Weil die Schülerzahlen laut Prognosen steigen, wird der Ausbau fast doppelt so teuer – dazu auch die „Paderborner Perspektiven“

Kostenexplosion: Debatte in Paderborn über die Stephanus-Schule

Paderborn

Der von der Stadt Paderborn vorgeschlagene Ausbau der Stephanus-Grundschule an der Arndtstraße sorgt für kritische Nachfragen aus den Reihen der Politik. Wie berichtet, wird das Projekt nun fast doppelt so teuer. Die Preissteigerung von 12 auf nun 23 Millionen Euro wirft nun auch die Frage nach einem kompletten Neubau auf.

Von Ingo Schmitz

Die Stephanus-Schule ist 50 Jahre alt. Es steht eine Sanierung mit einigen Anbauten zur Debatte. Foto: Oliver Schwabe

Der von der Stadt Paderborn vorgeschlagene Ausbau der Stephanus-Grundschule an der Arndtstraße sorgt für kritische Nachfragen aus den Reihen der Politik. Wie am 28. Mai berichtet, wird das Projekt nun fast doppelt so teuer. Die Preissteigerung von 12 auf nun 23 Millionen Euro wirft nun auch die Frage nach einem kompletten Neubau auf. Dass für die weitere Planung und Ausführung insgesamt noch sechs Jahre benötigt werden sollen, wird ebenfalls kritisch hinterfragt. Von einer Entscheidung ist die Politik derzeit noch weit entfernt. Diese soll aber im August getroffen werden.

Am Donnerstagabend informierte die Verwaltung die Mitglieder des Betriebsausschusses Gebäudemanagement über die Details der Planung. Ein Grund für die Kostenexplosion ist demnach die deutliche Steigerung des Raumangebots. In einem ersten Entwurf aus dem Jahr 2019 war der Umbau der Schule auf vier Züge pro Jahrgang ausgelegt worden. Aufgrund der Prognosen der Schülerzahlen müsse man nun aber die Schule fünfzügig planen. Das verursacht Mehrkosten in Höhe von drei Millionen Euro, berichtete Sören Lühr vom Gebäudemanagement (GMP). Neben Klassen- und Fachräumen entstehen Flächen für die Ganztagsbetreuung.

Fertig bis Mitte 2027

Weitere 1,7 Millionen Euro werden für die Frisch-Misch-Küche und weitere 800.000 Euro für die Lüftungsanlage fällig, die aufgrund der Corona-Erfahrungen berücksichtigt werden soll. Dabei handele es sich nicht um eine vollwertige Klimaanlage, wie Lühr klarstellte. Die Technik werde aber für einen Luftaustausch sorgen. Das Lüften über geöffnete Fenster werde allerdings weiterhin notwendig sein. Ein weiterer Kostentreiber sind die zu erwartenden jährlichen Preissteigerungen bei den Baustoffen. Bis zur vollständigen Fertigstellung des Vorhabens im Sommer 2027 rechnet der GMP mit Zusatzkosten von 3,7 Millionen Euro. Für die Gesamtsumme von 23 Millionen Euro erhielten Schüler und Lehrer aber eine komplett neue Schule. Neben den geplanten Neubauten sollen auch die 50 Jahre alten Bestandsgebäude saniert und energetisch auf den Stand der Technik gebracht werden, betonte Kämmerer Bernhard Hartmann. Er verwies darauf, dass das Projekt in zwei Bauabschnitte unterteilt sei und für die Schüler in den betreffenden Bereichen Zwischenlösungen gefunden werden müssten. Baustart wäre November 2022. Der erste Abschnitt mit den ersten beiden Jahrgangshäusern wäre dann im Sommer 2025 fertig. Der zweite Abschnitt wäre dann zum Schuljahresbeginn 2027/28 fertig.

CDU-Ratsherr Matthias Dülme bekannte, dass die Union angesichts der Kostenentwicklung sehr überrascht worden sei. „Uns liegen unsere Kinder sehr am Herzen. Dass es eine Kostensteigerung geben wird, war klar“, sagte Dülme. Dennoch habe die CDU einige Fragen.“ Unter anderem will die Union wissen, welche Kosten die Konzeption der Jahrgangshäuser aufruft. Zudem möchte die CDU eine detaillierte Aufstellung haben, wie sich die Erreichung der höheren Klimaschutzziele auf die Kosten auswirkt. Auch die Frage, was für Zuschüsse es gibt, soll der GMP beantworten.

Schlüsselfertiger Neubau?

