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Konfliktfreudig: Wirtschaftsgespräch zur Bundestagswahl in der Industrie- und Handelskammer

„Ja zum kostenfreien Meisterbrief“

Paderborn

Der kostenfreie Meisterbrief, eine bessere Ausbildung für Migranten, mehr Tempo bei der Digitalisierung, eine Staatsreform zum Abbau von Bürokratie und intelligente Lösungen für die Mobilität: Konfliktfreudig, kontrovers und hin und wieder dann doch in der Zielsetzung einig waren sich die Teilnehmer des Wirtschaftsgesprächs zur Bundestagswahl in der IHK Paderborn + Höxter.

Von Ingo Schmitz

IHK-Chef Jürgen Behlke (links) moderierte die Fragen der per Livestream zugeschalteten Zuschauer. Den Fragen stellten sich (von links) Reinhard Borgmeier, Carsten Linnemann, Burkhard Blienert, Michael Hadaschik und Jörg Schlüter. Rechts: Tobias Fenneker. Foto: Ingo Schmitz

Es lieferte nicht nur Antworten auf drängende Fragen der Unternehmer aus Industrie, Handel und Handwerk. Die Talkrunde, die live übertragen wurde, hatte auch Unterhaltungswert.

Auf dem Podium standen die Bundestagskandidaten Carsten Linnemann (CDU), Burkhard Blienert (SPD) und Jörg Schlüter (Grüne). Martina Schu (Linke) und Roze Özmen (FDP) waren verhindert und wurden durch Reinhard Borgmeier (Linke) und Dr. Michael Hadaschik (FDP) vertreten. Zugeschaltet wurden die Kandidaten aus dem Wahlkreis Höxter. Christian Haase (CDU), Uli Kros (SPD), Tanja Kuffner (FDP) und Nik Riesmeier (Grüne) gaben kurze Statements per Video ab. Von der AfD habe es keine Rückmeldung auf die Einladung gegeben, klärte Moderator Tobias Fenneker (Radio Hochstift) das Publikum auf.

Der bereits jetzt sichtbare Fachkräftemangel ist eines der drängendsten Probleme der Unternehmen. Einigkeit herrschte bei den Kandidaten für den Bundestag darüber, dass die Duale Ausbildung weiter gefördert werden müsse. „Kinder brauchen Vorbilder. Daher brauchen wir ein verpflichtendes Praktikum im Handwerk“, sagte Linnemann, der darauf setzt, dass auf diesem Wege Talente entdeckt werden können. Er sprach sich auch im Sozial- sowie im akademischen Bereich für Pflichtpraktika aus.

Jörg Schlüter stimmte zu: „Ich stehe für eine praxisorientierte Schulausbildung.“ Zudem halte er es für notwendig, dass im Ausland absolvierte Abschlüsse schnellstmöglich überprüft und anerkannt würden, damit diese Personen für den Arbeitsmarkt rekrutiert werden könnten. Burkhard Blienert sprach sich für bessere Ausbildungsvergütungen sowie eine Ausbildungsabgabe für die Betriebe aus, die keine Lehrlinge haben. Linnemann hielt entgegen: „Vielleicht spreche ich mit den falschen Firmen. Aber ich bekomme stets signalisiert, dass es nicht genug Bewerber gibt.“ Linnemann lehnte eine Bestrafung der Firmen ab. Dr. Hadaschik sprach sich dafür aus, vor allem die Branchen zu unterstützen, deren Transformationsbedarf besonders groß sei – zum Beispiel im Automobilsektor.

Streitthema Schuldenbremse

Gestritten wurde über die vor Jahren beschlossene Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Während Linnemann die Entscheidung bedauerte, erklärten die anderen Diskussionspartner, dass man das jetzige System beibehalten solle. Borgmeier: „Alles andere wäre ein Rückschritt.“

Zum Streitthema wurde auch die Schuldenbremse. Der CDU-Bundestagsabgeordnete sprach sich dafür aus, Steuern nicht zu erhöhen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Politik immer erfinderischer beim Geldausgeben werde.

Der Grünen-Kandidat hielt entgegen, dass der Staat Investitionen tätigen müsse, mit denen „man Geld verdienen“ könne. Auch beim Thema Mobilität gingen die Meinungen auseinander. Während die Grünen auf den Ausbau der Schiene und des ÖPNV sowie auf E-Autos und Fahrräder setzen, äußerte Burkhard Blienert Zweifel, ob sich alle Bürger die E-Mobilität leisten könnten. Er bezeichnete es zudem als ein falsches Signal, dass der Padersprinter das Modellprojekt „kostenfreies Busfahren am ersten Samstag im Monat“ im kommenden Sommer beenden werde. Stattdessen müsse das Busfahren an jedem Samstag im gesamten Kreisgebiet kostenlos sein, so der SPD-Mann. Linnemann hielt mit Innovationen „made in Paderborn“ dagegen. Er verwies auf ein Forschungsprojekt der Uni, bei dem überschüssige Energie aus Windkraft zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt werden soll. „Das ist neue Mobilität“, betonte er und forderte noch mehr Mut zur Schaffung von Modellregionen.

Das Publikum diskutierte per Chat eifrig mit. Am Ende gab es Beifall für die Teilnehmer, die sich wacker geschlagen haben. Wer die Debatte selbst verfolgen will, wird hier fündig:

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