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Viele Fragen nach der Razzia der Staatsanwaltschaft noch offen – SPD zu Besuch in Steinheimer Unternehmen

„Hanf-Zeit“ muss Personal entlassen

Steinheim

Funkstille: Seit etwa einem Dreivierteljahr herrscht sie zwischen dem Unternehmen „Hanf-Zeit“ und der Staatsanwaltschaft Paderborn. Dabei warten die Steinheimer Unternehmer noch immer auf eine Menge Ware, die schon im März 2021 beschlagnahmt worden ist.

Stefan Nölker-Wunderwald von der Firma „Hanf-Zeit“ in Steinheim hat Politikern der SPD bei einem Besuch Rede und Antwort gestanden. Dabei ging es auch um die Razzia der Staatsanwaltschaft in seinem Unternehmen. Foto: SPD-Stadtverband Steinheim

Doch Funkstille ist so gar nichts für die SPD-Landtagskandidatin Nora Wieners und die Sozialdemokraten der Emmerstadt, sagen sie: Gemeinsam haben sie jüngst das Geschäft besucht und mit den Betreibern gesprochen.

Dabei ging es laut einer Pressemitteilung des SPD-Stadtverbandes nicht nur um das Thema Nutzhanf und die Razzia im vergangenen Frühling, sondern auch – zumindest am Rande – um Perspektiven für einen eventuell umzusetzenden Paradigmenwechseln in der Drogenpolitik. Immerhin will die regierende Ampel zukünftig Cannabis straffrei zu Konsumzwecken legalisieren. Im Zentrum des Besuchs standen allerdings eher harmlose Hanfsorten, welche in den letzten Jahren vielfach auf landwirtschaftlichen Flächen in Steinheim und auch dem angrenzenden Kreis Lippe gesät und geerntet wurden. „Nutzhanf – eine nachhaltige und zukunftsorientierte Sache“, so die gemeinsame Meinung des SPD-Stadtverbandes, der Landtagskandidatin Nora Wieners sowie des „Hanf-Zeit“-Betreibers Stefan Nölker-Wunderwald beim Rundgang durch das Steinheimer Unternehmen.

Stolpersteine diskutiert

„Ob als Schokolade, Tee, Öl, Kosmetik, Kleidung oder auch als Baustoff kann Hanf als Produkt eingesetzt und bestens genutzt werden. Und bald womöglich auch als Medizin“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die aktuellen und zukünftigen Stolpersteine zu einer „unaufgeregten Nutzung von Hanf“ seien in der Diskussion beleuchtet und diskutiert worden. Bei dem in Steinheim produzierten und verarbeiteten Rohstoff handele es sich um Nutzhanf – also einen Grundstoff, der viele nützliche Eigenschaften besitze, aber keine berauschenden Anteile – das THC fehle.

Auf einem langen und zudem auch schwierigen Weg befindet sich nach Einschätzung der SPD derzeit noch immer die „Hanf-Zeit“: Vor mehr als einem Jahr sind in ganz NRW Läden wie das Steinheimer Unternehmen durchsucht worden, zahlreiche Produkte wurden beschlagnahmt. Aus Steinheim unter anderem Pesto und Kosmetika. Und die Laboruntersuchung dieser Produkte dauert wohl noch immer an – zumindest hat die „Hanf-Zeit“ dazu seit Juli keine neuen Infos von der Staatsanwaltschaft erhalten. Die Folge: Es könne nicht produziert werden, Mitarbeiter hätten bereits entlassen werden müssen. Und das, obwohl die „Hanf-Zeit“ in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern möchte. Viele Fragen stellten sich Stefan und Bianca Nölker-Wunderwald und die SPD Ratsfraktion beim Rundgang durch die Firmengebäude der Hanfzeit auch bezüglich der „rigorosen Beschlagnahme“ durch die Staatsanwaltschaft Paderborn – „gerade, weil das Vorgehen auch Arbeitsplätze in der heimischen Wirtschaft kostet“, so der SPD-Stadtverband.

Niemand glaubt an schnelle Lösung

An einen raschen Abschluss der Situation glaubt übrigens niemand so richtig: Allein wegen der schieren Masse der in ganz NRW beschlagnahmten Produkte sei eine Auswertung sehr zäh und unglaublich schwierig, erklärte Kai-Friedrich Niermann, der Anwalt von Stefan Nölker-Wunderwald, kürzlich gegenüber der Presse. Und die derzeitige unklare Rechtslage mache die Sache auch nicht einfacher. Dabei sei aber eigentlich klar, dass nur die missbräuchliche Verwendung von Hanfprodukten strafbar sein kann. „Und wie man bei einem Hanfpesto einen Missbrauch hinbekommen will, ist mir unklar“, so Niermann.

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