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Kindertagesstätte soll 2023 im Kloster der Salzkottener Franziskanerinnen ihren Betrieb aufnehmen

Ins Mutterhaus ziehen Kinder ein

Salzkotten

Schwester M. Angela Benoit strahlt. „Die beiden hat uns der Himmel geschickt“, sagt die Provinzoberin der Salzkottener Franziskanerinnen zu Marlen Karthaus (32) und Elke Michaelis (48) gewandt. Mehr als zwei Jahre hatten die Franziskanerinnen nach einer Möglichkeit gesucht, wie sie eine der ureigensten Aufgaben ihrer Kongregation – die Betreuung von Kindern – wieder in das Ordensleben einbinden können.

Von Marion Neesen

Marlen Karthaus, Elke Michaelis, Schwester M. Angela Benoit und Andreas Cramer (von links) wollen Generationen unter dem Klosterdach vereinen.Marlen Karthaus, Marlen Karthaus, Foto: Marion NeesenMarion Neesen

„Wir hatten schon aufgegeben, doch dann haben die beiden an die Tür geklopft und uns ein fertiges Konzept vorgestellt“, ist Schwester Benoit begeistert. Die Erzieherinnen Marlen Karthaus und Elke Michaelis haben den Verein „Vereinen“ gegründet und wollen im Mutterhaus eine intergenerative Kita aufbauen. Jung und Alt sollen hier unter einem Dach ganz unkompliziert zueinander finden – so, wie es früher in den Familien war.

Die Mitarbeiterinnen einer Salzkottener Kindertageseinrichtung haben sich viel mit intergenerativer Arbeit beschäftigt und festgestellt, dass diese sowohl bei Kindern als auch bei Senioren gut ankommt. Knackpunkt sei aber immer, dass die Begegnungen zwischen den Generationen auf wenige Termine beschränkt seien, sich so keine echten Bindungen ergeben konnten. „So entstand der Wunsch nach einer Einrichtung, in der das intergenerative Konzept unter einem Dach dauerhaft gelebt werden kann“, berichtet Marlen Karthaus. Bei den Franziskanerinnen wurden sie mit offenen Armen empfangen.

Im Erdgeschoss des Mutterhauses haben die Schwestern auf rund 400 Quadratmetern Platz genug für alle Anforderungen an eine Kita. Die Franziskanerinnen nutzen die gesamte Fläche meist für größere Zusammenkünfte. Doch können mit den vorhandenen mobilen Wänden aus einem fünf Räume gemacht werden. „Einige Umbauarbeiten sind notwendig, doch insgesamt sind die Räumlichkeiten ideal“, sagt der Verwaltungsdirektor der Schwestern, Andreas Cramer. Begeistert sind die Erzieherinnen vor allem auch vom großen Garten des Klosters. „Wenn die Kinder draußen spielen, können die Bewohnerinnen und Bewohner der Altenpflegeeinrichtungen und des Mutterhauses leicht ins Gespräch kommen“, freut sich Elke Michaelis auf die Arbeit, die sich aber ausdrücklich auf alle Generationen beziehen soll.

Das intergenerative Konzept umfasst gemeinsame Projekte, Ausflüge, Bastelstunden, oder auch ein bisschen Sport und Vorlesestunden. Gemeinsamkeiten im Tagesablauf wie etwa das gemeinsame Mittagessen sind der Wunsch. Familienalltag eben.

„Wir freuen uns auf das Leben, das in unser Haus einzieht“, sagt Schwester M. Benoit. Sie weiß, dass beide Seiten, Jung und Alt, davon profitieren. Ebenso sieht sie eine Wertschätzung der älteren Generation darin, wenn deren Erfahrungen und Wissen in der Begegnung mit Kindern gefragt sind.

„Wir müssen wieder lernen, mehr miteinander zu tun zu haben, etwa gemeinsam beim Essen am Tisch zu sitzen, den Tisch zu decken und wieder abzuräumen. Davon ist viel verloren gegangenen“, sagt die Ordensfrau. „Viele Kinder wachsen heute ohne Großeltern auf“, bedauert Schwester Benoit. „Mittlerweile kommt niemand mehr um den demografischen Wandel und Veränderungen in der Familienstruktur herum“, ergänzen die Kindergartengründerinnen, „eine ursprüngliche, generationsübergreifende Form der Weitergabe von Einstellungen, Werten und Erfahrungen möchten wir mit diesem Konzept unterstützen.“ Während Kinder immer weniger regelmäßigen Kontakt mit älteren Menschen hätten, verlören umgekehrt auch Ältere mehr und mehr den Kontakt zu Kindern. „Genau das verhindern wir durch eine Generationsbrücke“, sagt Elke Michaelis.

„Unser Orden verändert sich, wir werden immer weniger Schwestern. Derzeit leben 40 im Mutterhaus und 18 im Altenheim, es waren einmal 800. Inzwischen fragen wir nicht mehr nur danach, was können wir für die Menschen tun, sondern auch wie wir etwas miteinander machen können“, erläutert die Provinzoberin die Veränderungen im Kloster. Und auch die Initiatorinnen wünschen sich, dass sich Partnerschaften generationenübergreifend herauskristallisieren. Diese Idee findet Ausdruck im Vereinsnamen „Vereinen“, der Träger der geplanten Einrichtung sein wird und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband angeschlossen ist.

Wenn alles glatt läuft, sollen die Kinder schon im Januar 2023, 48 Jahre nachdem der Kindergarten im Mutterhaus aufgegeben wurde, in die neue Kita einziehen.

Offen für alle

Die neue Kindertagesstätte wird offen für alle Interessierten ungeachtet der Konfession sein, auch die Aufnahme von Kindern mit Einschränkungen soll möglich sein. Beantragt sind eine Gruppe für zehn Kinder unter drei Jahren und eine weitere Gruppe für Drei- bis Sechsjährige mit 22 Plätzen. Die Eröffnung ist für Januar 2023 geplant.

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