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Demonstration am Montagabend vor dem Haller Rathaus

80 fordern eine freie Impfentscheidung

Halle

Das im Altkreis neu gegründete „Bündnis für eine freie Impfentscheidung“ hatte am Montagabend zu einer Demonstration vor dem Haller Rathaus aufgerufen und dabei rund 80 Unterstützer mobilisieren. Unter lautem Beifall wurde nicht nur die vom Gesetzgeber geplante allgemeine Impfpflicht abgelehnt, sondern auch eine Rücknahme der berufsbezogenen Impfpflicht im Gesundheitswesen gefordert.

Von Stefan Küppers

Bündnis für freie Impfentscheidung mit Sprecher Kay Marin (2. von rechts) sowie Dirk Steinberger (3. von rechts) Foto: Küppers

Die ordentlich angemeldete Demonstration, bei der auch Ordner eingeteilt waren, war vom Bündnissprecher Dr. Kay Marin aus Borgholzhausen organisiert worden. Bei der von wenigen Polizeikräften begleiteten Veranstaltung gab es keine Maskenpflicht mehr.

Dem Bündnis geht es nach eigener Erklärung um die Wahrung und Achtung der körperlichen Unversehrtheit als wichtigem Baustein des Grundgesetzes. Es müsse die persönliche Entscheidung eines jeden einzelnen sein, sich für oder gegen eine Covid-Impfung zu entscheiden. Es gehe um Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung, den Menschen als mündigen Bürger in der Gesellschaft zu begreifen.  Schließlich gehe es um ein evidenzbasierte Diskussion und Entscheidung ohne Denkverbote.

Demo für eine  freie Impfentscheidung mit Dr. Kay Marin am Mikophon mit etwa 80 Teilnehmern vor dem Halle Rathaus. Foto: Küppers

Neben Rücknahme der einrichtungsbezogenen sowie der allgemeinen Impfpflicht fordert das Bündnis insbesondere für Kinder und Jugendliche die Beendigung aller Maßnahmen. Gefordert wird die Rückkehr zu einem wertschätzenden öffentlichen Dialog sowie eine ehrliche, wenn nötig gerichtliche, Aufarbeitung, die klare Benennung von Fehlern sowie die konstruktive Ableitung von Lehren aus der Pandemiepolitik.

Darüber hinaus traten die Sprecher des Bündnisses auch für einen Stopp des Krieges in der Ukraine ein, kein Menschenleben dürfe für politische Interessen aufs Spiel gesetzt oder geopfert werden.

Eine Demo-Teilnehmerin kritisierte explizit die strengen 2-G-Plus-Regeln und Besuchsbeschränkungen auch bei Schwerkranken in Kliniken. Das habe mit Gesundheitsschutz nichts zu tun, sondern sei schlicht unmenschlich. Eine andere Rednerin zeigte sich erschüttert von Vorhaltungen aus ihrem (früheren) Freundeskreis. Das stete Unterstellen und fehlende Nachfragen mache sie sprachlos, so die Teilnehmerin. Der vormalige Demo-Organisator Dirk Steinberger aus Halle kritisierte die zunehmenden und anlasslosen Kontrollen im öffentlichen Leben, an die er sich nicht gewöhnen wolle.

Dr. Kay Marin setzte sich in der Hauptrede dezidiert mit einer allgemeinen Impfpflicht auseinander. Foto: Küppers

In der Hauptrede setzte sich Dr. Kay Marin sehr dezidiert mit der politisch diskutierten allgemeinen Impfpflicht auseinander. Weil die Impfung mit einem Risiko an Nebenwirkungen zu erkranken oder gar zu sterben verbunden sei, stelle die Impfpflicht einen starken Eingriff in Grundrechte dar. Menschen zu opfern, um andere zu schützen, rechtfertigt nach seiner Argumentation keinen Grundrechtseingriff.

"Impfpflicht für Fremdschutz nicht geeignet"

Kay Marin hält eine Impfpflicht auch nicht für ein geeignetes Mittel, um vulnerable (verwundbare) Gruppen zu schützen. Die Schutzwirkung der Impfung lasse schon nach wenigen Wochen stark nach. Auch wisse man nicht, welche Virus-Varianten demnächst die vorherrschenden sein würden.  Nur die Ansteckung nahezu aller Menschen führe zur Ausbildung einer einer robusten breiten Immunität. Aus der Sicht des Kritikers Marin ist die Impfpflicht nicht geeignet, einen Fremdschutz für vulnerable Gruppen zu gewährleisten.

Marin hinterfragte, warum eine aktuelle Impfquote von 86 Prozent bei volljährigen Menschen nicht reiche. Und er argumentierte, dass es selbst nach Verfügbarkeit und massenweiser Verabreichung der Impfstoffe keine Überlastung des Gesundheitssystems gegeben habe. Die Überlastung könne man auch dadurch verhindern, indem man Krankenhäuser nicht schließe, wie geschehen, sondern Betten aufbaue statt abzubauen. Im übrigen gebe es wirksame Medikamente zur Behandlung von Covid-19, verwies er auf ein Produkt von Pfizer.

Marin meinte, dass eine Impfpflicht nicht geeignet, nicht erforderlich und nicht verhältnismäßig zum Schutz des Gesundheitssystem sei. Sie sei das falsche Werkzeug, verwies er auf  andere Länder. In Östereich sei die Impfpflicht ausgesetzt, in Großbritannien für Pflegepersonal wieder aufgehoben, in Italien gelte sie ab 50 Jahre, in Griechenland ab 60 Jahre.

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