1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Roland Kaiser in Halle/Westfalen: So war das Konzert

  6. >

Party-Stimmung mit 7300 Fans in der OWL-Arena - aber nicht restlos überzeugend

So war das Konzert von Roland Kaiser in Halle/Westfalen

Halle

Sitzplätze wären für die meisten der 7300 Fans in der ausverkauften Haller OWL-Arena nicht nötig gewesen. Zweieinhalb Stunden huldigen sie Roland Kaiser selbstverständlich im Stehen – restlos überzeugen kann die deutsche Schlagerikone allerdings nicht.

Von Sören Voss

Der Grandseigneur des Deutschen Schlagers: Roland Kaiser hat seine 7300 Fans in der ausverkauften OWL-Arena fest im Griff. Foto: Sören Voss

„Der Kaiser“ ist ein Phänomen. Beim bisher letzten Konzert in Halle hat Roland Kaiser 2005 nur 1.100 Besucher ins Eventcenter gelockt, 2006 trat der Schlagersänger in Halle noch einmal auf, als Pausenfüller im Rahmen des Tennisturniers.

Beides wäre jetzt undenkbar. Wie selbstverständlich dominiert sein aktuelles Album „Perspektiven“ die Charts, in Scharen pilgern Fans zu den Konzerten. Am Freitag waren alle 50.000 Tickets für die „Kaisermania 2023“ in Dresden innerhalb von vier Stunden komplett verkauft und auch in Halle gibt es Karten höchstens noch auf dem Schwarzmarkt.

Würden die Fans jeden Preis bezahlen?

Wenn man die – vorwiegend weiblichen – Hardcore-Fans in den ersten Reihen beobachtet, würden sie vermutlich jeden Preis für ein Konzert-Date mit dem Kaiser bezahlen. Sie tragen LED-Kränze im Haar und reflektierende Paillettenkleider am Körper, singen lautstark und tanzen enthusiastisch.

„Es ist okay“, stellt Roland Kaiser in seinem ersten Song fest. Für die Sound-Abmischung gilt das in der Arena aber leider nicht überall. Roland Kaisers tiefe Stimme überfrachtet häufig die Band, so dass die Qualitäten der elf Musiker und der beiden Background-Sängerinnen zu wenig zur Geltung kommen.

Bombastische Show: Unterstützt von 11 Instrumentalisten, 2 Background-Sängerinnen und einer aufwendigen Lichtshow hat Roland Kaiser die Fans in Halle verzaubert.  Foto: Sören Voss

Seit 47 Jahren auf der Bühne

Den Fans geht es aber ohnehin nur um ihren Kaiser. Dieser könnte mit 70 Jahren, davon 47 auf der Bühne, eigentlich längst seinen Ruhestand genießen, hat bei der Geburtstagstournee mit mehr als 30 Stationen aber weiterhin sichtlich Spaß daran, sein Publikum in einen Ausnahmezustand zu versetzen. Eine kleine Handbewegung – und die Masse rastet aus. Der Mann im schicken schwarzen dreiteiligen Anzug mit rotem Einstecktuch und in edlen Lackschuhen hat seine Fans im Griff. Wenn er von der einen zur anderen Bühnenseite schreitet, um die Zuschauerinnen mit Handkuss zu grüßen, merkt man dem Grandseigneur des Deutschen Schlagers sein Alter zwar an. Beeindruckend häufig demonstriert er aber auch, dass der flinke Hüftschwung noch funktioniert. Dafür verzeiht das Publikum auch gerne, wenn speziell die hohen Töne mal nicht so sitzen oder ein Texthänger weggelächelt wird.

Die Show ist mit aufwändigen Lichteffekten in allen erdenklichen Farben und riesigen LED-Leinwänden bombastisch. Aber eben auch minutiös durchchoreographiert, spontane Freiräume gibt es praktisch keine. Die Moderationen sind wortwörtlich auf dem vor ihm stehenden Monitor vorformuliert und wirken teilweise uninspiriert vorgetragen, so dass keine durchgehende Verbindung zwischen Star und Publikum entsteht.

Daneben gibt es natürlich auch viele Momente, in denen die Arena tobt. „Santa Maria“, der Klassiker von 1980, ist der Höhepunkt des ersten Sets, das mit „Liebe kann uns retten“, unzähligen weißen Taschentüchern und ebenso vielen Handylichtern ausklingt. Die zweite Konzerthälfte hat mehr Abwechslung und mehr musikalisches Tempo. „Wir sind hier, wir sind nicht allein. Wir werden heute unsterblich sein. Jetzt ist Zeit für Unendlichkeit“, singt der Kaiser.

Kaiser kokettiert mit seinem Image als Frauenheld

Phrasenhafte Texte bleiben eben am besten hängen, ebenso wie Anzüglichkeiten und Frivolitäten. In „Du, deine Freundin und ich“ geht’s um eine Nacht zu dritt, Kaiser kokettiert mit seinem Image als Frauenheld. Und vielleicht ist es genau das, was die vom Kaiser-Virus infizierten Fans so lieben. Sie lassen sich, und dabei ist das Alter recht bunt gemischt, aus ihrem Alltag in die Schlagerwelt rund um Liebe, Lust und Leidenschaft entführen.

Mit dem Hit-Quartett „Joana“, „Warum hast du nicht nein gesagt“, „Ich glaub, es geht schon wieder los“ und „Schachmatt“ erreicht die durchdachte Spannungskurve ihren Höhepunkt. Spätestens jetzt merkt jeder: Hier steht eine lebende Legende auf der Bühne. „Bis zum nächsten Mal“, singt Kaiser als letzten von mehr als 30 Songs und verspricht damit nicht zu viel. Ende August kommt er wieder in die OWL-Arena. Dann gibt es im Innenraum übrigens auch Stehplätze.

Startseite
ANZEIGE