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Vor 60 Jahren: Einzug des Pionierbataillons 7 in Höxter und Begrüßung der ersten Bundeswehr-Rekruten im Juli 1961

Höxteraner schätzen ihre Soldaten

Höxter

1961 ist als besonderes Jahr in die Geschichte eingegangen: Der Kalte Krieg war auf dem Höhepunkt, in Berlin wurde die Mauer gebaut, John F. Kennedy regierte als US-Präsident und Höxter war durch den Einzug des neu aufgestellten Pionierbataillons 7 wieder vollwertige Garnisonstadt mit einer eigenen großen Militäreinheit.

Von Michael Robrechtund

Ein sehr seltenes Foto aus der Höxteraner Kaserne. Die erste Rekruten kommen an: im Anzug und mit Koffer. An den Tischen müssen die Pioniere erste Formalitäten erledigen. Höxter ist jetzt seit 60 Jahren wieder fester Garnisonstandort. Foto: Repros Robrecht

Eine bedeutende Bundeswehr-Dienststelle in Höxter, das bereits seit 1675 ihren Soldaten eine exzellente „militärische Heimat“ geboten hat, das war für viele Höxteraner nach dem Krieg der „Hauptgewinn“. Viele fanden dort Arbeit. Das heutige ABC-Abwehrbataillon 7, das 1993 aus dem Pionierbataillon 7 hervorging, knüpft die Traditionslinie weiter. Die über Jahrhunderte gewachsene Verbundenheit zwischen Bürgern und Soldaten ist auch 2021 in der gegenseitigen Wertschätzung spürbar. Insbesondere die seit Jahrzehnten bestehenden Patenschaften zwischen Kompanien und den Orten Brakel, Beverungen, Brenkhausen, Boffzen und Albaxen füllen diese Verbundenheit mit Leben. Zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen zwischen Patenkompanien und Gemeinden haben einen festen Platz im Terminkalender und bilden Foren des zivil-militärischen Miteinanders.

Vor 60 Jahren: Pionierbataillon 7 zieht in Höxter ein Foto: Repros Robrecht
Vor 60 Jahren: Pionierbataillon 7 zieht in Höxter ein Foto: Repros Robrecht

Im Buch „Garnisonstadt Höxter“ von Autor Ernst Würzburger sind Einzelheiten über die lange Militärgeschichte von Höxter nachzulesen. So erfährt der Leser, dass am 16. November 1960 ein Oberfeldwebel und fünf Soldaten des Holzmindener Pionierbataillon 1 als Vorkommando nach Höxter in die 1936 gebaut General-Weber-Kaserne kamen. Dann stellte der damalige Kommandeur Joachim Lüdecke offiziell das Bataillon auf.

Vor 1945 gab es hier Wehrmachts-Pioniere, danach zogen Besatzungstruppen ein. Ein Panzergrenadierbataillon wurde Ende der 50er Jahre hier aufgestellt, dann kamen Pioniere, Panzerpioniere und viele Zivilangestellte der Bundeswehr.

Vor 60 Jahren: Pionierbataillon 7 zieht in Höxter ein Foto: Repros Robrecht

Die Begrüßung der Pioniere am 14. Juli 1961 ist nach dem Einmarsch mit Gerät durch die Stadt mit einem Appell am Luisenplatz sowie als Fest im Felsenkeller mit den Bürgern und im Offizierscasino gefeiert worden. Besondere Feierlichkeiten zum 60-Jährigen soll es nicht geben. Bei den Reservisten ist das Jubiläum ein Thema. In Holzminden wird 2021 das 65-jährige Bestehen des Panzerpionierbataillons begangen.

Ehemalige Rekruten blicken zurück

Vor 60 Jahren: Pionierbataillon 7 zieht in Höxter ein Foto: Repros Robrecht

Ehemaligentreffen gibt es in Höxters General-Weber-Kaserne viele: Fünf frühere Soldaten, alle Ende 70, führen einen besonderen Ehrentitel: „Wir sind die ersten Wehrpflichtigen von 1961.“ In jenem Jahr hat das neu gegründete Pionierbataillon 7 erstmals eigene Rekruten ausgebildet – und Udo Gemsjäger, Horst Grüne, Reinhold Busch, Reinhard Nicolaus und Josef Gude waren dabei. Sie haben „vor Corona“ dem WB einige Geschichten vom Bund in Höxter erzählt.

Die alten Kameraden von 1961 haben noch viele Erinnerungen parat: die Namen der Vorgesetzten wie des ersten Pionier​-Bataillonskommandeurs Oberstleutnant Joachim Lüdecke, die Namen von Fahrzeugen oder Panzern, Erinnerungen an Bierabende in den Pionierkneipen von Höxter, an die netten Schwesternschülerinnen von der WBK – aber auch die ständige Angst, aus dem Kalten Krieg mit Mauerbau am 13. August 1961 oder aus der Kuba-Krise 1962 könnte ein heißer Krieg mit Atomwaffen werden.

Pionierbataillon 7: Antreten mit Bürgermeisterin Dorothee Baumgarten. Foto: Repros Robrecht

Ehemalige, wie Reinhold Busch, berichteten, dass man so manchen Dienst und viele Manöver mit einem „mulmigen Gefühl“ angetreten habe. Eine Folge der unruhigen Zeit war für die jungen Männer vor genau 60 Jahren, als der Wehrdienst nicht wie geplant zwölf Monate, sondern plötzlich 18 Monate dauerte“, wie Gerd Süßmilch schilderte, der damals als Unteroffizier die Jungs ausbildete und der heute seinen Ruhestand an der Weser verbringt.

Süßmilch hat dem WESTFALEN-BLATT auch einige seltene Fotos aus dem ersten Jahr der Höxteraner Pioniere der jungen Bundesrepublik zur Verfügung gestellt. Die Ex-Pioniere erzählen zudem von den vielen Wach-Nächten in der Kaserne oder dem Dienst auf den Truppenübungsplätzen Bielenberg, Floßplatz oder Lüchtringen. Der Bielenberg gilt auch sechs Jahrzehnte später bei vielen noch als legendärer Ort, weil hier eine sehr strenge Grundausbildung ablief. 70 Euro Sold gab es damals als Wehrpflichtiger, und 22 Uhr war Zapfenstreich in der General-Weber-Kaserne Höxter.

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