die größte Haifangflotte der Welt besitzt, betont Lüke. Die EU-Mitgliedsstaaten Spanien, Portugal und Frankreich gehörten zu den traurigen Spitzenreitern der weltweiten Haifänger-Nationen: „Einige Staaten der USA, Kanada und ganz aktuell auch Großbritannien haben den Handel mit losen Flossen bereits verboten. Nun ist die EU an der Reihe.“

Haie

Um überhaupt vor dem Parlament angehört zu werden, muss die Bürgerinitiative bis zum 31. Januar 2022 nicht nur eine Millionen Stimmen sammeln, sondern auch bestimmte Vorgaben in verschiedenen Mitgliedsstaaten erfüllen. Lüke: „Dann kann die politische Arbeit beginnen.“

Um dies zu erreichen, hilft die Organisation Sharkproject für Österreich und Deutschland. „Wir wollen in den beiden Ländern die maximale Anzahl an Stimmen holen. Dafür haben wir die Kampagne ‚Ohne Dich geht‘s nicht‘ gestartet, bei der jeder ganz einfach mitmachen kann“, berichtet der Kirchborchener, der selbst eins der Gesichter der Kampagne ist.

Hendrik Lüke hat einen Traum: „Dass die Menschen Haie durch meine Augen sehen können. Sie würden voller Faszination Tiere sehen, die perfekter und wundervoller nicht sein könnten und so gar nichts gemein haben mit dem allgemein bekannten Menschenfresser-Image der Medien.“

Wer die Bürgerinitiative unterstützen will, gelangt hier direkt zur Internetseite des EU-Parlaments. Dort kann die Stimme unter Angabe der persönlichen Daten abgeben werden. „Es handelt sich um eine politische Bürgerinitiative. Die Daten hat nur die EU, um nachverfolgen zu können, ob reale Personen abgestimmt haben“, informiert Hendrik Lüke.

www.sharkproject.org/

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