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PAB-Gesamtschule Werther/Borgholzhausen zeigt, wie digitales Lernen funktioniert

Quantensprung im Online-Unterricht

Werther/Borgholzh...

„An beiden Standorten nutzen je fünf Schülerinnen und Schüler die Notbetreuung“, sagt Ulla Husemann, Leiterin der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule Werther und Borgholzhausen. Bei einigen liege das am Job der Eltern – Stichwort Systemrelevanz –, die anderen kämen zur Schule, weil die heimischen Internet-Kapazitäten nicht für den Onlineunterricht ausreichten.

Johannes Gerhards

Pressegespräch als Online-Konferenz: Alle Teilnehmer außer Schulleiterin Ulla Husemann haben sich digital von zuhause aus beteiligt. Auf dem Bildschirm von links oben ausgehend im Uhrzeigersinn: Hanna Strellmann, Agata Masiakowska (beide Schülervertretung Werther), Jens Körner (Elternvertreter), David Stanjek (Schülersprecher), Michael Strangmann (stellvertretender Schulleiter), Aaron Schmitt (Schülersprecher) und Henri Flöter (Schülervertretung Werther) Foto: Johannes Gerhards

Alle übrigen Lehrkräfte und Schüler sind derzeit mit Homeschooling beschäftigt, laut Ulla Husemann und ihrem Vertreter Michael Strangmann funktioniert das überraschend gut. „Der Redeanteil der Lehrer ist im eher vorlesungsmäßigen Unterricht höher“, räumt Schülersprecher Aaron Schmitt ein, aber daran könne man sich gewöhnen. Nach dem Beginn im vergangenen März, der einem Sprung ins kalte Wasser vergleichbar gewesen sei, erkennt auch David Stanjek aus dem 13. Jahrgang eine starke Entwicklung beim digitalen Lernen. Der angehende Abiturient weiß von Freunden an anderen Schulen zu berichten, wo es bei weitem nicht so gut laufe.

An der PAB-Gesamtschule wird inzwischen der gesamte ursprünglich analoge Stundenplan eingehalten. Hanna Strellmann, Schülersprecherin am Standort Werther, ist froh darüber, einige ihrer Klassenkameradinnen jetzt zumindest online wieder zu sehen und sich mit ihnen austauschen zu können. Neben dem „Frontalunterricht“ biete die Lernplattform auch separate virtuelle Räume für Gruppen oder die Arbeit in Zweierteams. Dazu bringen Office-Programme wie Word und Powerpoint Abwechslung ins Spiel.

Selbst Klausuren werden online geschrieben

Inzwischen werden selbst Klausuren online geschrieben. „Wir erhalten unser Thema, müssen das innerhalb eines Zeitfensters bearbeiten und anschließend an den Lehrer zurückschicken“, erklärt Hanna Strellmann. Befürchtungen, dass es dabei zu vermehrten Täuschungsversuchen kommen könnte, zerstreut Ulla Husemann. Nach ihren Angaben lassen sich mögliche irreguläre Anfragen bei Google & Co. leicht zurück verfolgen. „Wir sehen es nicht als unsere Hauptaufgabe an, alles akribisch zu kontrollieren“, betont die Schulleiterin. Schließlich arbeite man in der Schule auf der Basis wechselseitigen Vertrauens.

Elternvertreter Jens Körner bezeichnet den digitalen Unterricht gar als „Quantensprung für die Schule“. Nach einer Phase des Herantastens gebe das Lernen nach Stundenplan allen Beteiligten Orientierung und Sicherheit, zumal kaum Stunden ausfallen. „Das bringt uns Eltern Entlastung und Verlässlichkeit und gibt den Kindern eine Tagesstruktur“, lobt Körner beim Online-Pressegespräch.

Naturkunde aus der heimischen Küche

Ulla Husemann ist „total begeistert“, wie kreativ das Kollegium mit der Situation umgeht, nennt als Beispiel den „Naturkundeunterricht aus der eigenen Küche“ mit entsprechenden Experimenten. In anderen Fällen nutzen die Lehrkräfte bei Bedarf die Fachräume der Schule und senden dann eben aus dem Chemie- oder Musikraum. Auch der Sportunterricht kann digitalisiert werden, wie Hanna Strellmann beschreibt. So gebe es sportliche Workouts nach Bildschirmvorgaben oder die Aufgabenstellung, ein Lernvideo für bestimmte sportliche Disziplinen zu entwickeln. „Überwinde deine Leistungsgrenzen und erarbeite ein Trainingsprogramm in einer Sportart deiner Wahl“, so könnte laut Ulla Husemann ein entsprechendes Thema lauten.

Hoffnung auf Präsenz-Abi

Neben dem Unterricht werden an der PAB-Gesamtschule auch Zeugniskonferenzen, Auswahlgespräche für neue Lehrkräfte und die Stundenplangestaltung digital durchgeführt. Da gibt es den virtuellen Schulrundgang ebenso wie das Informationsgespräch für die kommenden fünften und elften Jahrgänge per Live-Chat auf YouTube.

Bei aller Digitalisierung planen die Abiturienten trotz aller Widrigkeiten vorsichtig ihren analogen Abiball. Auch wenn alle Aktivitäten im Vorfeld, mit denen sonst Einnahmen generiert werden, notgedrungen ausfallen, haben David Stanjek und sein Jahrgang die Hoffnung auf etwas Normalität nicht begraben. „Die Schule bietet genügend Kapazitäten, um Klausuren notfalls mit Maske und Abstand vor Ort zu schreiben“, so der Schülersprecher. Ein rein digitales Abitur möchte er dann doch nicht ablegen.

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