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Operettenabend mit der Koloratursopranistin Anna Tsartsidze in Borgholzhausen

Gänsehaut-Feeling im Steinbruch

Borgholzhausen (WB). »Nun eilt herbei«, singt Anna Tsartsidze und eröffnet mit einer Melodie aus »Die lustigen Weiber von Windsor« den stimmungsvollen Operettenabend auf der Natur- und Freilichtbühne im Bönkerschen Steinbruch. Indes, ihre Einladung verhallt ungehört, abgesehen von den knapp 50 Zuhörern, die sich in gebührendem Abstand auf den Sitzbänken verteilt haben und auch von dunklen Regenwolken nicht abschrecken lassen.

Johannes Gerhards

Stimmgewaltigerzeugt die georgische Koloratursopranistin Anna Tsartsidze Gänsehautatmosphäre mit Klassikern. Foto: Gerhards

Diese verziehen sich prompt, sobald die georgische Sängerin mit dem sonnigen Gemüt und einer fulminanten Stimme die Bühne betritt. Begleitet von der kanadischen Pianistin Meghan Behiel trägt sie beliebte Melodien verschiedener Komponisten in deutsch, englisch, spanisch und ihrer Heimatsprache vor. Anna Tsartsidze ist Stipendiatin des georgischen Präsidenten und ein gern gesehener Gast bei renommierten Festivals. Wie das Publikum ist sie überglücklich, wieder auftreten zu können und bedankt sich bei den Organisatoren, die die »Rückkehr zum kulturellen Leben« ermöglicht haben.

Spanien, ihr Lieblingsland, habe sie in diesem Jahr nicht besuchen dürfen. Daran erinnert sie mit Augustin Laras »Granada« und »Meine Lippen, sie küssen so heiß« aus Giudetta von Franz Lehar. Fächer, Weinglas und Kastagnetten gehören dabei zu den sparsam eingesetzten Requisiten. Ansonsten verlässt sie sich auf ihre stimmlichen Qualitäten und die versierte und temperamentvolle Instrumentalbegleitung durch Meghan Behiel. Diese besticht darüber hinaus mit verträumten und kraftvollen Soloeinlagen wie »Oblivion« des Tangofürsten Astor Pizolla und »Du und du« vom Walzerkönig Johann Strauß.

„Tango“ wird zur Filmmusik

»Tango« heißt auch das eigens für Tsartsidze komponierte Werk eines georgischen Freundes, das demnächst als Filmmelodie erscheinen soll. Aus zahlreichen Filmen bekannt ist »In mir klingt ein Lied« von Frederic Chopin. Weitere Stationen des 80-minütigen Konzerts sind »Ich hätt‘ getanzt heut Nacht« aus My Fair Lady und eine Gänsehautversion von »Summertime«, dem bekanntesten Song aus Gershwins Oper »Porgy and Bess«. Der Einladung zum Mitsingen kann das Auditorium mangels Textsicherheit zunächst nicht folgen. Vilja, das Waldmägdelein, und ihr Trautliebster aus »Die lustige Witwe« ist offenbar nicht allgemein bekannt.

Besser klappt es dann bei »Bel ami«, dem »kleinen Lied, das von Mund zu geht«. »Bist nicht schön, doch charmant, bist nicht klug, doch sehr galant, bist kein Held, nur ein Mann, der gefällt«, dichtete seinerzeit Hans Fritz Beckmann auf die eingängige Melodie von Theo Mackeben. »Endlich mal bin ich in den Bergen«, sagt Anna Tsartsidze mit Blick auf den felsigen Abhang im Steinbruch und kündigt zum deutlich vernehmbaren Bedauern der Zuhörer ihr letztes Lied an. Nach »Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland« aus der Operette »Die Csardasfürstin« von Emmerich Kálmán ist dann aber doch noch nicht Schluss. Das Publikum applaudiert und fordert vehement weitere Zugaben.

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