1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Borgholzhausen
  6. >
  7. Bauern können auch feiern

  8. >

150. Geburtstag des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Borgholzhausen

Bauern können auch feiern

Borgholzhausen (WB/jog). Bei der Gründungsversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverband Borgholzhausen vor 150 Jahren standen Themen wie »Anschaffung nützlicher Sämereien« und »Behandlung von Kartoffeln vor der Aussaat« auf der Tagesordnung. Außerdem wurde beschlossen, diverse Fachzeitschriften zu abonnieren, um den Informationsfluss zu verbessern. Jetzt hat der Verein seinen 150. Geburtstag gefeiert.

Ein gut besuchter Freiluft-Gottesdienst in plattdeutscher Sprache bildete den Auftakt zur 150-Jahr-Feier. Im Hintergrund Arnold Weßling und Pfarrerin Anne-Kathrin Becker. Foto: Johannes Gerhards

Auf der Diele von Hof Kemner in Wichlinghausen werden historische Fotos gezeigt, draußen auf dem Hof hält Arnold Weßling eine temperamentvolle Predigt im Rahmen eines plattdeutschen Gottesdienstes. Darin thematisiert er Jesu Liebe gerade für die Abgehängten und Zukurzgekommenen und erinnert an die christlichen Wurzeln des großen Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der den Zusammenschluss unbemittelter Landwirte gefördert hat und als Gründer der Genossenschaftsbewegung gilt.

Kritik gibt’s nur zu Krötentunneln

Auch Bürgermeister Dirk Speckmann stellt historische Zusammenhänge in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Schließlich ist nur der Männerchor unwesentlich älter als der landwirtschaftliche Ortsverband, alle anderen Vereine sind erst später gegründet worden. Nach seinen Worten wird die Landwirtschaft seit 150 Jahren von immer wieder kehrenden Anpassungskrisen geprägt. »Stets hieß es wachsen oder weichen – bis heute«, sagt Speckmann wörtlich und erntet Zwischenapplaus für seine Bemerkungen zum Autobahnbau, wo »Krötentunneln mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als verkehrlicher Anbindung landwirtschaftlicher Betriebe«.

Der Vorsitzende Dieter Vahrenbrink und sein Stellvertreter Klaus Strothmann freuen sich über gute Resonanz bei den zahlreichen Besuchern und bedanken sich bei Margarete und Eckhard Kemner als Gastgeber der Jubiläumsfeier. Vahrenbrink erinnert an dunkle Zeiten, als 1933 der Ortsverband von den Nazis zwangsaufgelöst und dann 1947 neugründet wurde. Andreas Westermeyer als Kreisverbandsvorsitzender beantwortet die Frage, ob eine Vertretung der Landwirte auch heute noch Sinn mache, mit einem klaren Ja. Zur Bekräftigung zitiert er den weit verbreiteten Fahnenspruch »Aus alter Wurzel neue Kraft«.

Bei angenehmen Temperaturen kommt man miteinander ins Gespräch und erinnert sich an vergangene Zeiten, als nicht Maschinen sondern Pferd, Ochse und menschliche Muskelkraft die Triebfedern der Landwirtschaft waren.

Startseite