1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Keine Beweise: Vater freigesprochen

  6. >

Landgericht Paderborn: Verurteilter Sexualstraftäter sollte Tochter missbraucht haben

Keine Beweise: Vater freigesprochen

Paderborn

Reicht es für eine Verurteilung aus, eine schlüssige Geschichte zu erzählen und einen mutmaßlichen notorischen Täter zu haben? Das Landgericht Paderborn meint: nein. Die 1. große Strafkammer hat am Dienstag einen 48-Jährigen freigesprochen, der seine Tochter als Kind sexuell missbraucht haben sollte.

Von Ulrich Pfaff

Justizia ist das Symbol für Gerechtigkeit und Rechtspflege. Foto: dpa

Zu groß waren für die Richter die Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Die Tat sollte sich in der Wohnung des 48-Jährigen in einem Paderborner Ortsteil abgespielt haben, als die heute 20 Jahre alte Tochter noch ein Kind war. In der Badewanne sollte der Vater das Mädchen massiv sexuell missbraucht haben – aber die Anzeige erfolgte erst im Sommer 2020, nachdem der Paderborner bereits zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren wegen sexueller Übergriffe auf andere Kinder ins Gefängnis musste.

Der Angeklagte schwieg bis zuletzt zu dem Vorwurf. Letztlich blieben zu viele Unklarheiten nach der dreitägigen Beweisaufnahme. Zum einen ging es um die Örtlichkeit, die nach Erinnerung des mutmaßlichen Opfers kein Fenster aufwies – an der Anschrift, an der sich alles abgespielt haben sollte, verfügt das Badezimmer jedoch über ein Fenster.

Noch problematischer war die Feststellung eines möglichen Tatzeitpunkts: Die Anklage war vom Jahr 2009 ausgegangen, jedoch konnte die Vernehmung der 20-Jährigen vor Gericht dies nicht nachweisen – nicht zuletzt, weil der Angeklagte schon 2005 an der Tatortadresse ausgezogen war.

Oberstaatsanwalt Christoph Zielke hielt es dennoch für erwiesen, dass der 48-Jährige die Tat begangen hatte und forderte viereinhalb Jahre Haft. Verteidiger Martin Mauntel zerpflückte die Argumentation der Anklage jedoch, vor allem hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der mutmaßlich Geschädigten. Er fühle sich insbesondere aufgrund der erneuten Vernehmung der Mutter der 20-Jährigen in seiner Ansicht bestärkt, dass hier eine falsche Erinnerung vorliege, sagte Mauntel.

Der Blutfleck in der Unterwäsche des Kindes, der die ganze Sache ausgelöst hatte, sei immer wieder gegenüber dem Kind thematisiert worden – der Verdacht gegen den Vater sei erst durch beharrliches Nachfragen der Mutter entstanden. Und der Missbrauchsvorwurf sei „eine willkommene Ausrede gewesen, Probleme mit dem Kind, die es zuhauf gab, auf diesen Vorfall zu schieben“.

Die Kammer erkannte auf den von der Verteidigung beantragten Freispruch: Zweifel an der Schuld des Angeklagten seien nicht auszuräumen.

Startseite