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Neue Feuer- und Rettungswache nimmt im Dezember ihren Betrieb auf

24 Millionen Euro investiert

Gütersloh (WB). Die klassische Rutschstange darf natürlich nicht fehlen. »Die Stange ist sicherer als eine Treppe. Ich bin jetzt 27 Jahre bei der Feuerwehr und habe noch nie jemanden herunterfallen sehen«, sagt Brandamtmann Oliver Eichstädt (46) beim Rundgang durch die neue Feuer- und Rettungswache an der Friedrich-Ebert-Straße.

Michael Delker

Brandamtmann Oliver Eichstädt (links) und sein Chef Hans-Joachim Koch stehen vor dem 22 Meter hohen Übungsturm. Foto: Carsten Borgmeier

Wenn alles reibungslos läuft, wird die 24 Millionen Euro teure Wache im Dezember ihren Betrieb aufgenommen haben. Vorher gilt es, die neue Kreisleitstelle zu testen. Hierfür ist nur ein Tag veranschlagt, weil es sich um einen sensiblen Bereich handelt. Alle Notrufe aus dem Kreisgebiet laufen in der Leitstelle auf, Fehler oder Ausfallzeiten darf es hier nicht geben. »Wenn der Hebel einmal umgelegt wird, gibt es kein Zurück mehr«, sagt Eichstädt.

Eigentlich sollte die Wache bereits im Frühjahr fertig gestellt sein. Der Kampfmittelräumdienst musste drei Mal ausrücken, fand jedoch nur die liegen gebliebene Verankerung eines Zirkuszeltes, und der Sturm ließ ein Gerüst umstürzen. »Da kam eins zum anderen«, erklärt Projektleiterin Christa von der Lippe vom städtischen Fachbereich Hochbau.

Nistkästen für Mauersegler eingebaut

Wer auf dem weitläufigen Innenhof steht, dem fällt sofort der 22 Meter hohe Übungsturm auf. »Hier können wir mit der Steck- oder Drehleiter verschiedene Szenarien durchspielen«, so Oliver Eichstädt, zum Beispiel für die Höhenrettung. Gleichzeitig sind im Turm zwölf Gästezimmer zu finden. Auf Anregung des Fachbereichs Umwelt sind Nistkästen für Mauersegler eingebaut worden. Links neben dem Turm ist ein offenes Carport zu finden. Hier können Übungen an kaputten Autos durchgeführt werden.

Staus sind so gut wie ausgeschlossen. Einrückende Fahrzeuge kommen über die Vennstraße auf das Gelände, ausrückende nutzen die Ausfahrt Prekerstraße. Mit Toren wird die Wache verschlossen sein. »Damit der Innenhof nicht als Abkürzungsstrecke genutzt werden kann«, sagt Oliver Eichstädt.

120 Mitarbeiter sind in der Wache tätig

An der Einfahrt Vennstraße befindet sich die Kfz-Werkstatt. Es schließt sich die so genannte Bestückungsgasse an, wo die Fahrzeuge mit neuem Material beladen und benutzte Atemschutzgeräte gereinigt werden. Ein weiteres Herzstück ist die Fahrzeughalle für die Feuerwehr mit 16 Toren (entlang der Friedrich-Ebert-Straße) und in Richtung Preker­straße der Rettungsdienstbereich mit eigener Apotheke und Desinfektionseinheit. Entlang des Marktplatzes sind vier Stellplätze für Krankentransportwagen, Notarzteinsatzfahrzeug, eine Desinfektionswaschhalle, eine Waschhalle für Großfahrzeuge und Stellplätze für Spezialfahrzeuge vorgesehen.

Auf dem Gelände werden künftig rund 120 Mitarbeiter tätig sein, davon sieben Frauen. Drei Gruppen arbeiten im so genannten 24-Stunden-Dienst. Das bedeutet: Jede Gruppe hat eine Dienstzeit von 8 bis 19.30 Uhr, von 19.30 Uhr bis 7 Uhr Bereitschaft und anschließend 24 Stunden frei. Entsprechend ist die erste Etage in Wohn- und Dienstbereiche aufgeteilt. Es gibt Schlaf-, Sanitär-, Freizeit- und Fitnessmöglichkeiten und natürlich eine eigene Küche. »Jede Dienstgruppe kocht für sich selbst«, so Oliver Eichstädt.

In voller Montur durch schmale Löcher

Schweißtreibend wird es für die Feuerwehrleute, die die Atemschutzübungsstrecke zu bewältigen haben. In einer Art Käfig-Labyrinth müssen sie sich in voller Montur durch schmale Löcher quetschen und verschiedene Aufgaben lösen, zum Beispiel eine 100 Kilogramm schwere Person aus einer misslichen Situation befreien.

Die Verwaltung und Seminarräume sind ebenfalls in der ersten Etage angesiedelt. Und auf 500 Quadratmetern die Kreisleitstelle, wo über die Nummer 112 alle Notrufe aus dem Kreis Gütersloh auflaufen. Hier ist bei der Installation der sensiblen Technik Obacht gegeben. Es muss staubfrei sein.

Hans-Joachim Koch, Leiter der Gütersloher Feuerwehr, freut sich bereits auf den Umzug: »Hier können alle Abläufe deutlich besser gestaltet werden. Die Funktionalitäten und Bereiche sind klar und sinnvoll gegliedert.« Am alten Standort an der Friedrich-Ebert-Straße 40-42, wo die Feuerwehr seit 1985 untergebracht ist, herrscht seit Jahren Raumnot. Koch: »Wir sind personell stark gewachsen. Vieles am alten Standort ist inzwischen ein Behelf.«

Erweiterung ist möglich

Sollten Gütersloh und damit auch die Feuerwehr weiter wachsen, gibt es Erweiterungsoptionen.  »Wenn es erforderlich ist, könnte man im Bereich der Kreisleitstelle aufstocken«, erklärt Christa von der Lippe.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Prekerstraße befinde sich zudem ein Hochhaus in städtischem Besitz. Zukunftsmusik. Derzeit gehen die Beteiligten davon aus, für die nächsten Jahre gut gerüstet zu sein.

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