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30. Einbruch in 30 Jahren - Beute im Wert von 15.000 Euro - Polizei fahndet nach zwei Tätern

Juwelier Schwarz (Steinhagen): "Es ist keine Option, aufzugeben"

Steinhagen

Gerade einmal sieben Wochen ist es her, dass ein oder mehrere unbekannte Täter versucht haben, in das Geschäft von Juwelier Wolfgang Schwarz in Steinhagen einzubrechen. In der Nacht zu Mittwoch reißt ein lauter Knall die Anwohner in der Brinkstraße aus dem Schlaf.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold und Christian Müller

Freunde und Familie räumten nach der Tat die Trümmer zusammen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Erneut ist das Juweliergeschäft Ziel von Einbrechern geworden – zum 30. Mal innerhalb von 30 Jahren, zum zweiten Mal mit Sprengstoff, und diesmal machen die Täter auch Beute. Den Angaben des Juweliers zufolge wurde Goldschmuck im Wert von 15.000 bis 20.000 Euro  gestohlen.

Mehrere Notrufe erreichten die Polizei am frühen Mittwochmorgen. Gegen 0.20 Uhr meldeten sich Bewohner der Brinkstraße, dass sie laute Knallgeräusche, gar das Geräusch einer Explosion wahrgenommen hatten.

Wolfgang Schwarz zeigt die mit Folie beschichtete Dchaufensterscheibe, die dank der Lexanbeschichtung nicht komplett zersprungen ist, sondern in Scherben noch zusammenhängt. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Die Polizei im Kreis Gütersloh rückte mit mehreren Streifenwagen und zivilen Kräften zur Blinkstraße aus. Zeugen beobachteten zwei Tatverdächtige, die sich an einem Juwelier-Geschäft zu schaffen machten. Einer von ihnen soll noch „schneller“ gerufen haben. Kurz darauf flüchteten die beiden Personen zu Fuß. Eine großangelegte Fahndung und mehrere Personenkontrollen in der Nacht brachten zunächst keinen Erfolg. Auch ein Spürhund kam zum Einsatz.

Die Feuerwehr wurde alarmiert, weil Rauch aus dem Geschäft wahrnehmbar war. Die Wehrleute gaben kurz darauf Entwarnung, da weder Sprengstoff gefunden wurde, noch Einsturzgefahr bestand.

Einbruchsalarm beim Juwelier Schwarz in Steinhagen in der Brinkstraße. Foto: Christian Müller

Täter flüchten zu Fuß in Richtung Marktplatz

Den ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge setzten die Täter ein unbekannte s Sprengmittel ein, anschließend entwendeten sie Schmuck aus der Auslage. Der Verkaufsraum wurde nicht betreten. Ein Gebäudeschaden entstand den ersten Feststellungen zufolge nicht. Nach der Tat flüchteten die Diebe zu Fuß in Richtung Marktplatz.

Nach übereinstimmenden Beschreibungen der Zeugen, waren die zwei beobachteten Tatverdächtigen dunkel gekleidet. Eine Person war klein und hatte eine kräftige Statur. Die zweite Person war größer und hatte eine schmale Statur.

Bereits am späten Abend des 15. Mai (WB vom 17. Mai) kam es bei dem Geschäft zu einem versuchten Einbruch mit ähnlicher Vorgehensweise (Polizeibericht im Internet unter https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/23127/5222862).

Die Kriminalpolizei untersuchte den Tatort bis in die Nachtstunden. Foto: Christian Müller

Polizei: Vorgehensweise "sehr identisch"

Polizeisprecher Marc Kohnert machte am Mittwoch im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT die Parallelen deutlich: „Der Modus Operandi war sehr identisch“, sagte er. Die Täter gelangten fußläufig zum Tatort und flüchteten auch zu Fuß, beide Male Richtung Marktplatz. Sie zerstörten das Schaufenster mit Sprengmittel. Es waren diesmal definitiv zwei Täter. Mögliche Tatzusammenhänge werden durch die Kriminalpolizei im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen geprüft. Hinweise nimmt die Polizei unter 05241/8690 entgegen.

Wolfgang Schwarz selbst hat am Vormittag nach der Einbruchsnacht sein Geschäft geöffnet und bedient Kunden. Freunde und seine Tochter haben aufgeräumt, damit der Laden überhaupt betreten werden kann. Glassplitter sind einerseits über die Brinkstraße bis vor den Kik geflogen, im Inneren des Ladens bis zum Tresor, gut fünf, sechs Meter von den Vitrinen entfernt.

Wolfgang Schwarz

Wolfgang Schwarz ist seinem „Netzwerk“, wie er den Kreis seiner Helfer nennt, sehr dankbar: „Es ist schön, dass es Menschen gibt, die helfen, den Laden wieder hübsch zu machen. Menschen, auf die man vertrauen kann, angefangen mit der Alarmanlagenfirma und demjenigen, der einem nachts um 3.30 Uhr die Sperrholzplatte einsetzt, um den Laden dicht zu machen“, so Schwarz. Trotz des 30. Anschlags auf seinen Laden, ist er gelassen, begründet das mit seinem Glauben und betont: „Es ist keine Option aufzugeben. Warum sollte ich das tun? Das Geschäft läuft gut, es gibt ja auch wenig Uhrmacher. Ich bin handbegabt und mit der Gegend vertraut.“

Der Vitrinenbereich von innen: Eine Sperrholzplatte verschließt das zerstörte Fenster. Ein zweites ist in Mitleidenschaft gezogen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Der Schaden an der Schaufensterfront ist immens. Eine Schaufensterscheibe ist in Trümmern. Es war noch die Notscheibe nach dem Einbruchsversuch vom Mai am gleichen Fenster – dank einer Folienbeschichtung ist sie zwar geborsten durch den Sprengstoff, aber nicht komplett auseinandergeflogen. Immerhin konnten die Täter durch das Loch in der Scheibe hindurchgreifen und Goldschmuck aus zwei Vitrinen ausräumen. In den Laden selbst konnten sie nicht gelangen. Die Druckwelle war offenbar so heftig, dass weitere Scheiben zu Bruch gingen. Auch die Eingangstür weist Risse im folienbeschichteten Glas auf. Halterungen mit Schmuckauslagen im Laden sind heruntergefallen, Ausstellungsstücke beschädigt worden.

Dieser Einbruch habe wie schon der im Mai wegen der Verwendung von Sprengstoff eine andere Qualität, so Schwarz: „Selbst wenn man mit einem Auto in den Laden fährt, ist das etwas ganz anderes.“ Auch das hat Wolfgang Schwarz schon erlebt – 2001 zum ersten Mal. 2014 war das Jahr, in dem dreimal in zehn Wochen eingebrochen wurde.

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