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Rund um den Spiekerhof Borgholzhausen hat Corona das Leben eingefroren

Langer Atem und das Prinzip Hoffnung

Borgholzhausen

Im Oktober 2019 haben Britta und Jens Schräder mit großem Enthusiasmus und voller Tatendrang die beliebte Reit- und Freizeiteinrichtung Spiekerhof übernommen. Ein halbes Jahr später hat die Pandemie ihren Elan gebremst und viele der ambitionierten Vorstellungen bedroht. Nahezu sämtliche Reservierungen für Feiern auf der Deele mussten abgesagt werden. Auch die Ferienfreizeiten konnten im Sommer nur mit Selbstverpflegung und ohne das übliche Übernachtungsangebot durchgeführt werden.

Johannes Gerhards

Sie lassen sich ihren Optimismus nicht nehmen. Britta und Jens Schräder hoffen gemeinsam mit dem Pferd Duke auf ein baldiges Ende der Corona Pandemie, damit auf dem Spiekerhof wieder das normale Leben Einzug halten kann Foto: Johannes Gerhards

Nach zwischenzeitlicher Erholung wirken sich die Folgen der Corona-Krise gegenwärtig wieder besonders heftig aus und sorgt bei Jens Schräder für Sorgenfalten und unruhigen Schlaf. »Schließlich handelt es sich um viele tausend Euro, die der Betrieb monatlich kostet«, sagt der 51-Jährige. Es werde sicherlich viel getan von der Politik, allerdings sei von der so genannten Novemberhilfe erst die Hälfte ausgezahlt worden, von der versprochenen Unterstützung für Dezember und Januar ist noch kein Cent angekommen.

Weil Betriebskosten, Versicherungsbeiträge und Kreditrückzahlungen weiterhin anfallen und auf der anderen Seite jegliche Einnahmen ausbleiben, fragt er sich schon, wie das bei aller Zuversicht auf Dauer funktionieren soll. Im Frühjahr konnten sich die Betreiber des Spiekerhofes noch über Spenden freuen, jetzt wollten sie so etwas »nicht nochmal anleiern«. Schließlich haben laut Schräder auch andere Branchen wie Gastronomie und Friseure unter den Beschränkungen zu leiden. »Wir müssen da selber durch wie alle anderen auch«, so sein Fazit.

Zunächst gehe es darum, die etwa 50 Pferde – vom Shetlandpony über Haflinger bis hin zum schweren Warmblut – über den Winter zu bringen. Einige Reitschülerinnen, Praktikantin Charlotte und die fest angestellte Reitlehrerin Stefanie Ganzemüller helfen mit, die Tiere in Bewegung zu halten. Andere Unterstützer wie Tanja und Robin spendieren auch schon mal eine Ladung Mineralstoff-Pellets, die gerade in den Wintermonaten als Nahrungsergänzung bei Pferden wichtig sind.

Der von Stefanie Ganzemüller und Francesca Schiche gestaltete Spiekerhof-Kalender mit Fotos und wissenswerten Fakten über Pferde ist eine beispielhafte und »sehr spezielle Initiative« und kann als Treuebekenntnis und Beleg für die Beliebtheit des Spiekerhofs gewertet werden. Er ist zum Preis von 15 Euro online erhältlich und hat inzwischen selbst in Hamburg Liebhaber gefunden. Von 150 Exemplaren sind nur noch weniger als 20 übrig, der Erlös wird ausschließlich in Pferdefutter investiert.

Während Reitschulbetrieb, Ausritte, Deelenvermietung für Feste und Kindergeburtstage derzeit notgedrungen pausieren müssen, darf lediglich der Ponyverleih in Absprache mit dem Ordnungsamt sehr eingeschränkt weiterhin angeboten werden. »Wir vergeben zur Vermeidung unnötiger Begegnungen maximal fünf Termine pro Tag ausschließlich an Personen aus einer Familie«, betont Jens Schräder. Wirtschaftlich falle das zwar kaum ins Gewicht, es sei aber auch ein Entgegenkommen, damit vom Lockdown geplagte Kinder auch mal an die frische Luft kommen und etwas Abwechslung haben.

»Als wir anfingen waren die Osterferien innerhalb von vier Wochen aus- und überbucht«, so erinnert er sich an Vor-Corona-Zeiten. Derzeit muss er eine große Verunsicherung bei sich und seinen Kunden feststellen. Angesichts täglich wechselnder Informationen und Vorschriften sei eine Planung für die Schulferien extrem schwierig. Termine für Ausritte können dennoch reserviert werden und sind auf der Webseite einzusehen. In Bezug auf Angebote für Gruppen, Schulklassen oder private Feste ist Geduld, ein langer Atem und das Prinzip Hoffnung gefragt. Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass dem Spiekerhof Reitbeteiligungen verloren gehen, weil einige Jugendliche auch während des Lockdowns woanders reiten gehen. »Warum halten sich nicht alle Menschen an die gleichen Regeln?«, fragt sich Jens Schräder. Für seinen Betrieb sind die entsprechenden Vereinbarungen mit der Reiterlichen Vereinigung bindend.

Bevor der »Fluch« ein Ende hat und die Normalität wieder Einzug halten kann, überbrückt er die Zeit mit Renovierungs- und Forstarbeiten. »Zum Glück habe ich mir im Herbst, als es zwischendurch ganz gut lief, genügend Material für notwendige Arbeiten auf dem Gelände zur Seite gelegt«, so Jens Schräder. Auf den gepachteten Waldflächen an der großen Egge ist der Fichtenbestand wegen Trockenheit und Borkenkäfer kaum noch vorhanden. In Rücksprache mit Försterin Gabriele Lindemann denkt er darüber nach, mit Freiwilligen ein Wiederaufforstungsprojekt anzugehen.

Auch wenn das vergangene Jahr für Britta und Jens Schräder ein verlorenes Jahr war, lassen sich beide ihren ungebrochenen Optimismus nicht nehmen. »Wer diese Krise bewältigt, den kann nichts mehr aus der Bahn werfen«, lautet das Motto. Aufgeben ist keine Option, schließlich läuft der Pachtvertrag über 20 Jahre.

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