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Lebhafte Diskussion im Rat nach dem überraschendem Fund – mit Kommentar

Höxter schafft Brunnen-Kompromiss

Höxter

Die Ratssitzung wird auf Antrag des CDU-Fraktionschefs Günther Ludwig am Donnerstagabend für einige Minuten unterbrochen. Wie soll die Stadt mit dem Brunnenfund vom 24. Januar an der Ecke Grubestraße/Nicolaistraße umgehen? Dabei geht es auch um die Frage Brunnen oder Eiche?

Von Jürgen Drüke

Unmittelbar vor der Eiche ist der Brunnenfund während der Tiefbauarbeiten gemacht worden. Nun hat der Rat der Stadt Höxter nach mehr als einstündiger Diskussion den Brunnen-Kompromiss von Höxter hergestellt. Foto: Harald Iding

Nach fast einstündigem Austausch der Argumente und Vorschläge stimmen die Mitglieder der favorisierten Variante der Verwaltung zu. „Wenn wir den Brunnen freilegen und komplett aufmauern, müssen wir zwangsläufig die Eiche vor der Sparkasse aus Platzgründen entfernen und an anderer Stelle einen neuen Baum pflanzen“, hatte Baudezernentin Claudia Koch vorher erklärt. Eine Teilaufmauerung unter Bodenniveau und eine Abdeckung mit einer Stahlbetonplatte sei vor diesem Hintergrund ein tragfähiger Kompromiss.

„Der Brunnen kann mit Sandsteinpflaster oder Intarsien sichtbar gemacht und damit der historische Wert abgebildet werden“, so der Koch-Vorschlag. Damit würde der Baum erhalten bleiben. „Die Eiche hat noch mindestens 20 Jahre Lebenszeit, wollen wir sie nun fällen?“, fragte die Baudezernentin. Der Platz an der Ecke Grubestraße/Nicolaistraße sei zudem stark frequentiert. „Wir planen mit mehr Sitzgelegenheiten unter der Eiche.“ Sollte der Brunnen offen- und freigelegt werden, sei dieses Vorhaben nicht möglich.

Der 66-jährige Michael Hesse aus Ovenhausen ist für eine dauerhafte Öffnung des Brunnens mit einer starken Glasplatte. Vielleicht könne der Brunnen von innen beleuchtet werden. Der 66-jährige Michael Hesse aus Ovenhausen ist für eine dauerhafte Öffnung des Brunnens mit einer starken Glasplatte. Vielleicht könne der Brunnen von innen beleuchtet werden. Foto: Harald iding

FDP-Ratsmitglied Martin Kreuzer hatte vorher argumentiert: „Eine komplette Freilegung und Aufmauerung des Brunnens über den Bürgersteig hinaus könnte auf Dauer die Struktur der alten Brunnenanlage gefährden.“ Deshalb schlugen die Liberalen den Bau eines neuen Brunnens an selber Stelle vor. Am Baudenkmal des ursprünglichen Brunnens könne eine Plakette angebracht werden. „Eine Bereicherung für Höxter und ein neues Ziel für die Stadtführungen wird damit erreicht“, warb der FDP-Mann für diese Lösung.

CDU-Fraktionschef Günther Ludwig schlug vor, den FDP-Antrag in den Ortsausschuss zurückzuverweisen. „Wollen wir uns hier ernsthaft darüber unterhalten, ob ein Brunnen offengelegt wird und wir an einen Baum die Axt anlegen? Dieses Thema gehört in den Ortsausschuss von Höxter.“ Volker Bertram von den Grünen wies darauf hin, dass das Thema bereits in der letzten Ortsausschusssitzung auf der Agenda gestanden habe. Die Tiefbauarbeiten im Bereich Grubestraße/Nicolaistraße würden damit mindestens drei weitere Wochen unterbrochen.

Die Ratssitzung ist unterbrochen: SPD-Fraktionschef Günter Wittmann (links) und SPD-Fraktionschef Günther Ludwig. Foto: Jürgen Drüke

Verfüllung keine Option

SPD-Fraktionschef Günter Wittmann hatte sich den Argumenten von Baudezernentin Claudia Koch mit den Worten „Sie hätten es besser nicht auf den Punkt bringen können“ angeschlossen. BfH-Fraktionsvorsitzender Ralf Dohmann stellte heraus: „Es ist wichtig, dass wir den Brunnen sichtbar machen.“ Dieses solle auch für andere Brunnen-Baudenkmäler in Höxter, die noch nicht gekennzeichnet seien, geschehen.

