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Unterwegs mit Christian Janssen und Larissa Boylu

Eine Woche mit  Halles Flüchtlingsberatern

Halle

Unter dem Einmarsch russischer Truppen und dem Krieg in der Ukraine leiden Millionen Menschen. Einige sind nach Halle geflohen. Und somit hat sich auch das Arbeitsleben von Christian Janssen (37) und Larissa Boylu (42) verändert – eine Woche mit den Flüchtlingsberatern.

Von Stephan Arend

Im Rathaus I neben dem Bürgerbüro sind die Haller Flüchtlingsberater Larissa Boylu und Christian Janssen anzutreffen. Foto: Stephan Arend

Montagmorgen: Die Woche wird geplant. Wie viele Flüchtlinge kommen? Ist die Unterbringung schon geklärt? Die „Besprechungsrunde Ukraine“ mit Kollegen aus dem Rathaus und anderen Stellen wie der Ehrenamtsbörse kommt von 10 bis 10.30 Uhr zusammen. Zwischenzeitlich gab es bis zu 16 Neuzuweisungen in der Woche, mal nur vereinzelte. Die Zahlen steigen. Die meisten der aktuell 191 Ukrainer(innen) sind selbstständig nach Halle gereist, privat bei Freunden, Verwandten, Bekannten oder Helfern untergekommen, die sie oft schon an der Grenze in Empfang genommen haben. Ihr Vorteil: Sie können frei entscheiden, wo sie sich anmelden, können ohne Auflagen umziehen, wohin sie wollen. Janssen: „Wer einer Kommune zugewiesen wird, der muss dagegen erstmal dort bleiben.“ Christian Janssen, der sich mit den Flüchtlingen auf Englisch verständigt, steht bis 12 Uhr in der Sprechstunde zur Verfügung, versucht beim Ankommen im Alltag für, wie er sagt, einen roten Faden zu sorgen: Anmeldungen, Leistungsbeantragungen, Sprachkurse, Plätze in der Schule oder in der Kita. Er kennt die bürokratischen Tücken und vermittelt die richtigen Ansprechpartner. Oft ist die Hilfe seiner Kollegin Larissa Boylu beim Übersetzen gefragt. Sie spricht russisch – ein Segen für alle Beteiligten. Boylu fährt an diesem Mittag durch Halle, sucht den Kontakt zu den Flüchtlingen in den städtischen Unterkünften: „Einige möchten ein Bankkonto eröffnen, andere brauchen Tabletten, weil das Kind Zahnschmerzen hat oder wollen aus anderen Gründen zum Arzt.“ Boylu nennt das „mobile Sprechstunde“ und ist froh und dankbar, dass so mancher Arzt ein Auge zudrückt und Flüchtlinge dazwischen nimmt, obwohl diese ja gar nicht zum Patientenstamm zählen. Ihr Tipp, dass Mobilfunkanbieter Flüchtlingen kostenlos SIM-Karten zur Verfügung stellen, wird gerne angenommen. Kontakt zu den Lieben in die Heimat ist in ungewissen Kriegszeiten wichtiger denn je.

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