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Gütersloh: Torsten Drescher ist neuer Stadtverbandsvorsitzender und Spitzenkandidat

AfD will in Rat und Kreistag einziehen

Gütersloh (WB). Der starke Mann der Alternative für Deutschland (AfD) in Gütersloh heißt Torsten Drescher (31). Er ist Vorsitzender des neu gegründeten Stadtverbandes und wird im September für Stadtrat und Kreistag kandidieren. Angesichts der Umfragewerte ist er optimistisch, in beiden Gremien auf Fraktionsstärke zu kommen.

Stephan Rechlin

Torsten Drescher möchte für AfD im Herbst in den Gütersloher Stadtrat und in den Kreistag einziehen. Foto: Stephan Rechlin

Der Ort der Gründungsversammlung wurde geheim gehalten. Zeitungsredakteure, die teilnehmen wollten, wurden entweder nicht zugelassen oder von zu Hause zum Versammlungsort abgeholt und zurückgebracht: „Eine Vorsichtsmaßnahme. Sonst hätten Antifa-Gruppen die Versammlung wie in Bielefeld oder Herford aufgemischt und den gastgebenden Wirt als ‚Neonazi‘ gebrandmarkt,“ sagt Drescher.

Haltung zu Gedeon und Höcke

Den Begriff „Rechtsradikal“ lehnt Drescher ab, weil mittlerweile auch Positionen darunter fielen, die in der CDU noch vor zwei, drei Jahren mehrheitsfähig gewesen seien. Aus dem Fehlverhalten einzelner Personen an der AfD-Spitze dürfe nicht auf die ganze Partei geschlossen werden. Und wie hält er es mit diesen Personen? Den Partei-Ausschluss von Wolfgang Gedeon (Baden-Württeberg) trage er mit – Gedeon hatte von Nazis zitierte, von der Wissenschaft widerlegte Weltherrschaftsfantasien der „Weisen von Zion“ als anhaltende jüdische Bedrohung interpretiert. Einen Mann wie Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzender im thüringischen Landtag, zum Holocaust-Denkmal: „Wir Deutsche, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“) zählt Drescher dagegen zur AfD.

Diese Gratwanderung dürfte mit seiner Einbindung in den Parteiapparat zusammenhängen. Als „Manager für Marketing-Events“ organisiert der gebürtige Gütersloher unter anderem Bürgerdialoge für die NRW-Gruppe der AfD im Deutschen Bundestag – das sind öffentliche Versammlungen, in denen die Partei ihre programmatischen Positionen erläutert. Er selbst sei über die europakritische Haltung Bernd Luckes 2015 zur AfD gestoßen. Seit einem Jahr arbeite er im Kreisvorstand mit, als Experte für EDV und Medien.

Flüchtlingspolitik ist kein Schwerpunkt

Mit der Behauptung, dass der nicht enden wollende Migrantenstrom zu »exorbitant gestiegenen Fällen von Gewalt, mannigfaltiger Vergewaltigung, Missbrauch von Kindern, sexuellen Übergriffen, erzwungener Prostitution, Überfällen, Krawallen, Massenschlägereien, Diebstahl, Vandalismus, Zerstörung von Unterkünften, Mobiliar und Kleidung sowie der Gefahr potenziell mitgereister Terroristen, Dschihadisten und IS-Kämpfer« geführt habe, hatte der heutige AfD-Bundestagsabgeordnete Udo Hemmelgarn die mit der FDP gebildete „Liberale Fraktion“ 2015 platzen lassen. Auf diese Wortwahl lässt sich Drescher nicht ein: „Für mich sind die in Gütersloh aufgenommenen Flüchtlinge vor allem Opfer von Schiebern und Schleusern. Den Menschen wurde ein Paradies vorgegaukelt, dass es hier gar nicht gibt.“ Darum lehne er die Idee des „sicheren Hafens“ rigoros ab: „Dadurch werden noch mehr Menschen auf eine gefährliche Reise gelockt.“

Doch Flüchtlinge und Asylpolitik seien keine Schwerpunkte seiner kommunalpolitischen Arbeit: „Mir wird es vor allem um sozialen Wohnungsbau, die Unterstützung von Landwirtschaft und Einzelhandel und eine weniger hysterische Umwelt- und Klimapolitik gehen.“

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