Wie berichtet, hatte die Fraktion Für Paderborn die Frage aufgeworfen, ob nicht ein Neubau an anderer Stelle sinnvoller sei als die Sanierung mit Anbauten. Dabei hatte sie die ehemalige britische Schule ins Spiel gebracht (wir berichteten am Donnerstag, 10. Juni). Ein schlüsselfertiger Neubau an anderer Stelle könnte vielleicht nicht nur günstiger, sondern möglicherweise auch schneller zu realisieren sein. Zudem müssten Lehrer und Schüler während der Bauphase nicht mit einer Zwischenlösung und dem Baulärm leben. Hartmut Hüttemann (FBI/Volt) unterstützte die Forderung, einen Neubau zumindest mal zu prüfen. Er vermisse die Alternativen.

Sören Lühr verwies darauf, dass es derzeit keine geeigneten Flächen in entsprechender Größenordnung gebe. Zudem halte man den jetzigen Standort für richtig. Die britische Sidlung und auch das Areal Barker stünden noch nicht zur Verfügung und es sei auch nicht klar, wann die Stadt Zugriff bekäme.

Lesen Sie dazu auch die „Paderborner Perspektiven“ von Ingo Schmitz:

Unfassbar langer Weg zur Realisierung

Um es deutlich klar zu stellen: Es steht völlig außer Frage, dass die Stadt Paderborn an der Stephanus-Grundschule handeln und investieren muss. Über die Frage des „Wie“ sollte in der Tat aber noch einmal nachgedacht werden. Dabei sollten nicht (nur) die Kosten im Vordergrund stehen. Es geht schließlich um die beste Lösung für die Kinder.

Die Stephanus-Grundschule ist 50 Jahre alt und bedarf einer umfassenden Sanierung. Außerdem wachsen laut Prognosen die Schülerzahlen so stark, dass eine Erweiterung unumgänglich ist. Das Ganztagsangebot hat zudem zur Folge, dass auch die Betreuungsmöglichkeiten der Schüler deutlich verbessert werden müssen – die Kinder verbringen fast den ganzen Tag an dem Lernort, der ein Stückweit ihr Lebensort ist.

Was in der Sitzung des Ausschusses Gebäudemanagement auffiel: Auf die bohrenden Fragen von CDU, Für Paderborn und FBI/Volt nach Alternativen zur Sanierung mit Neubauten hatte die Verwaltung keine befriedigenden Antworten. Eine komplette Neubaulösung ist nicht (detailliert) geprüft worden, weil man an dem Standort der Stephanus-Schule verbleiben möchte und dazu derzeit keine Alternativen sieht.

Dafür gibt es mehrere gute Gründe: Der Schulweg ist eingeübt und auch das Einzugsgebiet definiert sich durch den jetzigen Standort. Die benachbarte Kita liefert zudem Synergien. Dennoch sollten angesichts der Größe dieses Projekts und vor allem wegen der unfassbar langen Realisierungszeit von sechs Jahren auch Alternativen wie ein kompletter Neubau an anderer Stelle ins Kalkül gezogen werden. Warum das bei der Stephanus-Grundschule bislang unterblieben ist, blieb unklar. Den Vorwurf von FBI-Chef Hartmut Hüttemann konnte auch Kämmerer Bernhard Hartmann nicht wirklich entkräften, als dieser auf die ökologischen Auswirkungen beim Abriss des Altbaus verwies und Sören Lühr vom GMP meinte, dass ein Neubau auch nicht schneller zu realisieren sei, als der Ausbau im Bestand.

Dabei kann ein Neubau durchaus viele Vorteile haben: Man kann frei planen, ohne Rücksicht auf den Bestand nehmen zu müssen. Schüler und Lehrer müssten zudem nicht jahrelang auf einer Baustelle leben. Und: Neue Schulwege können eingeübt werden – da sollte man Schüler und Eltern nicht unterschätzen.

Verwaltung und Politik sollten bald zu einer Entscheidung kommen, denn der Handlungsdruck ist riesig.

Daher stellt sich noch einmal die Frage, warum öffentliche Bauprojekte immer so langwierig sind. Beispiele für so genannte Jahrhundert-Projekte gibt es ja in Paderborn durchaus mehrere. Klar: Das Handwerk leidet unter Materialknappheit und Fachkräftemangel. Es gibt aber auch andere Gründe.

Der Gesetzgeber ist daher gefordert, nach der Bundestagswahl das Thema Bürokratieabbau endlich umzusetzen. Es ist schon schlimm genug, wenn die Privatwirtschaft in ihrer Entwicklung gehemmt ist. Es macht zudem Sinn, wenn Behörden von überbordenden Auflagen und Verwaltungsakten entlastet werden. Am Ende des Tages dürfte das Geld sparen – das Geld der Steuerzahler.

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