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Wolfgang Stüken legt Neuedition seines Buches über das Wirken des Paderborner Erzbischofs in der NS-Zeit vor

Hat Kardinal Jaeger es wirklich gut gemacht?

Paderborn

Die am 6. Dezember des vergangenen Jahres von der Universität Paderborn veröffentlichte Zwischenbilanz zu den Missbrauchstaten, die während der Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002) durch Priester des Erzbistums Paderborn verübt worden sind, offenbart schwerwiegendes Fehlverhalten der beiden früheren Oberhirten. Für Jaeger (Jahrgang 1892, Erzbischof von 1941 bis 1973) wurde damit ein weiteres Forschungskapitel aufgeschlagen.

Wolfgang Stüken präsentiert die Neuauflage seines Buches über die Rolle von Paderborns Kirchenführung in der Zeit des Nationalsozialismus.

Das erste Kapitel, sein Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, sorgt bis heute für Diskussionen und dürfte weiter ein Thema sein. Der Paderborner Journalist Wolfgang Stüken hat eine Neuedition des Buches „Hirten unter Hitler“ vorgelegt. Er hatte das Buch über die Rolle Jaegers und seines Vorgängers Caspar Klein in der NS-Zeit 1999, im Jubiläumsjahr „1200 Jahre Bistum Paderborn“, erstmals veröffentlicht. Es war seit Jahren vergriffen.

„Er hat es gut gemacht.“ So lautete das Fazit zu Jaegers Wirken in der NS-Zeit, das der Historiker Joachim Kuropka, emeritierter Professor für Neueste Geschichte der Universität Vechta, für die Studie „Lorenz Jaeger. Ein Erzbischof in der Zeit des Nationalsozialismus“ zog, die 2020 von der Theologischen Fakultät Paderborn publiziert wurde (Herausgeber: Josef Meyer zu Schlochtern und Johannes W. Vutz). Der im Februar 2021 mit 79 Jahren verstorbene Kuropka, wie einst Jaeger Mitglied des Päpstlichen Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem, sparte in seinem letzten Kreuzzug gegen Kritiker Jaegers nicht an Schmähungen, wie sie in wissenschaftlichen Studien eher selten zu finden sind. Er befand, Stükens 1999 bei Klartext in Essen erschienenes Buch sei durch Aufpicken von Zitaten nach der „Hühnerhofmethode“ entstanden. Dagegen attestierte der frühere Leiter des Paderborner Erzbistumsarchiv, Dr. Arnold Otto, Stüken in jener Fakultätsstudie, er habe die 1999 bekannten Archivbefunde „noch um zahlreiche weitere Bestände“ ergänzt.

Antrag, Ehrenbürgerwürde abzuerkennen, scheitert

Kuropkas scharfe Angriffe zielten nach Stükens Auffassung auch gegen den Düsseldorfer Publizisten und Diplomtheologen Peter Bürger (Jahrgang 1961). Das aus dem Sauerland stammende langjährige Mitglied der katholischen Friedensorganisation „Pax Christi“ hatte im Jahre 2015 den Antrag der Ratsfraktion der Demokratischen Initiative Paderborn (DIP, heute Linksfraktion), Jaeger die 1956 verliehene Paderborner Ehrenbürgerwürde abzuerkennen, mit einem Dossier begleitet. Der DIP-Antrag scheiterte.

Peter Bürger hat die Neuedition der „Hirten unter Hitler“ als Band 12 der von ihm herausgegebenen Reihe „Kirche & Weltkrieg“ herausgebracht. Aufgrund eines größeren Schriftgrades ist das 424-seitige Buch besser lesbar, zudem haben viele der Fotos ein größeres Format. Der Text des im Handel erhältlichen Buches ist zudem in der Digitalbibliothek https://kircheundweltkrieg.wordpress.com/ kostenlos abrufbar. Bürger und Stüken haben einen Folgeband zu „Hirten unter Hitler“ angekündigt, der Dokumente und Debattenbeiträge zur Paderborner Bistumsleitung in der NS-Zeit enthält und voraussichtlich im Laufe dieses Jahres erscheinen soll. Das Buch „Hirten unter Hitler“, Norderstedt BoD 2021, hat die ISBN-Nummer 978-3-7557-6020-7 und kostet als Paperback-Ausgabe 13,90 Euro.

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