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Ermittlungen im Sankt-Elisabeth-Hospital Gütersloh

14-Jähriger stirbt nach Narkose

Gütersloh/Bielefeld (WB). Nach einem Narkosezwischenfall im Gütersloher Sankt-Elisabeth-Hospital ist ein 14 Jahre alter Junge gestorben.

Christian Althoff

Das Elisabeth-Hospital Gütersloh: Von hier wurde der Junge nach Bielefeld verlegt, konnte aber nicht gerettet werden. Foto: Wotke

Der Jugendliche aus Gütersloh sollte Dienstag operiert werden. Zur Art des Eingriffs machte das Krankenhaus keine Angaben, es soll aber eine Routine-OP gewesen sein. Krankenhaussprecherin Nadine Mense teilte mit, es habe bei der Narkose-Einleitung »eine unvorhersehbare Komplikation« gegeben. Der Junge wurde notfallmäßig in die Kinderklinik Bielefeld-Bethel verlegt. Dort wurde er wie berichtet am Mittwoch für tot erklärt .

Obduktion angeordnet

Polizeisprecherin Corinna Koptik: »Das Krankenhaus hat uns noch am Dienstag über den Vorfall informiert.« Die Kripo hat die Ermittlungen übernommen und die Patientenakte sichergestellt, die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die Obduktion des 14-Jährigen angeordnet. Sie wird voraussichtlich am Montag stattfinden.

Ob auch eine Regionalanästhesie möglich gewesen wäre, ob der Junge bereits in Narkose lag, als es passierte – diese und weitere ­Fragen wollte das Krankenhaus am Freitag nicht beantworten. »Wir werden die Polizei aber unein­geschränkt unterstützen«, sagt Nadine Mense.

Risiko grundsätzlich sehr gering

Aus der Narkose nicht wieder aufzuwachen – diese Sorge treibt manchen Patienten um. Zahlen zeigen aber, dass das Risiko sehr gering ist. Dr. Christian Hermanns, Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmediziner, ist Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Er sagt: »Es tut uns unsagbar leid, wenn so etwas passiert. Denn Narkoseärzte sind bei Operationen die Garanten für Sicherheit.« Internationale Studien zeigten, dass es bei einer Million Narkosen im Durchschnitt zu 7,3 schweren Zwischenfällen komme, von denen einige auch tödlich sein könnten. In Deutschland gibt es 16 Millionen Vollnarkosen und Regionalanästhesien pro Jahr.

Eine Studie von 2009, die die Situation in den USA untersucht hat, nennt 8,2 narkosebedingte Todesfälle pro einer Million Krankenhauspatienten. Dabei waren Männer (11,7 Todesfälle) fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen (6,5). Die höchste Todesrate hatten Patienten über 85.

Kritisch: Aus- und Einleitung der Stoffe in Körper

Dr. Hermanns: »Narkoseärzte tun alles Menschenmögliche, um Operationen sicher zu machen. Durch das intensive Aufklärungsgespräch kennen wir die Patienten und ihre Krankengeschichten besser als jeder andere Arzt.« Es gebe kaum einen anderen medizinischen Bereich, der so sehr überwacht werde.

Die kritischen Phasen bei einer Anästhesie seien die Einleitung und die Ausleitung, sagt der Experte. »Es kann zum Beispiel sein, dass ein Patient den Narkosewirkstoff zwar gut verträgt, aber auf das Mittel, mit dem er angesetzt ist, allergisch reagiert.« Todesfälle könnten durch einen technischen Defekt vorkommen, durch Fahrlässigkeit, aber manchmal seien sie eben auch schicksalhaft. »Man muss jetzt die Ermittlungen abwarten.«

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