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Forscher aus Paderborn, Bonn und Wolverhampton entdecken neue Schlangenart

Jetzt gibt es die Timor-Schiefernatter

Paderborn

Sie ist 80 Zentimeter lang und auf der Insel Timor im Indischen Ozean beheimatet: Ein internationales Forscherteam aus Paderborn, Bonn sowie Wolverhampton hat eine neue Schlangenart beschrieben und auf den Namen Stegonotus nancuro, Timor-Schiefernatter, getauft.

Die Timor-Schiefernatter. Foto: Mark O’Shea

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Zootaxa“ veröffentlicht. Auf den ersten Blick ist  die Timor-Schiefernatter kaum von ihren Verwandten zu unterscheiden. Erst die genauere Betrachtung zeigt, dass sich das Tier durch die Anzahl und Ausprägung seiner Schuppen von anderen Schiefernattern unterscheidet.

Die Insel Timor, auf der die neue Schlange lebt, liegt nördlich von Australien im Indischen Ozean und ist zweigeteilt: der westliche Teil gehört zu Indonesien, der östliche Abschnitt bildet die Demokratische Republik Timor-Leste, die auch als Osttimor bekannt ist. Dr. Sven Mecke vom Naturkundemuseum Paderborn und sein Team haben die neue Art auf einer Expedition nach Timor-Leste entdeckt. Dort kommt sie ausschließlich entlang eines Küstenstreifens vor, der von den Einheimischen als „Nancuro“ bezeichnet wird. Nach dieser Gegend ist die neue Art nun benannt worden.

Friedensnobelpreisträger schlägt Namen vor

Den Namen vorgeschlagen hat der große Naturfreund, ehemalige Staatspräsident sowie Premier- und Außenminister Timor-Lestes, José Ramos-Horta. Das Forscherteam hat Ramos-Horta die Beschreibung der neuen Art außerdem anlässlich eines Jubiläums gewidmet, denn vor 25 Jahren hat er für seine Bemühungen, eine friedliche Lösung im Osttimorkonflikt zu finden, den Friedensnobelpreis erhalten.

Timor-Leste ist laut Dr. Sven Mecke im Vergleich zu vielen anderen tropischen Regionen bisher nicht besonders gut untersucht. „Zahlreiche weiterer unbekannte Arten aus Timor warten noch auf ihre wissenschaftliche Beschreibung“, sagt der Zoologe. Auf Timor herrscht ein tropisches Klima und die Fauna ist sehr artenreich. Allerdings sind bisher erst vier Individuen von Stegonotus nancuro bekannt, was darauf hindeutet, dass es sich bei dieser Schlange um eine gefährdete Art handeln könnte. Ihr Verbreitungsgebiet ist sehr klein, und die Anforderungen an ihren Lebensraum, den Küstenregenwald, sind sehr spezifisch. Die Timor-Schiefernatter fehlt im monotonen Gras- und Buschland, das den Regenwald umgibt. „Von der neuen Art gibt es vermutlich nur ein paar hundert Tiere“, sagt Prof. Dr. Hinrich Kaiser vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn.

Über die Lebensweise ist nicht viel bekannt

Über die Lebensweise der neuen Art ist kaum etwas bekannt. Vermutlich ernährt sich diese nachtaktive Schlange, wie verwandte Arten auch, von Kaulquappen, Fröschen sowie Reptilien und deren Eiern. Den Tag verbringen die Tiere meist schlafend unter umgestürzten Baumstämmen. „Schiefernattern sind zwar recht friedlich, können aber auch sehr schmerzhaft zubeißen“, berichtet Prof. Dr. Mark O’Shea von der University of Wolverhampton in Großbritannien aus eigener Erfahrung.

„Es war erstaunlich, dass sich diese Inseltiere beim näheren Hinschauen von anderen Populationen deutlich unterschieden“, erklärt Dr. Mecke. Prof. Kaiser ergänzt „Die Entdeckung einer neuen Art ist ein bedeutendes Ereignis in der Wissenschaft.“ Es kommt allerdings immer wieder vor, dass neue Arten beschrieben werden. So waren Kaiser und Mecke im letzten Jahr an der Beschreibung einer neuen Walzenschlange aus Myanmar beteiligt.

Hotspots der Biodiversität

Timor und Myanmar haben übrigens etwas gemeinsam: Sie sind bekannt für ihre außergewöhnliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten und werden deshalb auch als sogenannte „Biodiversitäts-Hotspots“ bezeichnet. In solchen Hotspots der Artenvielfalt werden häufig fantastische Tierwesen entdeckt: Mini-Frösche, Drachen-Echsen, flauschige Fledermäuse und selbst neue Menschenaffen. Nur durch die Beschreibung neuer Tierarten ist es möglich, deren Einzigartigkeit hervorzuheben und sie in Zukunft zu schützen. „Wir hoffen sehr stark und werden uns auch dafür einsetzen, dass die neue Schlangenart aus Timor-Leste als einzigartige Spezies adäquat geschützt wird“ resümiert Prof. O‘Shea.

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