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2G-Regelungen im Einzelhandel des Kreises Höxter – sinnvoll oder nicht?

„Ich hätte es mir nicht so gewünscht“

Kreis Höxter

Die künftigen 2G-Regelungen für den Einzelhandel sind im Kreis Höxter auf ein geteiltes Echo gestoßen. Das WESTFALEN-BLATT hat stellvertretend mit Jens Klingemann aus Höxter und Bernhard Fischer aus Brakel gesprochen.

Von Meike Oblau

Bernhard Fischer vom Herrenhaus Fischer in Brakel begrüßt die neue 2G-Regelung im Einzelhandel. Foto: Reinhold Budde/Archiv

Bernhard Fischer, Vorsitzender des Werberings Brakel und Inhaber des Modegeschäft Herrenhaus Fischer, begrüßt die 2G-Regelungen für den Einzelhandel: „Das ist eine gute Maßnahme, wir sind positiv eingestellt und sehen keine Probleme darin, die Kontrollen sicherzustellen.“ Die meisten Kunden verhielten sich bei den sich immer mal wieder ändernden Coronamaßnahmen sehr kooperativ, hat der Herrenausstatter beobachtet: „Ich habe inzwischen das Gefühl, dass der Großteil bereits geimpft ist.“ Da in seinem Geschäft Kunden ohnehin stets persönlich begrüßt würden, sei die 2G-Kontrolle in diesem Rahmen leicht umzusetzen: „Wir werden mit einem kleinen Plakat am Eingang darum bitten, den Nachweis unaufgefordert bereit zu halten, und ich denke, dass das in einem kleinen Ort wie Brakel gut klappt.“

Kunden, die sich derzeit aus Angst vor einer Ansteckungsgefahr nicht in den Laden trauen, könnten sich auch eine Auswahl an Kleidungsstücken nach Hause bringen lassen, sagt Bernhard Fischer. Von einer Bändchen-Lösung, wie sie unter anderem in Höxter umgesetzt werden soll (hier sollen Kunden im ersten Geschäft, das sie besuchen, ihren 2G-Nachweis vorzeigen und dann für den Besuch weiterer Geschäfte ein Armband erhalten), hält der Brakeler indes nichts: „Vielleicht hilft das in größeren Städten, aber wir wollen die Kunden nicht mit so einem Bändchen kennzeichnen.“

Kundenrückgang zunächst möglich

Möglicherweise sei in den ersten Tagen nach dem Inkrafttreten der neuen Landesverordnung erneut zunächst ein Kundenrückgang zu erwarten, so Bernhard Fischer: „Das beobachten wir aber immer, egal ob in der Bankenkrise, nach den Anschlägen vom 11. September oder jetzt in der Pandemie: Je schlechter die Nachrichten, desto seltener geht in den Tagen danach die Ladentür auf.“

Klingemann sieht Regelungen kritisch

Etwas kritischer sieht Jens Klingemann (Mode- und Sporthaus Klingemann) die künftigen Regelungen: „Ich hätte mir gewünscht, dass das nicht so kommt und kann es auch nicht nachvollziehen. Die Infektionen passieren nachgewiesenermaßen nicht im Handel. Laut Statistik gehen nur 0,9 Prozent aller Coronainfektionen auf Begegnungen im Einzelhandel zurück, und da ist auch der gesamte Lebensmitteleinzelhandel mit erfasst.“ Es seien in den vergangenen anderthalb Jahren bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt worden, um das Risiko bei Einkaufen zu minimieren, sagt Klingemann: „Es herrscht Maskenpflicht, wir haben Laufwege markiert, Desinfektionsmittel bereit gestellt, Spuckschutzwände aufgestellt und unsere Kunden haben auf 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche alle Möglichkeiten, Abstände einzuhalten.“

Ab Montag seien dann in seinem Geschäft vermutlich zwei Eingänge geöffnet: „Dort müssen wir dann Personal abstellen, das 2G kontrolliert“, schildert der Geschäftsführer. Dass die neue Regelung Kunden abschrecke, glaubt Jens Klingemann indes nicht: „Zum Beispiel aus der Gastronomie sind die Kunden es ja inzwischen gewöhnt. Für sie ist es eine Kleinigkeit, kurz das Handy oder den Impfpass zu zücken. Der Aufwand ist für die Kunden minimal, aber für die Händler kostenintensiv, weil wir extra für die Kontrollen Personal abstellen müssen.“

Dennoch hoffe er, dass die Kunden die Maßnahmen mittragen und den lokalen Handel gerade auch jetzt im Vorweihnachtsgeschäft stützen, statt online einzukaufen.

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