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Bürgerinitiative untermauert Kritik am Transportgutachten der BGZ

Klage nicht ausgeschlossen

Würgassen

Das Heft des Handelns sieht Dirk Wilhelm, Vorsitzender der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck, jetzt in Händen der neuen Bundesumweltministerin Steffi Lemke. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein grünes Umweltministerium weiter die schützende Hand über die BGZ hält“, sagte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in der Beverunger Stadthalle.

Von Alexandra Rüther

Der Bahnanschluss ist aus Sicht der BGZ ein Alleinstellungsmerkmal, das Würgassen hat. Foto: Sabine Robrecht

Die Transportstudie, die die BGZ in der vergangenen Woche vorgestellt hat, bezeichnete er als mangelhaft. Hier hieß es, dass die Lkw-Fahrten von und zum geplanten Bereitstellungslager in Würgassen kein Problem darstellten.

„Warum aber wurde nur ein Radius von 25 Kilometern untersucht und nicht bis zu den rettenden Autobahnen geguckt?“, fragt Wilhelm. Jeder in der Region wisse, dass erst ab da der Verkehr wirklich rolle. Diese Anbindungspunkte seien 38 bis 60 Kilometer entfernt. Und wären sie mit eingeflossen, sei auch etwa eine Engstelle in Kammerborn zu berücksichtigen gewesen oder das 17-prozentige Gefälle am Ith. „Und warum wurde die B83 ab Kassel ganz außen vor gelassen?“, fragt Wilhelm weiter. Denn anstelle von Kassel als Autobahnabfahrt von der A44 wird in der Transportstudie der BGZ die Abfahrt Hann. Münden/Hedemünden untersucht, obwohl die Strecke weiter sei. „Da will man es sich wohl mit den vielen Menschen in Kassel nicht verderben“, vermutet Wilhelm. Und wenn man diesen Umweg denn in Kauf nehme, hätte in der Transportstudie berücksichtigt werden müssen, dass die Weserbrücke in Hann. Münden baufällig sei und durch einen Neubau ersetzt werden müsse.

Dirk Wilhelm, Vorsitzender der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck, fordert einen sofortigen Planungsstopp. Foto: Alexandra Rüther

2009 sei für das einzige genehmigte Endlager Konrad, das dezentral angefahren werden sollte – so damals die Pläne –, eine Transportstudie erstellt worden, die einen Radius von 25 Kilometer um Konrad herum berücksichtigte. „Und in Würgassen meint die BGZ jetzt, diese Transportstudie 1:1 übernehmen zu können. Das geht aber nicht. Würgassen hat gar nicht die Infrastruktur. Hier gibt es keine Umgehungsstraßen und Autobahnen, hier fährt der Atommüll 3,50 Meter an der Pizzeria vorbei und wird in Bahnhöfen geparkt.“ Denn, so die wiederholte Kritik der BI, die Streckenführung um den Standort Würgassen, sei bekanntermaßen eingleisig. Die Entsorgungskommission fordert aber als wesentliches Kriterium: „Der Standort muss an einer zweigleisigen Bahnstrecke liegen und möglichst aus mehr als einer Richtung erreichbar sein.“ Das ignoriere die BGZ genauso wie den nicht ausreichend gegebenen Abstand zur Wohnbebauung, die geologischen Probleme und die Hochwassergefahr.

Warten auf das Logistikgutachten

Wilhelm fordert von der BGZ einen sofortigen Planungsstopp, bis im Sommer das Logistikgutachten vorliegt, das von den Ländern NRW und Niedersachsen in Auftrag gegeben wurde. Hier werde erstmals die Notwendigkeit eines zentralen Bereitstellungslagers untersucht. Und erst wenn die erwiesen sei, könne es an die Standortfrage gehen. Und auch die müsse dann bei Null beginnen. Das sagen fünf Kreistagsbeschlüsse in drei Bundesländern, das fordern die ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer und Jürgen Trittin. „Wir sind mit unserer Kritik also nicht allein“, sagt Dirk Wilhelm und betont, auch vor einem Rechtsstreit nicht zurückzuschrecken, sollte die BGZ – wie angekündigt – einen Bauantrag stellen.

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