Stadtführung in Espelkamp dank gesunkener Inzidenzwerte wieder möglich – Erstes Ziel ist die Burano-Siedlung

„Hier wird Nachbarschaft gepflegt“

Espelkamp

In jedem Jahr stellen die Stadtführer ein buntes Angebot zusammen, das die Besonderheiten Espelkamps widerspiegelt. Der Auftakt der ersten „echten“ Stadtführung erfolgte dank der gesunkenen Inzidenzwerte im Kreis am Samstag. Auf dem Programm stand ein anderthalbstündiger Gang durch die Burano-Siedlung rund um den Hirschberger Weg.

Stadtführerin Katharina Klassen-Junge (2. von links) führt die Teilnehmer durch die Burano-Siedlung. Foto: Andreas Kokemoor

Dabei gelang den Stadtführern des Stadtmarketingvereins, was ihnen besonders wichtig ist: Historisches und Aktuelles zu erzählen und zu erklären und Hintergrundinfos zu liefern. Das Burano-Viertel sei bereits Teil verschiedener Führungen, erklärte Stadtführerin Katharina Klassen-Junge. „Immer wieder wurden wir gefragt, ob wir nicht eine Führung anbieten können, die sich speziell mit dem Viertel befasst.“ Diesen Wunsch erfüllte sie nun.

Trotz guter Nachbarschaft läuft nicht alles alles rund im Viertel. Wegen Lärmbeschwerden bleibt der Basketballplatz gesperrt. Foto: Andreas Kokemoor

Espelkamp ist inzwischen über seine Grenzen hinweg für die Farbgestaltung der Fassaden bekannt. „Diese ist besonders intensiv im Burano-Viertel umgesetzt worden, wo man sich bei Sonnenschein und Wärme in die Lagune von Venedig versetzt fühlt“, sagte Klassen-Junge. Vieles, was sie dort zeige, sei mit Unterstützung des Förderprojektes Soziale Stadt entstanden, betonte sie. Für das Projekt habe die Farbdesignerin Petra Breuer auf der Insel Burano in Venedig die Farben der bunten Häuserfassaden gemessen. Von einem Farbenhersteller seien diese »Burano-Farbtöne« zusammengemischt und in Espelkamp – erstmalig in Deutschland – auf die Fassaden gebracht worden. „Sogar die Blumen in den Gärten vor den Häusern wurden so gewählt, dass sie zu den Fassaden passen“, sagte die Stadtführerin.

Neu bebauen oder sanieren?

Klassen-Junge erläuterte, dass Espelkamp vor etwa 20 bis 30 Jahren vor der Frage gestanden hätte, entweder das Viertel komplett neu zu bebauen oder eine grundlegende Sanierung der bestehenden Häuser vorzunehmen. In den 50-er Jahren sei ein intensiver Siedlungsbau mit zweistöckigen Reihenhäusern vorgenommen worden. Die damals errichteten Wohnungen seien sehr klein und einfach, die Fassaden schlicht beige und grau, aber die Wohnungen seien nützlich gewesen. „Und die Mieter hatten alle Gärten“, hob sie hervor. Ab den 2000er-Jahren habe eine umfangreiche Sanierung beziehungsweise Umgestaltung dieser Siedlungskomplexe begonnen. „Espelkamp entschied sich für die zweite Variante – die Sanierung.“

Aufwertung des Viertels

Zur Aufwertung der Viertel sei in Zusammenarbeit mit der Aufbaugemeinschaft Espelkamp neben der baulichen Sanierung auch die Neugestaltung der Gärten erfolgt. Hinzu kam der Anschluss an ein Fernwärmenetz und die Installation eines Quartiersmanagements. Eine Besonderheit des Burano-Viertels seien außerdem die Wohnungen des Wittekindshofes für Menschen mit geistiger Behinderung. „In unmittelbarer Nähe wurde ein Dorfplatz für die gesamte Siedlung und alle Espelkamper gebaut“, betonte sie.

„Im Burano-Viertel wird Nachbarschaft gepflegt“, sagte sie. Der Siedlungs­charakter der Wohneinheiten mit ihren einheitlichen Vorgärten sowie Gemüse und Obstgärten hinter dem Haus solle dies untermalen, erläuterte Katharina Klassen-Junge. Sie verschwieg aber nicht, dass es auch Ärger und Unstimmigkeiten gebe. So sei mitten in der Siedlung ein Kinderspielplatz und Bolz- und Basketball-Platz mit Fördergeldern gebaut worden. Die Bürger seien im Vorfeld bei den Planungen zwar mit einbezogen worden. Lärm und Sachbeschädigungen sowie daraus resultierende Beschwerden seien aber ein Grund dafür, dass das Spiel- und Sportgelände nur eingeschränkt genutzt werden könne, erläuterte sie. Die Basketballkörbe liegen abgebaut auf dem Boden. Ein Vorhängeschloss riegelt den Sportbereich ab.

Teil der Siedlung sei auch das Frauenhaus des Vereins „Hexenhaus“. Wie Katharina Klassen-Junge berichtete, plant die Einrichtung, hinter dem Quartiersbüro an der Isenstedter Straße ein weiteres Haus als Beratungsstelle für Hilfe suchende Frauen zu errichten, das von der Aufbaugemeinschaft gebaut werden soll.

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