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PAB-Gesamtschüler bereiten sich auf den Poetry Slam am Freitag, 15. März, vor

Club der jungen Dichter

Borgholzhausen (WB). »Wie hast du dich gefühlt?« Das ist die erste Frage von Dichter-Dozent Marc-Oliver Schuster an alle Schüler, die soeben einen selbstverfassten Text vor Gleichgesinnten präsentiert haben. Jeder hat zunächst die Möglichkeit zur Selbstkritik, bevor die Mitschüler eine Rückmeldung geben.

Johannes Gerhards

Zu Gast im Unterricht waren Vertreter der Kooperationspartner beim Workshop zum Poetry Slam Projekt. Von links Jürgen Höcker (Sparkasse), Marc-Oliver Schuster, Astrid Schütze (Kulturverein), Peter Schumacher (PAB) und Manfred Warias (Kulturverein). Foto: Gerhards

Dabei gilt stets der Grundsatz »Respect to the Poets«; alle sollen vom anderen lernen können und selbst ermunternde und motivierende Anregungen und Vorschläge machen. 21 Schüler aller Jahrgangsstufen absolvieren derzeit einen Workshop, um sich auf die öffentliche Veranstaltung am 15. März um 19.30 Uhr im Forum der Gesamtschule am Standort Borgholzhausen vorzubereiten. Mit Unterstützung der Kreissparkasse und in Kooperation mit dem Kulturverein gibt es den Piumer Poetry Slam bereits zum fünften Mal.

Die Themen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Daniel aus der neunten Klasse bevorzugt die witzige Variante mit Anspielungen und Bemerkungen zum alltäglichen Ablauf. Schule sei nur der Deckname für Hölle, in der Freizeit komme »erst Essen, dann Chillen und später Schlafen«. Die in seinen Schilderungen vorkommenden realen Personen sind vorher um ihr Einverständnis gebeten worden, denn Daniel verfügt bereits über einschlägige Bühnenerfahrung. »Ich war etwas zu schnell«, gibt er selbstkritisch zu und nimmt gerne die Empfehlungen an, seine Lesegeschwindigkeit zu drosseln und ruhig Räusper- und Kunstpausen einzubauen.

Emotional berührend

Leo beschreibt eindringlich und bewegend seine Ängste und Sorgen, die aus dem Zusammenleben mit einem kranken Vater und dem behinderten Bruder resultieren. »Unglaublich mutig« finden die Mitschüler anerkennend seinen Beitrag. Auch wenn er »schwer vorzutragen, schwer zu bewerten und schwer zu kommentieren ist«, können solche Texte durchaus anderen Mut machen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. »Es ist relativ einfach, Menschen zum Lachen zu bringen«, sagt Marc-Oliver Schuster, viel schwerer sei es dagegen, die Zuhörern emotional zu berühren.

Gedanken zur Unsterblichkeit kommen von Swetlana. Hier sei längst nicht alles Gold, was glänzt. Das vordergründige Funkeln könne sehr schnell verglühen und sich im Dunklen auflösen. Oberflächlich betrachtet sei ewiges Leben vielleicht erstrebenswert. Schwer vorstellbar sei dagegen, sich wie 15 zu fühlen, tatsächlich aber 215 Jahre alt zu sein, während alle aus der eigenen Generation schon lange gestorben sind.

Umgang mit Übergewicht

Zoe trägt ihren Text weitgehend frei vor. Sie berichtet von persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Übergewicht. Inzwischen sei sie »vielleicht etwas zu selbstbewusst«, um das zu kompensieren. Wundern müsse sie sich aber dennoch über ihre viel dünneren Mitschüler, die meinen, ein Gewichtsproblem zu haben. Zudem mokiert sie sich über »Mode für Mollige«, die einen kartoffelsackmäßig noch dicker aussehen lassen. »Es geht nicht um die Witze, sondern um die Message«, sind sich die Schüler einig. Sie honorieren den Beitrag, auch weil er eine ungewohnte Sicht auf die Dinge ermöglicht. »Unser Ziel ist es, euch alle auf die Bühne zu bringen«, hatte Peter Schumacher als begleitender Lehrer angekündigt. Insofern darf man sich auf einen spannenden Abend freuen, wenn am 15. März der Wettstreit der jungen Dichter öffentlich ausgetragen wird.

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