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Lübbecker Initiative pro Fahrrad will sich für familienfreundlichen Verkehr einsetzen

Kinder erradeln sich die Stadt

Lübbecke

Zum siebten Mal haben sich an einem frühen Freitagabend in Lübbecke Autofahrer etwas mehr Geduld als üblich üben müssen. Knapp 40 Radfahrerinnen und Radfahrer fuhren Ende Januar eine Dreiviertelstunde lang mit Beleuchtung und Musik durch die Lübbecker Innenstadt und zentrale Wohngebiete. „Critical Mass“ nennen sich diese Aktionen auf Rädern, die nicht nur überall in Deutschland, sondern auch weltweit, üblicherweise am letzten Freitag im Monat stattfinden.

„4. Kidical Mass“ in Bielefeld: Ein solches Rudelradeln für Kinder soll es auch in Lübbecke geben. Foto: Klaus Feurich, Kinderaufsrad.org

In Lübbecke ruft die Initiative pro Fahrrad seit 2019 bislang unregelmäßig zu Critical Masses, auch unter dem Namen Rudelradeln, auf. Sobald die Inzidenzzahlen sinken, will die Initiative jedoch auf eine monatliche Ausrichtung umstellen, geben die Organisatoren jetzt bekannt. Es bleibt bei freitagabends, 18 Uhr, ab Markt/Burgmannshof. Start für den monatlichen Rhythmus soll, wenn Corona nicht im Wege steht, der letzte Freitag im März sein: 25. März.

„Die Critical Mass hat sich mittlerweile etabliert“ erklärt Petra Spona, Sprecherin der Initiative pro Fahrrad. „Durch eine regelmäßige Durchführung können wir noch häufiger darauf aufmerksam machen, dass Radfahrerinnen und Radfahrer Teil des Verkehrs sind und auch gleichberechtigt berücksichtigt gehören.“

Die Initiative pro Fahrrad macht seit gut zwei Jahren immer wieder auf Missstände aus der Perspektive von Radfahrern in Lübbecke aufmerksam. Im Fokus steht dabei der Alltagsradverkehr. „Wir wollen, dass Lübbecke zukünftig mal mit dem Slogan ‚Fahrradstadt am Wiehengebirge‘ werben kann“, erklärt Petra Spona. Bis dahin gebe es aber noch viel zu tun, stellt sie fest, denn „wie fahrradfreundlich eine Stadt ist, macht sich vor allem daran fest, wie gefahrlos und stressfrei sich Kinder und Familien mit dem Rad durch die Stadt bewegen können“.

Das sehen auch Gesa und Malte Niedringhaus so, die sich deshalb der Initiative angeschlossen haben. Da das Paar fast ausschließlich mit dem Rad unterwegs ist, oft per Lastenrad und mit der dreijährigen Tochter Hedi, sind ihnen die Probleme, die Radfahrer und insbesondere Kinder mit Zweirädern in Lübbecke haben, nur zu gut bekannt. „Viele Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll“, beobachtet Gesa Niedringhaus. „Doch es kommt leider regelmäßig vor, dass Überholabstände nicht eingehalten werden oder ich geschnitten werde. Das ist sehr unangenehm, besonders, wenn vorne meine Tochter mitfährt. Da rutscht einem das Herz richtig in die Hose!“ Auch ihr Mann sieht Verbesserungsbedarf. „Das Interesse, mit Kindern Fahrrad zu fahren, ist bei vielen Familien vorhanden, doch es fehlen in Lübbecke einfach fahrradfreundliche Achsen, die sichere Wege zu den Schulen und Kitas ermöglichen“, erklärt er. „Häufig hören Fahrradwege oder Schutzstreifen direkt vor Gefahrenstellen oder Kreuzungen auf.“ Das schrecke Radfahrer ab und verunsichere, ist Niedringhaus überzeugt.

Stadtverkehr ist Radverkehr. Gesa Niedringhaus mit Lastenrad und Tochter Hedi auf dem Niederwall. Foto: IpF/Malte Niedringhaus

Die Initiative hat daher beschlossen, sich in diesem Jahr dem bundesweiten Aktionsbündnis „Kinder aufs Rad“ anzuschließen. Im Mai und im September soll jeweils in möglichst vielen Städten bundesweit eine „Kidical Mass“ durchgeführt werden, also eine „Critical Mass“ speziell für Kinder (englisch „kids“) und Familien. „Es soll ein großes buntes Fahrradfest für alle Generationen und vor allem für Kinder werden, mit viel Spaß und Begeisterung bei der Ausfahrt. Vor allem soll es eine Utopie erlebbar machen: die Utopie einer fahrradfreundlichen Stadt, in der Kinder gefahrlos auf den Straßen fahren können“, schwärmt Petra Spona. Interessierte Pädagoginnen und Pädagogen sowie Erzieherinnen und Erzieher aus Kitas und Schulen können sich gerne per E-Mail über info@pro-fahrrad-lk.de an die Initiative wenden.

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