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Paderborner Umweltschutzorganisationen demonstrieren – Kritik an Verwaltung und Rat

„Klimaziele verkünden reicht nicht“

Paderborn

„Energiewende jetzt“, mahnt ein Banner in fast mannshohen Buchstaben vor dem Historischen Rathaus. 40 Personen, die verschiedenen Umweltschutzorganisationen angehören, fordern am Samstagmittag ein sofortiges Ende des Braunkohleabbaus. Mehrere gelbe Kreuze sind aufgestellt. Sie sind ein Mahnmal gegen Umweltschäden.

Von Ingo Schmitz

Rund 40 Teilnehmer haben am Samstag für ein Ende der Braunkohleverbrennung demonstriert. Es gehe aber auch um eine Mobilitätswende, betonten sie. Foto: Ingo Schmitz

Protestiert wird gegen den drohenden Abriss des Braunkohledorfs Lützerath (Erkelenz). Doch was hat das mit Paderborn zu tun? Eine Menge, wie Mitorganisator Stefan Wisbereit betont. Ins Leben gerufen wurde die hiesige Aktion, die bundesweit parallel in zahlreichen Städten stattfand, vom lokalen Ableger der „Parents for Future“. Es gehe nicht nur darum, sich mit den Bewohnern der betroffenen Kohleorte solidarisch zu zeigen, berichtet er. Es gehe vor allem darum, auf die klimaschädlichen Folgen der Braunkohleverbrennung aufmerksam zu machen. Nicht zuletzt habe man im vergangenen Hochwasser-Sommer in Ahrweiler gesehen, dass jetzt gehandelt werden müsse. Es sei schon lange nicht mehr „5 vor“ sondern längst „5 nach 12“, betont Wisbereit auch in Richtung Paderborner Stadtverwaltung und Rat.

„Wir waren hier Zuhörer im Umweltausschuss. Wir sind enttäuscht, dass man hier vor Ort zwar Ziele formuliert, aber keine Maßnahmen verabredet und nicht einmal weiß, wodurch sich die CO2-Reduktion in den vergangenen Jahren ergeben haben. Wenn man auf diese Zahlen aufbaut, ist das unseriös“, stellt Wisbereit gegenüber dem WV fest. „Die Bürger brauchen jetzt einen Impuls und keine leeren Versprechen für die Zukunft.“

Die Stadt sei gefordert, mutigere Forderungen aufzustellen und höhere Vorgaben für Neubauten zu machen – zum Beispiel, wenn es um Photovoltaik gehe. Ebenso wichtig sei es aber auch, die Bestandsbauten in den Fokus zu nehmen, um sie energetisch zu optimieren.

Auch bei den eigenen Gebäuden müsse die Stadt mehr tun, ebenso wie beim Ausbau der Windenergie. „Ja, wir haben hier viel Windkraft, und wir sind uns der Diskussion bewusst. Trotzdem kann man das noch weiter voran treiben“, meint Wisbereit, der darauf setzt, dass Windstrom zur Warmwassererzeugung eingesetzt wird, was energiewirtschaftlich Sinn mache.

Gespannt sind die „Parents for Future“ vor allem auf das städtische Mobilitätskonzept, das demnächst vorgestellt werden soll. „Wir brauchen andere Angebote, damit die Bevölkerung aus dem Umland auch ohne Auto in die Stadt kommen kann“, fordert der Sprecher. Er befürchtet allerdings, dass es erneut nur Absichtserklärungen geben könnte, statt schnell umsetzbare Maßnahmen. Er kritisiert, dass es viel zu lange gedauert habe, bis es einen Beschluss zur versuchsweisen Umsetzung eines Pop-Up-Radweges auf der Detmolder Straße gegeben habe. „Das hat fast zwei Jahre gedauert. Wenn man durchs Ziel getragen wurde, darf man nicht glauben, dass man das Rennen gewonnen hat“, betont Wisbereit, der an diesem Tag von Mark Lindert von Greenpeace als Redner unterstützt wird.

An die Teilnehmer der Aktion gibt es abschließend einen Appell, der mit der Landtagswahl im Mai zusammenhängt: „Geht auf die Politik zu, stellt Eure Forderungen. Es geht nicht nur um eine Energie-, sondern auch um eine Mobilitätswende.“

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