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Neue Stiko-Empfehlung sorgt für Verunsicherung 

Impfkommission verärgert Hausärzte

Berlin/Bad Lippspringe

Die radikale Abkehr der Ständigen Impfkommission (Stiko) von Astrazeneca als Zweitimpfstoff verärgert Hausärzte und Impfzentren gleichermaßen. Verunsicherte Patienten und neue Diskussionen gefährdeten die Impfkampagne.

Von Reinhard Brockmann

Erst Astrazeneca, dann ein mRNA-Impfstoff: Die Stiko rät aktuell zur Kreuzimpfung gegen Covid-19. Foto: Ole Spata/dpa

Stiko-Chef Thomas Mertens hatte überraschend zur so genannten Kreuzimpfung geraten. Danach sollen Menschen, die eine erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, jetzt unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna erhalten.

Zur Begründung nannte er die Delta-Variante. In NRW sind derzeit 104 Fälle nachgewiesen, 269 weitere werden vermutet. Dagegen hält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Datenlage aktuell für „nicht ausreichend“. Sie gibt derzeit noch keine Empfehlung für Impfstoffkombinationen. Selbst Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich am Freitag in Berlin noch unentschieden. Impflinge könnten sich auch weiterhin für eine Zweitimpfung mit Astrazeneca entscheiden. Auch die zweifache Impfung damit sei wirksam und sicher.

Hausarzt: „Astrazeneca ist tot“

„Astrazeneca ist tot“, sagt dagegen der Hausarzt Dr. Peter Brackmann aus Bad Lippspringe (Kreis Paderborn) und verweist auf die anhaltende Verunsicherung durch Politik und Gesundheitsbürokratie. „Wir werden womöglich 700 Dosen Astra wegwerfen müssen. Die Stiko ahnt ja gar nicht, was der Schlingerkurs für die Praxis bedeutet.“

Problematisch neben dem Nichterscheinen angemeldeter Impflinge sei nach wie vor die große Unsicherheit bei den tatsächlich gelieferten Vakzinen, beklagt Ulrich Weigeldt, Chef des Hausärzteverbandes: „Wir brauchen weiter mehr Impfstoff und verlässliche Zusagen bei Lieferungen.“

Bestellte Menge soll geliefert werden

Andreas Gassen, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, erwartet, dass Hausärzte nächste Woche zum allerersten Mal die Menge Impfstoff geliefert bekommen, die sie bestellt haben. Bundesweit seien das 2,3 Millionen Dosen. Der Anteil von Astrazeneca beträgt dabei 325.000 Dosen, obwohl 1,1 Millionen bereitstünden.

Das bestätigt auch Hausarzt Dr. Brackmann: „Bislang war alles ein Glücksspiel, mal gab es nur die Hälfte, mal fast gar nichts.“ In der kommenden Woche erhält die Praxis mehr Impfstoff als bestellt: 1270 Dosen Biontech und 400 Dosen Astrazeneca.

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