Der Brunnen an der Ecke Nicolaistraße/Grubestraße gewährt tiefe Einblicke. Foto: Michael Robrecht

Die Verfüllung des Schachts, das war die erste Variante, wurde von keiner Fraktion in Erwägung gezogen. Die zweite Variante sah ein Aufmauern des Brunnens (15.000 Euro) mit einem Hochbeet am Baum und eine Hinweistafel vor. „Das ist umsetzbar, allerdings aufgrund der fehlenden Abstände zur Eiche zumindest fragwürdig“, gab die Baudezernentin zu bedenken. Die dritte Variante wäre die Aufmauerung des Brunnes und das Entfernen der Eiche gewesen. „Das würde Eingriffe ins Stadtgrün bedeuten“, warf Angelika Paterson für die Grünen ein. „Die Eiche vor der Sparkasse mit dem Hochbeet und den Sitzgelegenheiten bleiben uns erhalten“, zeigte sich Claudia Koch auch im Hinblick auf die Fortsetzung der Tiefbauarbeiten erleichtert. Die Landesgartenschau 2023 sei schließlich nicht mehr lange hin. „Es gibt einen tragfähigen Brunnen-Kompromiss.“

Eine Firma, die im Bereich der Ecke Grubestraße/Nicolaistraße mit Tiefbauarbeiten an einer Gasleitung beschäftigt war, hatte den alten und mächtig tiefen Brunnen am 24. Januar zutage gefördert.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Die Höxteraner Kommunalpolitik macht auf sich aufmerksam: Der Brunnenfund an der Ecke Nicolaistraße/Grubestraße sorgte dafür, dass im Rat mehr als eine Stunde diskutiert und das Pro und Contra ausgetauscht worden ist. Es gab auf CDU-Antrag sogar eine Unterbrechung der Sitzung. Der Brunnen und die Eiche nahmen mehr Zeit als die Haushaltseinbringung in Anspruch. Am Ende stand der Brunnen-Kompromiss.

Die sogenannte Variante vier der Verwaltung fand letztlich auch bei den Liberalen die Zustimmung. Ein Baum hätte gefällt werden müssen, damit die Wirkung des Brunnens zur Entfaltung gekommen wäre. Dieser Preis wäre zu hoch gewesen. Die Bürgerinnen und Bürger und die zahlreichen Touristen dürfen sich in der LGS-Stadt weiterhin auf eine Eiche, unter deren Baumkleid es in Zukunft noch mehr Sitzmöglichkeiten geben wird, freuen.

Der Brunnenfund vom 24. Januar 2022 hat damit für große Aufmerksamkeit gesorgt. Die heimische Lokalpolitik verschafft sich dank der FDP großen Anteil daran. Ein Antrag der Liberalen rief die Verwaltung und die heimischen Ratsfrauen und Ratsherren auf den Plan. Fast alle wollten etwas zum Fund und den Gestaltungsmöglichkeiten Ecke Nicolaistraße/Grubestraße sagen.

Eine Moral der Brunnenfund-Geschichte ist, dass ein altehrwürdiger Baum und ein alter (neuer) Brunnen nicht zusammenpassen. Claudia Koch hat in der Ratssitzung mit ihrem Vortrag sachlich und zusätzlich emotional überzeugt. Die Frau aus Horn-Bad Meinberg ist inzwischen fast fünf Jahre Baudezernentin in Höxter und über das Großprojekt LGS hinaus ein Motor für die Kreisstadt.

Die Brunnen-Diskussion offenbart zudem, dass 14 Monate vor der LGS, am 20. April 2023 ist Eröffnung, mit der Vorfreude auch Anspannung, Kreativität und Themenvielfalt wachsen.

Der Brunnen wird nun kenntlich gemacht und optisch in Szene gesetzt. Wie immer diese Lösung auch aussehen mag, Höxter hat mit dem zufälligen Fund in der Innenstadt hinzugewonnen. Ein unerwarteter Brunnenfund zeigt, die Höxteraner Politik kann Themen in Szene setzen.

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